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'75 Minuten mit der Faust auf die Leinwand'

Article, Film.at Feature
Dem gebürtigen Oberhausener Christoph Schlingensief lag das Filmemachen wohl im Blut: seit seinem 8. Lebensjahr hat er immer wieder zur Kamera gegriffen und uns über 10 eigenwillige Langfilme hinterlassen.
Durch den Tod von Christoph Schlingensief starb nicht nur ein Vollblut-Theatermann, der in den Jahren vor seiner Krankheit scheinbar ohne Unterbrechung eine Inszenierung nach der andern folgen ließ und das Projekt eines Operndorfs in Afrika verwirklichen wollte, sondern der gebürtige Oberhausener war v.a. in den 80er + 90er Jahren ebenso unermüdlich als Filmemacher tätig.
Sein Herkunftsort schien ihn dafür zu prädestinieren, denn die am 28. Februar 1962 anlässlich der „8.Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen" von 26 Filmemachern unter dem Titel „Papas Kino ist tot“ abgegebene Erklärung ging als Oberhausener Manifest in die (Film)Geschichte ein und gilt als Geburtsstunde des „Jungen deutschen Films“: durch diese Abgrenzung gegen das desolate bundesdeutsche Filmschaffen der Zeit, erhielten in der Folge Regisseure wie Syberberg, Fassbinder, Herzog, Wenders und Schlöndorff wichtige Impulse.

Kein Wunder, dass Schlingensief mit diesem Background seit seinem 8 Lebensjahr Filme drehte. Nach einigen Kurzfilmen entstand mit „Tunguska – Die Kisten sind da“ 1983 sein erster Langfilm, dem bis 1997 noch über 10 weitere folgen sollten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er jedoch erst durch seine tiefschwarze Trash-Farce „Das deutsche Kettensägen-Massaker“ bekannt, womit er 1990 auf die Wiedervereinigung Deutschlands reagierte.

Er verfocht eine „Ästhetik des Protestes“ (Peter W. Jansen) und liebte provozierende Schockmomente: in „Menu Total“ von 1986, das bezeichnenderweise auf Englisch den Titel „Meet Your Parents“ trägt, rechnet er mit der Elterngeneration ab und lässt die Altvorderen bei einem Picknick in Naziuniformen Polonaise tanzen. Einen anderen deutschen Totentanz, der die Banalität des Bösen entlarvt, inszenierte er 1989 in seinem an einem einzigen Tag gedrehten »100 Jahre Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker«.

Schlingensief verstand sich als eine Art irrwitziger Fortführer des Neuen Deutschen Films und arbeitete meist mit denselben Schauspielern, die aus dem Fassbinder-Umfeld stammten. Zu seinen Lieblingsdarstellern zählten z.B. der herrlich exzentrische Udo Kier oder das bayrische Original Alfred Edel. Hingegen wird es wohl manchen überraschen, dass Tilda Swinton 1986 in einem Schlingensief-Film („Egomania“) mitgewirkt hat. Auch Helge Schneider stand zwei Mal für seinen Jugendfreund vor der Kamera: als Adolf Hitler in dem skandalträchtigen „Menu Total“ (für das es auch die Musik beisteuerte) und als intriganter Bösewicht in „Mutters Maske“ (1987) (der eigenwilligen Nacherzählung von Veit Harlans einschlägigem 'Opfergang' von 1944). Die Zusammenarbeit mit Schneider funktionierte auch umgekehrt, da Schlingensief an „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ ungenannt als Ko-Regisseur mitwirkte.

„Der letzte Deutsche Film"– dieser Untertitel von "Die 120 Tage von Bottrop“ war tatsächlich programmatisch zu verstehen, denn Schlingensiefs Fassbinder-Hommage blieb sein letzter Spielfilm. Fortan konzentrierte er sich ganz auf seine Theater-Arbeit, doch in so gut wie allen seinen Inszenierungen fanden sich auch filmische Einsprengsel.
(fs)

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Bei der „Filmgalerie 451“ gibt es übrigens eine 11teilige DVD-Edition, die Schlingensiefs gesamtes filmisches Schaffen umfasst:
http://www.filmgalerie451.de/dvd/editionen/schlingensief/

Siehe auch: 

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Eine liebevolle, beglückend detailverliebte Hommage an das Goldene Zeitalter Hollywoods und seine Schauspieler.

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