| Einmal Zaubern, bitte!Article Jon Turteltaub inszeniert ein lahmes Zauberspektakel, bei dem die Spezialeffekte wie ein Stroboskop-Feuerwerk auf uns niederprasseln, aber die öde Geschichte auch nicht aufwerten können.  Harry Potter und seine Kollegen haben uns im Lauf der letzten Jahre nachhaltig darüber belehrt, welche Möglichkeiten Magie bereithält und wie sehr sie unser tägliches Leben bereichern kann - vorausgesetzt, sie wurde nicht in Jon Turteltaubs Hände gelegt: dieser Spaßverderber schafft es leider locker, uns die Freude daran gründlich zu vermiesen. Ein Teil der Schuld kommt freilich auch dem Produzent zu: das „Duell der Magier“ weist nämlich unverkennbar Jerry Bruckheims Handschrift auf. Darunter verstehe ich eine Dauerberieselung durch bombastische Effekte, bei der alles ruckzuck geht und gnadenlos an der Oberfläche bleibt - obwohl diverse Lichtspiele ständig der Anschein erweckten wollen, dass hier etwas unglaublich Bedeutsames geschieht.
Dabei klingt die Geschichte ja aufregend genug: immerhin steht Merlins alte Erzrivalin Morgana kurz davor, im heutigen New York die Macht wieder an sich zu reißen – vorausgesetzt, Merlins ehemaliger Meisterschüler Balthazar Blake stoppt ihre Wiedergeburt nicht mit Hilfe eines linkischen Physikstudenten, den er zu diesem Zweck eben noch rasch - durch hartes Training wohlgemerkt - in einen vollwertigen Magier verwandeln muss.
Jay Baruchel wirkt für einen frischgebackenen Zauberschüler eigentlich schon ziemlich alt, aber im Grunde spielt er ja ohnehin bloß wieder den Tollpatsch vom Dienst, der sich in eine Schönheit verliebt, die einfach „Zu scharf, um wahr zu sein“ ist, bis er zuletzt als unverkennbarer Potter-Klon im magischen Feuersturm des Bösen steht.
Ein hippie-mäßiger Nicolas Cage spult als langlebiger Meistermagier sein Standard-Programm ab, schneidet aber zumindest noch besser ab im Vergleich mit einem finster dreinblickender Alfred Molina, der gerne furchtbar böse sein möchte, - ein Ziel, das er auf diese Weise höchstens im Nachmittagsprogramm eines Kinder-Senders erreichen könnte.
Das unglaublich lahme Duell scheint sich über Stunden hinzuziehen und gewinnt nur ausnahmsweise so etwas wie vergnügliche Originalität, etwa wenn Baruchel als moderner Zauberlehrling Besen und andere Haushaltsgegenstände zum widerspenstigen Eigenleben erweckt, oder die Magier während einer Verfolgungsjagd durch Handauflegen die Automarke wechseln können.
Und ein Detail dürfte sogar unser kulturhistorisches Interesse wecken: das schwarzmagische Gefahrengut wird in Behältnissen zwischengelagert, die an russische Schachtelpuppen erinnern. Diese Matroschkas kamen allerdings erst um 1900 in Mode, tauchen hier jedoch bereits im 8 Jahrhundert auf. Von solchen Kuriositäten abgesehen, will aber kein rechter Filmzauber aufkommen und bei diesem Dauerfeuerwerk an Lichtblitzen hätten ein paar wirklich zündende Geistesblitze wahrlich nicht geschadet.
franco schedl |
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