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Was ist das Erfolgsgeheimnis von Hanekes deutscher Kindergeschichte?

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Michael Hanekes außergewöhnlicher Film wurde mit wichtigen Preisen überhäuft - auch wenn der Oscar als krönender Abschluss dieser Gewinnstrecke nicht dabei war.

Adelige Großgrundbesitzer, Gutsverwalter, eifernde Pastoren oder schüchterne Dorfschullehrer in einem norddeutschen Nest des Jahres 1914 zählen nicht gerade zu unserem Alltagsinventar. Und doch bevölkern sie Michael Hanekes Meisterwerk „Das weiße Band“, das weltweit Anerkennung gefunden hat. Was spricht die heutigen Zuschauer an dieser Geschichte an? Verklärende Historienmalerei in Form eines rückwärts gewandten Heimatfilms scheidet bei dem Regisseur natürlich bereits von vornherein aus; ebenso wenig darf man sich ein Blut und Boden-Drama erwarten.

Was Haneke uns mit seiner selbstersonnenen Geschichte wirklich nahe bringt, ist eine zeitlose Thematik: Welche Auswirkungen ergeben sich durch rücksichtsloses oder unbedachtes Handeln bei der Erziehung von Kindern für die künftige Generation? Welche Sünden der Eltern erben sich fort? Nun wird auch deutlich, weshalb Haneke seinen Film so früh verortet: durch die Distanz von über 90 Jahren erhält jeder von uns Gelegenheit, aus den exemplarisch vorgeführten Geschehnisse reale historische Konsequenzen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu ziehen. Diese „deutsche Kindergeschichte“ ist ein hintergründiges sozio-psychologisches Lehrstück, das freilich nie didaktisch auftrumpft und auch keine Fragen beantwortet oder Erklärungen liefert. Gerade durch diese Haneke-typischen Verweigerungen wächst unsere Betroffenheit.


franco schedl

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