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Director's Cut

Article, Film.at Feature
"Der erschreckendste Film aller Zeiten. So wie ihn noch keiner gesehen hat." So bewirbt der Verleih den "Director's Cut" von Der Exorzist, welcher dieses Wochenende anläuft. Immer wieder werden alte Filme auf diese Art neu verpackt und wiederverwertet, sei es im Kino, auf Video oder auf DVD. Ist der "Director's Cut" ein bloßer Marketinggag oder steckt mehr hinter dem Begriff?
Im Untertitel "Director's Cut" steckt ein Versprechen an die Cinéastengemeinde: Dies ist die endgültige Version des Films. Das heißt manchmal auch: die ursprüngliche Version, kompromisslos und frei von jeglicher Verfälschung.

Man mag sich fragen, was das soll. Ist ein Film nicht ein Film? Ganz so einfach ist die Angelegenheit aber tatsächlich nicht. Nur die allerwenigsten Regisseure haben das Recht auf den "Final Cut" in ihren Verträgen. Die Spielbergs und Lucases dieser Welt können über die letzte Filmsekunde bestimmen, aber sie sind Ausnahme. Die meisten Regisseure müssen Kompromisse eingehen, wenn das produzierende Studio Einwände hat. Die Filmgeschichte zeigt Hunderte Beispiele auf von radikal gekürzten Nebenhandlungen, herausgeschnittenen Provokationen und künstlich angeklebten Happy Ends.

Selbst ein Regisseur mit totaler kreativer Kontrolle garantiert nicht für endgültige Filme. Stanley Kubrick zum Beispiel hat nach der Premiere von 2001: Odyssee im Weltraum noch volle 20 Minuten aus dem Film herausgeschnitten. Im Regelfall gehen nachträgliche Schnitte aber auf das Konto der Zensoren.

Einige Vorarbeit leistet schon die Selbstzensur der amerikanischen Studios. Von vielen Filmen gibt es von Anfang an eine internationale und eine US-Version. Für den puritanischen Heimmarkt schneiden die Studios grobe Gewalt- und Sexszenen heraus, da eine Freigabe ab 17 meist den finanziellen Absturz eines Filmes bedeutet. Der europäische Markt funktioniert anders, und so sehen wir wesentlich mehr nackte Haut und Blut als die Amerikaner. Es gibt dementsprechend viele Director's Cuts, die nichts anderes sind als europäische Schnittfassungen.

Der Director's Cut verspricht aber eigentlich, alle Eingriffe rückgängig zu machen. Er soll jene Fassung eines Films sein, die der künstlerischen Vision des Regisseurs am nächsten kommt. Dazu werden zum Teil auch Szenen eingefügt, die nicht nur Schauwert haben, sondern auch zum Sinn der Geschichte beitragen. Andere Director's Cuts zeigen hingegen nur, wie gerechtfertigt die Kürzungen der ersten Version waren.

Eine weiter Motivation für neue Filmfassungen ist die Entwicklung der Technik. Hat man bisher bei Einführung technischer Neuerungen wie Ton oder Farbe einfach Remakes gedreht, sind heute eher "Reeditions" im Trend. So wurde die neue Kinokopie von 2001 natürlich digital aufpoliert (leider wird sie nicht nach Österreich kommen), genauso wie der Ton von Der Exorzist. Die 'Special Edition' der Star Wars Trilogie war das beste Beispiel, wie rasend erfolgreich eine solche Fassung sein kann.

Star Wars zeigt aber auch, worum es beim Director's Cut geht: Abkassieren. Wer einen Film schon im Kino gesehen hat und die Videokassette besitzt, der soll sich auch die neue Version auf DVD kaufen. Der Hunger von Fans und Kultanhängern wird gerade mit diesem neuen Medium bedient, da jede Menge Platz für Bonusmaterial vorhanden ist. Das Resultat ist aber, dass es noch weniger eine 'endgültige' Fassung eines Filmes gibt als vor der DVD. Mit dem Material einer guten Silberscheibe kann man den Schaffensprozess eines Filmes nachvollziehen und die verschiedensten Fassungen rekonstruieren. In nicht allzu ferner Zeit kann man sich wahrscheinlich dann die eigene Version zusammenschneiden.

Eine 'endgültige' Version eines Filmes bietet also auch der Director's Cut nicht - leider auch nicht immer eine bessere. Aber die Welle von neuen Fassungen älterer Filme bietet doch zwei große Vorteile: Erstens kann man mehr über die Entstehungsgeschichte eines Films erfahren. Zweitens sind Reeditions und Director's Cuts Gelegenheiten, Klassiker wie 2001 oder Der Exorzist wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehören – auf die große Leinwand.

Sinn und Unsinn von Director's Cuts - Dein Kommentar ist gefragt!

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