Kann bitte jemand diesen Film leiser drehen?
The 6th Day hat mir wieder einmal klar gemacht, dass THX, Digital Dolby Surround und Konsorten dem Kino nicht nur genützt haben. Die neue Schwarzenegger-Kiste macht jedenfalls eindeutig zuviel Lärm. Das ist doppelt schade, weil gerade die leiseren Töne die besten Stellen des Films ausmachen.
Natürlich ist das Thema des Films nicht neu: Bereits vor zehn Jahren hat Schwarzenegger es in Die totale Erinnerung ¿ Total Recall abgehandelt. Auch in Blade Runner, Dark City oder dem unvergleichlichen Matrix geht es um gefälschte, verdoppelte und verschwimmende Identitäten. Das sind zwar allesamt bessere Filme als The Sixth Day, aber andererseits ist dieser noch immer einer der besseren Actionfilme dieses Jahres.
Zurück zur Thematik: Es geht ums Klonen und die damit verbundenen ethischen Fragen. Zwar ist in der Welt des Films das Klonen von Menschen illegal, aber tote Haustiere werden schon munter zu 'Repets' fabriziert. Ein skrupelloser Kapitalist, selbst schon in zweiter oder dritter Auflage vorhanden, stellt jedoch menschliche Klone in Serie her und bietet seinen Kunden faktisch die Unsterblichkeit. Die Methode eignet sich auch hervorragend zur günstigen Reproduktion von Schergen, die in Actionfilmen ja recht schnell mal draufgehen. Menschen und Identitäten werden also massenproduziert. Wie bei Staubsaugern oder Bürostühlen baut der Bösewicht in seine Klone aber ein Ablaufdatum ein: In ihre DNS wird ein Gendefekt integriert, den nur ein weiterer Klonvorgang korrigieren kann. Der Erfolg ist also sicher gestellt.
Menschen sind folglich reine Objekte, ja Waren, und dementsprechend gehen die vermeintlich Unsterblichen auch mit ihren und anderen Körpern um. Eine Killerin bemerkt zu ihrem zweiten Tod nur, dass sie ihre Frisur jedes Mal Unsummen kostet. Einen Gegenpol bildet die Frau des Klon-Chefarztes. Sie erträgt es nicht, ein Abbild ihrer selbst zu sein und bittet um einen endgültigen Tod. Der Mensch zwischen Ware und Würde ¿ zu diesem mehr als aktuellen Thema gibt es in The Sixth Day doch einige Denkanstöße.
Diese Momente lassen aber die Schwächen des Films nicht vergessen. Vor allem sind die Actionsequenzen nicht mehr als Routine: uninspiriert, schlampig geschnitten und, wie gesagt, allzu lärmig. Dasselbe gilt für die Science-Fiction-Welt der nahen Zukunft, die The Sixth Day darstellt. Über Wagen mit Autopilot, dicke Hologramme und ein totales Rauchverbot kommt die Geschichte nicht hinaus. Das gibt weder visuell noch inhaltlich viel her. Ärgerlich ist auch wieder Schwarzeneggers Figur: Diesen perfekten Familienvater, Geschäftsmann und Nahkämpfer haben wir schon ein paar Mal zu oft gesehen. Das Drehbuch versagt auch, wenn es lustig zu sein versucht. Die ganzen Einzeiler, die von vorneherein für das Kultgedächtnis der Fans gedacht sind, könnte man sich sparen.
Ein bisschen Überwindung braucht es schon, um The Sixth Day gut zu finden. Man muss den Ärger über die ganzen Ideendiebstähle herunterschlucken. Man muss großzügig über den Familienkitsch und die verpassten Pointen hinwegsehen. Man muss auch seine Ansprüche für Kino-Action herunterschrauben. Und man muss die guten Stellen des Films finden und genießen. Wer das kann und ein Paar Oropax dabei hat, dem oder der wird The Sixth Day garantiert gefallen.
Markus Widmer
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