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Interview mit Jamie Babbit

Frauen, LesBiSchwul, Film.at Feature
Weil ich ein Mädchen bin / But I'm a Cheerleader ist eine Komödie über das perfekte All-American-Girl, dass als Lesbe denunziert und in ein absurdes Umerziehungslager für Homosexuelle geschickt wird. YUMYUM hat mit der Regisseurin Jamie Babbit gesprochen.
YUMYUM: But I'm a Cheerleader ist Ihr erster langer Spielfilm. Können Sie uns etwas darüber erzählen, wie Sie zum Filmgeschäft gekommen sind?

JAMIE BABBIT: Ich begann als Produktionsassistentin während der Uni. Ich habe für Martin Scorsese, John Sayles und David Fincher gearbeitet und auch bei vielen Independent-Gay-Filme in New York mitgeholfen. Ich bin also ein bisschen wie im alten Hollywood über verschiedene kleine Jobs zum Film gekommen, nicht über eine Filmschule. Dann habe ich mit Kurzfilmen angefangen - kleinen, märchenhaften Komödien. Als eine von diesen am Sundance Festival lief, habe ich jemanden getroffen, der aus eigener Tasche But I'm a Cheerleader finanzieren wollte. Ein Glücksfall.

YY: Der Film ist eine Komödie über die 'Ex-Gay' Bewegung in den USA, die immer größer wird. Es gibt ja auch tatsächlich Umerziehungslager für Homosexuelle. Waren sie sich immer sicher, dass sie über eine so ernste Angelegenheit eine Komödie drehen wollten?

JB: Ich habe einen Dokumentarfilm über diese Lager gesehen, der hervorragend war. Ich wusste aber immer, dass ich persönlich eine Satire über das Thema machen wollte, einfach weil mich das Genre interessiert. Ich habe noch nie einen ernsten Film produziert. Diese Bewegung ist auch so absurd, dass man sie am besten angreifen kann, indem man sich über sie lustig macht.

YY: Für eine Satire ist But I'm a Cheerleader allerdings sehr gutmütig, fast ein Feel-Good-Movie.

JB: Es ist keine schwarze Satire, sondern eher eine romantische Komödie, die auch den Konventionen des Genres folgt. Ich wollte einen gut gelaunten Film machen, in dem sich zwei Mädchen verlieben, und in dem das Paar um Schluss auch zusammen kommt. Aber gleichzeitig wollte ich mich über diese Idee lustig machen, dass man jemanden zum Hetero umerziehen kann. Und viele Gags im Film sind direkt aus den echten Camps entnommen. Wie zum Beispiel, dass alle die 'Wurzel' ihrer Homosexualität suchen müssen, und dann herausfinden, dass sie schwul sind, weil ihr Vater arbeitslos war oder ihre Mutter in Hosen geheiratet hat oder sie in Frankreich zur Welt gekommen sind. Und wenn sie daran arbeiten, können sie heterosexuell werden. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.

YY: Im Presseheft schreiben Sie, dass Sie in But I'm a Cheerleader nicht in die Ästhetik des Hetero-Camp abgleiten wollten. Statt dessen versuchten Sie eine 'Feminisierung' von Camp. Tatsächlich ist der Film ja sehr 'camp', mit all seinen Kostümen und Sets in Zuckerlrosa und Hellblau. Wo genau liegt die Feminisierung?

JB: Das Camp-Element im Film gibt es definitiv, da er überhaupt nicht realistisch ausschaut, sondern sehr stilisiert, fast hyper-real. Aber Cheerleader unterscheidet sich von den Filmen von John Waters, weil diese sehr zynisch sind. In meinem Film gibt es auch Szenen, wo die beiden Mädchen einfach miteinander sprechen, die eine gewisse emotionale Tiefe haben. Diese Sequenzen sind auch weniger stilisiert.

YY: Ihr nächstes Projekt ist ein Film namens Conjugating Niki. Können Sie uns etwas darüber und über andere Projekte in der Zukunft erzählen?

JB: Das ist eine Charakterstudie über ein verwöhntes, schreckliches, völlig oberflächliches Mädchen. Der Film steckt aber noch in der Entwicklungsphase. Ich arbeite noch an zwei weiteren Projekten. Ich plane eine Komödie über den Feminismus, angelehnt an die Riot Grrrrl Bewegung im New York der späten 80er. Ein weiteres Projekt ist eine Komödie über ... Kindsmissbrauch [lacht]. Es steckt viel Mitgefühl für die Kinder im Film, aber es ist auch so eine Geschichte wie Happiness, in der es um etwas sehr Ernstes geht, das aber ironisch behandelt wird. Je nach Glück wird der eine oder der andere Film zuerst produziert, wenn überhaupt einer.

Das Interview führte Markus Widmer

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