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Georges Méliès

Article
EIN DENKMAL IN 3D

Das Kino sollte in erster Linie ein Ort des Staunens sein und nicht nur die nackte Wirklichkeit widergeben, sondern uns auf phantastische Reisen und in bisher ungesehene Welten mitnehmen. So dachte bereits ein echter Filmpionier, dem Martin Scorsese in seinem neuesten – inzwischen für 11 Oscars nominierten - Werk „Hugo Cabret“ ein monumentales Denkmal in 3D gesetzt hat: die Rede ist von Georges Méliès.
Im Film wird er durch Ben Kingsley verkörpert und erscheint als ziemlich desillusionierter alter Mann. Das entspricht den Tatsachen, doch ebenso wichtig ist es, einen Blick auf seine erfolgreichen Tage als leidenschaftlicher und phantasievoller Filmregisseur zu werfen.


HERKUNFT

1861 als Sohn eines wohlhabenden Pariser Schuhfabrikanten geboren, entwickelte der junge Mann schon früh künstlerische Ambitionen, die von seinem Vater nicht gefördert wurden. Seine besondere Vorliebe galt der Zauberkunst und da er überdies technisches Geschick beim Nachbau einiger Automaten für Magier zeigte, war er wie geschaffen für ein Illusionisten-Leben auf der Bühne und im Varieté. Nachdem er zu etwas Geld gekommen war, kaufte er sich das Théâtre Robert-Houdin, wo er Zauberkunststücke, Pantomimen und technische Spielereien vorführte und ab 1896 auch Beispiele der jungen Filmkunst zeigte. Im Sommer dieses Jahres drehte er seinen ersten eigenen Film, der mit Alltagsszenen noch ganz dem Dokumentarstil der Brüder Lumière verschrieben war.


DER FILMEMACHER

Doch die Themenwahl sollte sich bald ändern und als er seit 1897 über ein selbstgebautes Filmstudio auf dem Grundstück seiner Familie in Montreuil sowie eine eigene Produktionsfirma verfügte, startete er mit unglaublicher Produktivität und Einfallsreichtum seine Karriere als Regisseur. Bis 1912 entstanden so an die 500 Werke, die sich v.a. durch üppige Ausstattung und den Einsatz zahlreicher Filmtricks auszeichneten. Méliès wird, zumindest der Legende nach, die Erfindung des Stop-Motion-Verfahrens nachgesagt, aber auch Doppelbelichtungen, Modellaufnahmen oder Zeichentricksequenzen kamen zum Einsatz.


HAUPTWERK

Als sein bekanntester Film gilt wohl „Die Reise zum Mond“ (Le voyage dans la lune) von 1902: dieser von Jules Verne inspirierte erste Science-Fiction-Film enthält das berühmte, aus der Filmhistorie nicht mehr wegzudenkende Bild eines Mond-Gesichts, in dessen rechtes Auge sich die Raumkapsel mit den frühenAstronauten gebohrt hat. Erst 2002 tauchte in Frankreich eine komplett handkolorierte vollständige Kopie des Films auf, der zu Méliès‘ erfolgreichsten zählte. Als weiteres Beispiel eines hemmungslosen Spieltriebs kann der Kurzfilm „Der Mann mit dem Gummikopf“ (L'homme a la tête en caoutchouc) dienen: in diesem ebenfalls aus dem Jahr 1902 stammenden Filmspaß, bei dem Méliès, wie so oft, gleich drei verschiedene Rollen spielte, pumpt ein Mann seinen vervielfältigten Kopf so lange auf, bis dieser platzt.


SPÄTE ANERKENNUNG

Nach seinem Rückzug aus dem Filmgeschäft und dem Verlust seines Vermögens, schlug sich Méliès als Varietékünstler und Besitzer eines Spielzeugladens in der Metrostation Montparnasse durch, doch in seinen letzten Lebensjahren – er starb 1938 in Orly - erhielt er immerhin noch die verdiente Anerkennung für sein Schaffen, da etliche seiner verschollen geglaubten Werke wieder auftauchten und in Kreisen von Filmfreunden für Furore sorgten. Immerhin die Hälfte seiner Filme ist heute noch erhalten.

franco schedl

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