Auszeit (2001)
L emploi du temps
Land: Frankreich | Jahr: 2001
Genre: Drama
Laufzeit: 133 min.
Regie: Laurent Cantet
Darsteller: Aurélien Recoing (Vincent), Karin Viard (Muriel), Serge Livrozet (Jean-Michel), Jean-Pierre Mangeot (Der Vater), Monique Mangeot (Die Mutter), Nicolas Kalsch (Julien), Marie Cantet (Alice), Félix Cantet (Félix)
Rating: 7.3 / 10
Kamera: Pierre Milon Musik: Jocelyn Pook Verleih: 2 rue Turgot Autor: Laurent Cantet, Robin Campillo Filmstart: 30.08.2002
Laurent Cantet verliert seinen Job, doch er hält die Fassade vom Managerdasein gegenüber seiner Familie aufrecht.  Wenn im dunklen Saal während einer Projektion plötzlich irgendwo ein Telefon zu klingeln beginnt, wird man unruhig. Nicht selten sind laute Unmutsäußerungen und eilige Abgänge die Folge. Immer öfter allerdings stellt sich auch heraus, dass ein beharrliches Läuten, das langsam lauter wird, via Surround-Sound durchs Kino schrillt.
Laurent Cantet setzt die Klingelzeichen gleich an den Anfang seines Films. Das Mobiltelefon seines Helden ist dessen wichtigstes Werkzeug. Denn solange er erreichbar ist, fragt keiner, wo er sich aufhält. Lange Zeit ist nicht ganz klar, was der eigentliche Grund dieser Verschleierungstaktik ist - wenn Vincent auf ausgedehnten Autofahrten, auf Rastplätzen oder von Hotellobbys aus seine Gespräche führt, Verabredungen trifft und von dringenden Geschäften spricht, die ihn in Bewegung halten. Vincent, erfährt man schließlich, hat seinen Job verloren. Seiner gutsituierten Familie gegenüber hält er allerdings die Fassade vom Managerdasein aufrecht - samt neuer Stellung bei der UN in Genf, teurer Zweitwohnung und neuen Kollegen. Das Funktionieren dieser existenziellen Fiktion verdankt sich einem geschulten Anpassungsvermögen, Berufserfahrung und Kommunikationsstrategien, die in aller Unverbindlichkeit die Sicherheit vermitteln, dass hier einer tut, was er sagt, und weiß, was er tut. Schon in Cantets Ressources humaines (1999) ging es um Arbeitswelten und das Übergreifen der Ökonomie auf ein soziales Umfeld. L'emploi du temps bearbeitet diesen Themenkomplex unter einer anderen Prämisse: Es geht um die ökonomische Organisation von Zeit und deren Simulation, um den erfolgreichen «Verkauf» von Zwangsfreizeit als Arbeitsalltag. Cantet inszeniert die Geschichte vor dem Hintergrund der dazugehörigen «architecture of reassurance» aus aufgeräumten Eigenheimen und transparenten Zwischenzonen der Betriebsamkeit - Empfangshallen, Hotelbars und Büroaufzügen, bevölkert von Aktenkofferträgern und professionellen Handybenützern. Eine Umgebung, in der Vincent perfekt verschwindet. (Isabella Reicher)
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film.at-ID: 1522647

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