Kino und Popcorn gehören untrennbar zusammen. Aber auch ander kulinarische Genüsse lassen sich mit einem Filmbesuch verbinden.
Der Menschheit liebste Freizeitbeschäftigung hat den großen Vorteil, dass es nicht die ganze Aufmerksamkeit der oder des Ausübenden fordert, und daher nebenbei betrieben werden kann. Auch wenn Slow Food-Apostel aufschreien: Essen ist die ideale Nebenher-Beschäftigung. Abgesehen vom Singen gibt es wohl kaum eine Tätigkeit, die sich nicht mit Nahrungszufuhr kombinieren lässt.
Vielleicht liegt es am Ursprung des Kino als Jahrmarktsattraktion, dass ein Kinobesuch typischerweise mit dem Genuss von Knabbereien, Cola und anderen „leeren Kalorien“ verbunden ist. Auch wenn diese Praxis von strengen Cineasten strikt abgelehnt wird, die großen Kinoketten haben sich längst darauf eingestellt und erzielen den größten Teil ihres Umsatzes mit dem Verkauf von überteuerten Näschereien und Getränken. Die Auswahl bleibt allerdings in den meisten Fällen bescheiden und beschränkt sich auf einige wenige „Klassiker“: Neben Popcorn und stark zuckerhältigen Limonaden noch Sportgummi, Mannerschnitten, Rumkugeln und – als relativ neue Entwicklung – Tacos. Der Verzehr von mitgebrachten Speisen ist zudem strikt untersagt. Wer auf ausgefallenere kulinarische Genüsse steht, muss entweder seinen eigenen Proviant an den strengen Augen der Kartenabreißer vorbeischmuggeln, oder sich nach Alternativen umsehen.
Ein lohnendes Feld sind die allerorten aus dem Boden schießenden Sommerkinos. Das Gastronimieangebot in deren Umfeld ist vielfältig und die eher lockere Stimmung an lauen Sommernächten verführt zum Schlemmen. Andere Kinos konzentrieren sich ganz auf den kulinarischen Faktor und bieten direkt im Kinosaal ein erweitertes Angebot an Snacks und Getränken an. In Berndorf hat jüngst das „Erste Niederösterreichische Verzehrkino“ eröffnet, das mit einem Bestellservice während der Filmvorführung aufwartet. Bislang beschränkt sich die Auswahl auf Cheeseburger, Schnitzelsemmel und Pizzaschnitten. Eine Erweiterung des Angebot auf Chilli con Carne oder Pasta, passend zum jeweiligen Filmangebot ist höchst wünschenswert und auch geplant. Ähnliches bietet die Kinothek Lustenau in Vorarlberg an, leider ebenfalls mit einer wenig einfallsreichen Speisekarte.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Fernsehen und Kino ist der Ritualcharakter eines Kinobesuches, und hier – es lässt sich nicht vermeiden – landen wir wieder beim Popcorn. Zwar lässt sich auch zu Hause ein Filmabend zum kulinarisch-audiovisuellem Gesamterlebnis erweitern, und das noch dazu wesentlich preiswerter. Seine ganze sinnlich-olfaktorische Dimension entwickelt Popcorn allerdings erst im Zusammenhang mit der erwartungsvollen Atmosphäre im Kinodunkel. Wie so vieles kommt dieser Brauch aus Amerika, genauer gesagt aus Mittelamerika. Dort war gepuffter Mais seit Jahrtausenden bekannt und als Opfergabe für Götter beliebt. Beobachtet man, mit welcher Inbrunst Kinogänger ihren Leinwandgöttern Popcorn gleich kübelweise opfern, liegt der Verdacht nahe, dass sich seitdem nicht viel geändert hat. Die enge Verbindung mit dem Kino kam entstand während des Zweiten Weltkriegs in den USA. Zucker war für die Truppen in Übersee reserviert war, und als Ersatz für Candy griffen die Kinobesucher nach dem Popcorn. Den Kinobetreibern konnte es nur recht sein, lassen sich doch die Maiskörner im Rohzustand platzsparend transportieren und lagern und vor Ort ohne großen Aufwand frisch zubereiten. Die Extraportion Butter obendrauf war die luxuriöse Krönung, die sich hierzulande allerdings nicht so recht durchzusetzen vermochte.
Andere Ess- und Trinkrituale im Zusammenhang mit Kino sind streng an bestimmte Spielorte oder an ein bestimmtes Publikum gebunden: Die Flasche Bier im HTU Cinestudio zum Beispiel. Oder die Buttersemmeln, die von älteren Damen im Bellaria-Kino verzehrt werden, während auf der Leinwand Marika Rökk liebt und leidet oder Hans Moser nuschelnd seinen Grant pflegt. Eine nicht genug zu würdigende Einrichtung ist das Votivkino Filmfrühstück am Sonntagvormittag, dessen Ausspeisungscharakter ein wohliges Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Aber das ist eigentlich wieder ein eigenes Thema.
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