| Toy Story 3 - InterviewFilm.at Feature Deutschsprachige Spielzeugfreunde haben es besonders gut, denn für sie erhöht sich der Spaßfaktor an „Toy Story 3“ dreifach: immerhin haben drei hochkarätige Comedians den Figuren Woody, Ken und Dino Rex ihre Stimmen geliehen. Wie es dabei zuging, verraten Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz: film.at hat mit den drei Spaß-Machern am Round Table in einer Suite des ARCOTEL ‚Kaiserwasser‘ Platz genommen.  Beginnen wir mit der naheliegendsten – und sicher schon x-mal gestellten - Frage…
BULLY: Moment, dürfen wir raten: „Was war Ihr Lieblingsspielzeug?“
Genau!
KAVANIAN: Also ich tendiere zu den Monchichi, denen ich mit dem Handbohrer meines Vaters Löcher in die Ohren gebohrt habe, damit das Monchichi die Daumen auch in die Ohren und nicht nur in die Nase stecken kann.
BULLY: Kennen Sie die Monchichi? Eigentlich sahen sie dir, Rick, auch ein bisschen ähnlich. Man muss dazu sagen: als ich Rick kennenlernte, dachte ich, er hat `ne Mütze auf, aber es waren seine Haare. Und die Monchichis hatten doch auch so einen Afro. Also ich hatte kein Monchichi und immer das Gefühl, dass die anderen Kinder die besseren Spielzeuge haben. Schlümpfe waren ein Thema bei uns zu Hause – ich hatte eine Schlumpf-Tankstelle, den Auto-Schlumpf, Schlumpf-Büsche – soll ich jetzt alle verschiedenen Schlumpfarten aufzählen?
KAVANIAN: Heißt nicht die Schweizer Justizministerin auch Schlumpf?
BULLY: Stimmt – Frau Schlumpf, die hatte ich auch.
TRAMITZ: Ich hatte einen Apfel, in den ich ein Gesicht geschnitzt habe, so lange, bis er verfault ist.
Hatten Ihre Kinder einen Ken, Herr Tramitz?
TRAMITZ: Also ich habe ihnen keinen gekauft. Aber der Ken im Film ist ja super, weil er eben nicht so eine brave Puppe ist, sondern eine charakterlich zwielichtige Gestalt und das ist zum Sprechen dann natürlich auch wesentlich dankbarer.
Wie versetzt man sich denn in Spielzeuge hinein?
TRAMITZ: Einfach ins Gesicht reinschauen, weil die dermaßen gut animiert sind, dass man eigentlich nach kurzer Zeit vergisst, ob das jetzt eine Puppe ist, oder ein Dinosaurier oder ein Cowboy. Sie werden so menschlich, dass man das automatisch übernimmt. Leider teilweise auch den Gesichtsausdruck.
Was macht den Reiz am Synchronisieren aus?
BULLY: Ich würde es gar nicht pauschal als Synchronisieren bezeichnen, sondern es ist der Reiz am Pixar-Film. Ich bin kein hauptberuflicher Synchronsprecher, aber wenn es sich um einen Animationsfilm handelt, mache ich es wahnsinnig gern.
TRAMITZ: Es gibt ja definitiv keinen Pixar-Film, bei dem man sagen würde: der ist jetzt nicht so gelungen. Es sind alle sensationell und wenn dann die Leute auf einen zukommen und fragen, ob man da mitsprechen möchte, würde mir nie einfallen, das Angebot abzulehnen – das ist wie ein Ritterschlag.
BULLY: Absolut – und es spielt ehrlich gesagt auch gar keine Rolle, welche Figur man übernehmen soll: ich hätte auch einen stummen Mülleimer gesprochen. Und – nicht zu vergessen: Wir hatten ja noch den einfachsten Job. die Leute, die den Film gemacht haben, arbeiten 3-4 Jahre daran, und wir sind maximal 2-3 Tage beschäftigt. Es ist alles vorgegeben, du hast keinen Spielraum für Improvisationen und du willst einfach so nahe wie möglich am Original dranbleiben. Wir wussten übrigens vorher gar nicht, dass wie an dem Projekt gemeinsam beteiligt sind – man hat uns aneinander vorbeigeschleust.
Hatten Sie dann gemeinsam viel Spaß bei der Arbeit?
BULLY: Das war gar nicht möglich, denn wir sind nie gemeinsam im Studio gestanden. Synchronisieren ist ein wahnsinnig einsamer Job – du bist da ganz alleine und wenn die in der Regie ihr Mikro abdrehen, dann hören sie dich auch nicht mehr, das heißt, die vergessen dich dann auch mal.
KAVANIAN: Und du sie auch. Ein bisschen Potential für einen Thriller: Gefangen im Synchronstudio.
Wussten Sie, Herr Tramitz, vorher, dass sie in einer Szene von Barbie gefoltert werden – oder kam das für Sie ganz unverhofft, und Sie waren dann angenehm überrascht?
TRAMITZ: Deswegen hab ich die Rolle angenommen.
BULLY: Moment, welchen Film haben Sie gesehen? Dürfte ich die Version auch mal sehen?
TRAMITZ: Er wird gefesselt und ein wenig unter Druck gesetzt.
BULLY: Ach so ja, stimmt… Na gut, das macht Jack Bauer auch.
Und haben Sie Drei vorher schon immer instinktiv großen rosa Plüschbären misstraut, oder kam das erst nach diesem Film-Erlebnis?
KAVANIAN: Ich wusste vorher nicht, dass solche Plüschbären nach Erdbeeren riechen – spätestens da hab ich zu zweifeln angefangen.
BULLY: Und du hättest ihn vor allem – so wie ich dich kenne – einfach aufgegessen.
TRAMITZ: Das ist für mich wieder so eine tolle Pixar-Umkehrung, dass ein Sinnbild des treuen Gefährten der Kinder praktisch böse wird. Sie drehen oft die Charaktere wahnsinnig geschickt herum und erreichen dadurch natürlich große Aufmerksamkeit.
Sehen Sie eine Entwicklung zwischen den 3 Teilen von Toy Story?
BULLY: Wenn man sich heute den ersten Teil wieder ansieht, erkennt man erst, wie viel inzwischen auf dem Animations-Sektor geschehen ist. Die Kinder damals wirkten z.B. wie Chucky, die Mörderpuppe – richtig unheimlich. Mittlerweile ist die Technik schon so weit, dass man gar nicht mehr weiß, wo man‘s eigentlich noch besser machen könnte – das hat uns der Regisseur anvertraut, den wir kennen lernen durften. Die Simulation des Fells, von Wasser und Kleidung ist auf einem so hohen Niveau, dass man aufpassen sollte, nicht zu foto-realistisch zu werden; manchmal geht man sogar einen Schritt zurück, damit es nicht zu echt aussieht.
Haben Sie Ihre Charaktere lieb gewonnen?
TRAMITZ: Unbedingt – Ken fand ich von Anfang an klasse.
BULLY: Christian trägt jetzt auch Kens Klamotten und hat ein T-Shirt, auf dem steht: „Yes, we Ken“.
Haben Sie bei der Synchronisation 3D-Brillen getragen, um einen Raumklang-Effekt hervorzurufen?
BULLY: Ja klar- wir haben auch 3D gesprochen.
|
» Sei die/der Erste die/der hier einen User Comment erstellt