| Kurze Geschichten von FilmküssenArticle ERSTER LIPPENKONTAKT
Das erste von einer Kamera beim Kuss festgehaltene Lippenpaar fand 1896 zueinander und sorgte für einiges Aufsehen. Ein zeitgenössisches Magazin bezeichnete die Szene als „völlig abstoßend“ und man kann sich lebhaft vorstellen, wie im Publikum verschämt gekichert, empört geprustet oder angeregt mitgeschmatzt wurde. Doch obwohl der Mann und die Frau auf der Leinwand wie ein altes Ehepaar wirken, hatte der Kuss nichts Privates an sich, sondern war tatsächlich nur gestellt und bereits oft vorher geprobt worden: die Szene stammte nämlich aus dem Bühnenstück „Die Witwe Jones“, in welchem May Irwin und John Rice (so die Namen der Küssenden) schon viele Male zusammen aufgetreten waren.
VERBOTENE + ERLAUBTE KÜSSE
Die amerikanischen Bundesstaaten zeichnen sich oft durch absurde Gesetzgebung aus und so ist es nicht weiter verwunderlich, wenn man liest, dass im Pennsylvania der 1930er Jahre vertikale Filmküsse erlaubt, horizontale hingegen verboten waren.
China erlaubte bereits 1926 als erstes fernöstliche Land öffentlich zur Schau gestellte Küsse in Filmen, während das Nachbarland Japan im selben Jahr rund 240 000 Filmmeter an Kuss-Szenen aus amerikanischen Produktionen herausgeschnitten hatte.
VERRUCHTE KÜSSE
Erotisches Neuland wurde filmtechnisch 1930 betreten: Mit weißem Smoking bekleidet küsste Marlene Dietrich als erste Hauptdarstellerin eine andere Frau auf der Leinwand in Josef von Sternbergs „Marokko“. Doch bis es so richtig zur Sache ging, sollten noch etliche Jahre ins Land ziehen: der erste verbürgte Zungenkuss wurde 1961 zwischen Natalie Wood und Warren Beatty im Film mit dem passenden Titel „Fieber im Blut“ ausgetauscht.
REKORDVERDÄCHTIGE KÜSSE
Besonderes Durchhaltevermögen haben Jane Wyman und Regis Toomey bewiesen: im 1940 gedrehten „You`re in the Army Now“ ging ihnen bei einem volle 3 Minuten und 5 Sekunden währenden Kuss nicht der Atem aus. Überboten wurde dieser Rekord dann allerdings in den wilden 60er Jahren durch Warhols Avantdarde-Film „Kiss“ (1963), dessen Name Programm ist: 50 Filmminuten werden hier ausschließlich küssend zugebracht.
Nicht zu vergessen: 2005 war - allerdings nur während der End Credits - bei "Kids in America" sogar ein 6minütiger Kuss zu sehen.
Im Gegensatz zur Qualität ist oft auch Quantität gefragt: die meisten Küsse innerhalb eines Film wurden 1926 in „Don Juan“ zwischen John Barrymore und Mary Astor ausgetauscht – 127 (in Buchstaben: Einhundertsiebenundzwanzig!). Jeder zu bewundern, der hier beim Mitzählen ruhig bleiben konnte.
WEST + HILL ALS PROBLEMKÜSSER
Sexbome Mae West übte eine solche starke sinnliche Reizung auf ihre Umwelt aus, dass es (zur Sicherheit aller Beteiligten?) zwischen ihr und ihrem Filmpartner niemals zu einem direkten Lippenkontakt vor der Kamera kommen durfte.
Terence Hill als schelmischer „Nobody“ hingegen beweist, wie man einen Kuss zweckentfremden kann: als ihm eine zudringliche Frau um den Hals fällt, hält er ihr beim Lippenkontakt so lange die Nase zu, bis ihr die Sinne schwinden und er verduften kann. Bei so einer Idee bleibt einem wirklich die Luft weg! |
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