film.atfilm.at
film.at auf Facebookfilm.at
auf Facebook
film.at für iPhone und iPadfilm.at
für iPhone & iPad
film.at für Androidfilm.at
für Android
Meine FilmlisteMeine
Filmliste
ANZEIGE
 Detailinfo  User Comments (0) 

Ein Komponist als Couch-Potato?

Film.at Feature
Das reizvolle Gedankenspiel über die historisch verbürgte Begegnung zwischen Freund und Mahler punktet mit starken Darstellern, die über einige dramaturgische Schwächen hinwegtrösten.
Wenn sich ein Künstler auf die Couch legt, muss das nicht unbedingt mit einer Entscheidungsfindung in Besetzungsfragen zu tun haben, sondern kann durchaus auch seelischen Zwecken dienen. Rilke liebäugelte z.B. – von Lou-Andreas Salomé gedrängt - kurzfristig mit dem Gedanken, Sigmund Freuds Dienste in Anspruch zu nehmen, doch seine Skepsis überwog – er hatte Angst, durch die Aufhellung dunkler Seelengründe seinen Kreativität zu verlieren.

Von ganz anderen (Ehe)Problemen umgetrieben, fühlte sich Gustav Mahler 1910 veranlasst, beim Vater der Psychoanalyse um einen Termin anzusuchen; und so kam es zu einer Begegnung, deren Authentizität zwar verbürgt, über deren genauen Verlauf jedoch nichts Näheres bekannt ist. Ein Umstand, der die Phantasie von Percy und Felix Adlon in Gang gesetzt hat – die ausgedehnten Recherchen des kreativen Vater-Sohn-Gespanns schlugen sich auch darin nieder, dass ihr Film mitunter regelrecht dokumentarischen Charakter annimmt, indem Personen aus Mahlers Umfeld unter Einblendung ihrer Namen für kurze Erzähl- oder eigentlich Interviewpassagen zu Wort kommen.

Ein etwas merkwürdiges Setting, das nicht so recht zur eigentlichen Rahmenhandlung passen will, da wir doch die Rückschau aus Mahlers Sicht erleben. Der Komponist benötigt zwar die behelfsmäßig hergerichtete Couch im Leidener Hotelzimmer vorerst nicht, weil er im Geschwindschritt eine ambulante Konsultation erzwingt, die während einer langen Nachtsitzung – diesmal in korrekter Lage seinerseits – ihre Fortsetzung findet. Der Situation entsprechend, lässt Mahler seine 9 Ehejahre mit Alma Revue passieren und die unorthodoxe Analyse steuert sogar auf die Bewusstmachung von Verdrängtem zu (wenn auch das Unbewusste niemals so brav chronologisch und folgerichtig arbeiten würde).
Besonders schelmisch gibt sich hier übrigens Karl Markovic: bei seiner Verkörperung des berühmten Vollbartträgers lässt er ständig liebenswerte Eigen- und Verschrobenheiten durchscheinen.

Musikalisch untermalt wird das Geschehen durch den 1. Satz von Mahlers unvollendeter 10. Symphonie, die zu jener krisenhaften Zeit entstanden ist. Ähnliche ästhetische Aufwertung erfährt der Film durch Kameramann Benedict Neuenfels, der fast alle Außenaufnahmen in traumhaft-irreale Lichtverhältnisse taucht.

Leider verwechseln die Autoren bisweilen Spekulation mit Spektakel und entfesseln ein vordergründig lustbetontes Treiben, das man eher Mankers „Alma“-Event zuordnen würde – dadurch wollen sie ihrem im Presseheft beschworenen Bild von Alma als „Genie-Groupie des 20. Jahrhunderts“ und einer Art frühen „Brangelina“ gerecht werden. Auch eine Neigung zu symbolischer Überhöhung bringt mitunter kuriose Bilder hervor, die sich in Ken Russells herrlich eigenwillige „Mahler“-Biografie von 1974 besser eingepasst hätten - etwa wenn Alma den zusammenge-brochenen nackten Mahler in ihrem Schoß birgt und dadurch zur Pietà hochstilisiert wird.
Solche überspannten Schlenker wären bei diesem starken Cast durchaus verzichtbar gewesen: Barbara Romaner strahlt durch ihr intensives Spiel ohnehin in jedem Moment überbordende Lebensfreude aus - und das hängt von ihrem Be- oder Entkleidungszustand absolut nicht ab.

franco schedl

Siehe auch: 

User Comments 

page-ID: 10956756

Tipp 

The Descendants

The Descendants

Nachdem seine Frau durch einen Unfall im Koma liegt, stürzt der erfolgsverwöhnte Anwalt Matt King in eine tiefe Krise.

Film/Kino Suche