| Interview mit Sönke Wortmann (Teil 1)Article Der deutsche Regisseur verrät im Gespräch über seine Komödie "Das Hochzeitsvideo" u.a., warum er Facebook nicht verwendet, wie man mit Filmneulingen dreht und warum Wirkung vor Logik kommt.  "Wenn ich Filme drehe, will ich immer Alle mögen!"
Der eigens für einen Interview-Tag nach Wien eingeflogene Regisseur ("Das Wunder von Bern", "Die Päpstin") sprach mit uns in der 'Don Giovanni-Suite' des "Hotel Sacher" über seinen neuen Film, in dem die turbulenten Vorbereitungen zu einer Hochzeit auf Digitalkamera festgehalten werden.
film.at: Herr Wortmann, greifen Sie eigentlich auch privat mal zur Kamera, um irgendwelche festlichen Anlässe – Geburtstage, Hochzeiten, Schiffstaufen - festzuhalten?
Sönke Wortmann: Schiffstaufen vor allem (lacht). Nein, grundsätzlich nie - das ist mir selber schon aufgefallen. Dadurch, dass ich das beruflich mache – und zwar sehr gerne und intensiv – bin ich dann in meinem Privatleben überhaupt nicht damit zugange. Mir ist es relativ egal, ob jemand bei solchen Anlässen filmt. Ich selber besitze jedenfalls kein iPhone und keine Kamera.
- Sind Sie dann eine Art Technik-Verweigerer im privaten Bereich?
Ja, das kann man so sagen. Ich habe auch noch nie etwas hochgeladen und weiß gar nicht, wie das geht.
- Sie sind demnach auch kein bekennender Facebook-Fan oder oft auf YouTube unterwegs?
Bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken bin ich kein Mitglied; und You Tube ist für mich insofern wichtig, wenn ich mal ein Fußballspiel verpasst habe, dann kann ich mir da im Nachhinein die Tore ankucken.
- Im Wikipedia-Artikel über Sie steht, Sie hätten „Das Hochzeitsvideo“ unter Pseudonym gedreht. Stimmt das?
Das steht da drin? Da muss ich mal nachschauen. Aber es stimmt – zumindest zur Hälfte. Es hat hauptsächlich zwei Gründe für diese Entscheidung gegeben: erstens gibt es ja für so einen Film Testscreenings und mir war wichtig, dass die Leute, die das Werk bewerten, nicht durch den Namen des Regisseurs voreingenommen sind. Wenn man meine Arbeit gut findet, will ich nicht, dass ich aus diesem Grund automatisch Pluspunkte bekomme, und wenn man sie nicht gut findet, sollte es auch kein Malus geben.
- Das war also Grund Nummer 1 – und wie lautet der andere?
Wir haben anfänglich überlegt, ob wir diesen Film nicht als „Found Footage“-Projekt realisieren sollten. „The Blair Witch Project“ ist ja die Mutter dieses Genres; und einer der Produzenten meines Films hat mir damals zugerufen: „Machen wir ‚Blair Witch‘ als Komödie!“ Als wir anfingen zu arbeiten haben wir dann aber gemerkt, dass das so nicht gehen wird, da mittlerweile dieses Internet/You Tube-Ding so allgegenwärtig ist, dass man uns die „Found Footage“-Fiktion nicht abgekauft hätte.
- Welcher Name stand denn nun auf der Filmklappe?
Nicht meiner, sondern Peter Hansen. Klingt doch auch gut, oder?
- Die Schauspieler wussten aber schon, mit wem sie eigentlich drehten?
Ja klar.
- Stichwort: Schauspieler. Ich habe gelesen, dass sich das Ensemble aus absoluten Filmneulingen zusammensetzt. Die Darsteller wurden alle von Theaterbühnen weg gecastet. War die Arbeit mit ihnen leichter als mit - womöglich zickigen - Stars?
Zickige Stars hatte ich noch nie! Bei Stars ist es aber so: sie genießen u.a. diesen Status, weil sie etwas können und wenn man z.B. mit Johanna Wokalek „Die Päpstin“ dreht, weiß man, das kann nur gut werden. Bei dem ‚Jungen Gemüse‘ hier weiß man das nicht und es ist spannender. Wenn man’s dann hinkriegt, ist es umso schöner, weil man denkt, da musste sich der Regisseur jetzt mal richtig reinknien.
- Und war wirklich viel Arbeit von Ihrer Seite nötig?
Nein, es ging dann doch relativ locker.
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