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Hanekes Triumph

Film.at Feature
In Cannes wurde Die Klavierspielerin ausgezeichent, doch das Werk des Regisseur Michael Haneke bleibt umstritten
Michael Haneke ist einer der wenigen österreichischen Filmschaffenden, die internationale Beachtung finden. Als sein jüngster Film Die Klavierspielerin auf den Filmfestspielen in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, kam dies für viele dennoch überraschend. Die Verfilmung de Romans von Elfriede Jelinek polarisierte das Publikum, und die Entscheidung der Festivaljury, welche Die Klavierspielerin gleich mit drei Preisen bedachte, wurde im Nachhinein von der französischen Presse scharf kritisiert.

Jubel dafür bei den Vertretern der österreichischen Filmwirtschaft. Die Austrian Film Comission sprach von einem „Triumph des Österreichischen Films“. Was nicht ganz zutrifft: Die Klavierspielerin wurde als französisch-österreichische Koproduktion zwar vom Österreichischen Filminstitut, dem Wiener Film Fonds und dem ORF mitfinanziert, gedreht wurde allerdings auf Französisch und mit Stars des französischen Films in den Hauptrollen.

Man könnte von einem typisch österreichischem Schicksal sprechen, dass der 1942 in München geborene und in Niederösterreich aufgewachsene Haneke erst im Ausland die Voraussetzungen fand, seinen bislang größten Erfolg zu produzieren. In den 70er und 80 Jahren arbeitete Haneke vor allem fürs deutschsprachige Fernsehen. Er inszenierte Literaturverfilmungen wie Wer war Edgar Allen nach Peter Rosei oder Drei Wege zum See nach Ingeborg Bachmann. Der Durchbruch als Regisseur von Kinofilmen gelang ihm 1989 mit Der Siebente Kontinent, einer eindringlichen Studie über den eruptiven Gruppenselbstmord einer österreichischen Mittelstansfamilie. Zusammen mit Benny’s Video und 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls entstand eine Trilogie der „emotionalen Vergletscherung“, in der Haneke eine Gesellschaft porträtierte, die das Lieben und Hassen verlernt hat.

Der zynische Umgang mit Gewalt in den Medien war Thema seines umstrittenen Films Funny Games: Zwei junge Männer dringen in das Ferienhaus einer Familie ein und quälen die Anwesenden mit sadistischen Spielen. Die Gewalt spielt sich dabei größtenteils in den Köpfen des Publikums ab, das von den beiden Jungen direkt angesprochen und so zu Mittätern gemacht wird.

Nach einer weiteren TV-Literturadaption (Das Schloss nach Franz Kafka) inszenierte Haneke im Jahr 2000 seinen ersten Film in Frankreich. Code inconnu nimmt sich in fragmentarischer Erzählweise der Veränderung der Gesellschaft an: Fremdenhass, Krieg, Migration und Landflucht als Ergebnisse zunehmender Entfremdung werden anhand der Schicksale einer Handvoll scheinbar zufällig ausgewählter Protagonisten dargestellt, deren Lebenswege sich in Paris kreuzen. Der Film mit Juliette Binoche als eine der zentralen Figuren wurde, wie zuvor auch schon Funny Games, in Cannes für die Goldene Palme nominiert.

Kritiker werfen Haneke seine pessimistische Weltsicht vor, seine kalte Distanziertheit, mit der er Gewalt und Unterdrückung darstellt. Haneke selbst sieht das anders. Für ihn sind Unterhaltungsfilme mit dem obligaten Happy End Zeichen für eine Einstellung, die sich mit dem Zustand der Welt abgefunden haben. Er wolle mit seinen harten, beinahe unerträglichen Filmen die Menschen aus ihrer Apathie wachrütteln. Seinen jüngsten Film Die Klavierspielerin bezeichnet er als „Parodie eines Melodrams“. Die Geschichte folgt dem typischen Handlungsverlauf eines Hollywood-Melodrams, das entgegen den Regeln in einen unversöhnlichen Schluss mündet.

Die Klavierspielerin ist Hanekes erster Kinofilm nach einer literarischen Vorlage. Dass er sich einen Roman der Österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek ausgewählt hat, ist kein Zufall. Haneke weist selbst darauf hin, dass die Werke österreichicher Künstler typischerweise recht „heavy“ seien und stellt sich selbst in eine Reihe mit Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek. Österreicher seien Weltmeister im „Unter-den-Teppich-Kehren“, man müsse in diesem Land schon schreien um aufzufallen. Genau das versuchen Hanekes Filme auch - zu verstören und zu irritieren, damit die Botschaft überhaupt wahrgenommen wird. In diesem Sinne ist Die Klavierspielerin vielleicht doch ein typisch österreichischer Film.

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