Ein Schriftsteller macht mit seiner Freundin Urlaub in Schweden. Sie füllen ihre Tage mit Liebe und Unsinn, bekommen Besuch von Freunden, schützen eines kleines Mädchen vor der brutalen Kinderheimleiterin und fahren nach ein paar Wochen wieder zurück nach Berlin. Viel mehr passiert nicht in Kurt Tucholskys Romanze ¿Schloss Gripsholm¿. Es ist, wie Tucholsky im ironischen Vorwort schreibt, ¿eine leichte Sommergeschichte ¿ zart im Gefühl, kartoniert, leicht ironisch und mit einem bunten Umschlag¿. Und doch war es für die zeitgenössischen Leser auch mehr: Eine literarische Flucht aus dem Deutschland der frühen dreißiger Jahre, und zugleich das Eingeständnis, dass man nicht auf Dauer seiner Zeit und ihren Umständen nicht entfliehen kann.
Für den heutigen Leser, der die Zustände in Deutschland (und der Welt) in den 30er Jahren nicht außerhalb der Buchdeckel mitliest, bleibt ¿Schloß Gripsholm¿ genau das, was Tucholsky eigentlich ironisierte: eine leichte Sommergeschichte. Und so ist es an sich eine gute Idee, das Buch mit dem persönlichen Lebensdrama seines Autors zu verweben, um so dem zeitgeschichtlichen Hintergrund kräftigere Konturen zu geben.
Nur tut Regisseiur Xavier Koller dabei ein bisschen zuviel des Guten und aus den kräftigen Konturen werden allzu grelle Pinselstriche. Wo es Tucholsky genügte, den faschistischen Zeitgeist in einem autoritär geführten Kinderheim zu spiegeln, müssen bei Koller Hakenkreuze und splitternde Auslagenscheiben ins Bild. Auch dann, wenn dies bedeutet, dass man zu etwas verkrampften Rück- und Vorblenden innerhalb einer einfach und geradlinig erzählten Geschichte greifen muss. Da darüberhinaus die Nebenhandlung mit dem mißhandelten Mädchen im Kinderheim beibehalten wird, gerät der Film zu einem recht uneinheitlichem Sammelsurium verschiedener Ansätze.
Gelungen hingegen ist das Wechselspiel aus Spannung und Zuneigung innerhalb des kleinen Grüppchens, das sich in dem idyllischen schwedischen Schloss einfindet. Zwischen Verruchtheit und dumpfen Nationalstolz, wimmerndem Selbstmitleid und verspielter Kindlichkeit schwanken die Emotionen hin und her und werden, kurz bevor sich die Spannungen entladen können, durch die Abreise der Protagonisten einfach unterbrochen. Ulrich Noethen gibt souverän den gleichermaßen kompromisslosen wie selbstmitleidigen Kurt Tucholsky und Jasmin Tabatabai gleicht aus, was Heike Makatsch als schmerzhaft fehlbesetzte ¿Prinzessin¿ an erotischer Ausstrahlung vermissen lässt. Darüber hinaus gibt es als erfreuliche Überraschung ein Wiedersehem mit der einzig wahren ¿Pippi Langstrumpf¿ Inger Nilson in der Rolle der Haushälterin von Schloss Gripsholm.
HS
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