88. Oscars: Stars rufen zum Boykott auf

Oscar nominees are shown in this combination of fiREUTERS/STAFF
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Es passierte heuer das zweite Mal in Folge. Keine afroamerikanischen Schauspieler und Schauspielerinnen wurden heuer als bester Darsteller oder Darstellerin für den diesjährigen Oscar nominiert. Nur weiße Männer und Frauen schafften es auf die Liste der begehrten Hauptkategorien des wichtigsten Filmpreises der Welt.

Dasselbe geschah schon letztes Jahr: Auch 2015 war offensichtlich kein nicht-weißer Darsteller gut genug, um für einen Oscar infrage zu kommen. Unter dem Hashtag #OscarsSoWhite entflammte eine große Debatte über diese Entscheidung der Academy. Jada Pinkett Smith – Schauspielerin, Produzentin und Ehefrau von Will Smith – hatte zum Boykott der Preisverleihung aufgerufen, ebenso der prominente schwarze Filmemacher Spike Lee.

Enttäuscht, frustriert

Die Frustration der afroamerikanischen Film-Community wurde an höchster Stelle der Academy gehört. Deren schwarze Präsidentin, Cheryl Boone Isaacs, äußerte sich ebenfalls streitbar und veröffentlichte eines ihrer seltenen Statements. Darin heißt es, sie sei "zutiefst enttäuscht und frustriert" über die Nominierungen seitens der Academy. In den nächsten Tagen und Wochen würde sie "dramatische Schritte unternehmen", um die Mitgliedschaft der Wahlberechtigten zu diversifizieren.

Zwar gab die Präsidentin Regisseur Spike Lee recht, der meinte, die Schuld läge zu einem großen Teil bei den weißen Studiobossen ("Es ist leichter, US-Präsident zu werden als schwarzer Studioboss"). Gleichzeitig aber dürfe sich die Academy nicht vor der eigenen Verantwortung drücken, so Cheryl Boone Isaacs: Es habe zumindest eine Handvoll von ausgezeichneten Filmen gegeben, in denen nicht-weiße Schauspieler brilliert hätten.

Damit meinte sie etwa das hoch akklamierte Rap-Movie "Straight Outta Compton"; Idris Elba als Warlord in "Beasts of No Nation"; Michael B. Jordan in dem Rocky-Film "Creed – Rocky’s Legacy" – oder Will Smith als Pathologe in "Concussion".

Fünfjahresplan

Nun will die Präsidentin konkrete Taten folgen lassen, um die Mitglieder der Academy heterogener zu machen. Sie entwickelte einen Fünfjahresplan namens A2020, um das Ziel von einer größeren Ausgewogenheit in Bezug auf Alter, Geschlecht, Ethnie und sexueller Orientierung herzustellen.

Im Jahr 2012 bestanden die 5765 Mitglieder der Academy – alles Mitarbeiter der Filmbranche – zu 94 Prozent aus Weißen und zu 77 Prozent aus Männern. Durchschnittsalter: 62.

Das soll sich schleunigst ändern. Im letzten Jahr sprach die Academy 322 neue Einladungen an möglichst "diverse" Menschen aus. So wurde etwa der schwarze Schauspieler David Oyelowo Mitglied. Oyelowo war letztes Jahr als Darsteller von Martin Luther King Jr. in dem Bürgerrechtsdrama "Selma" bei den Nominierungen übergangen worden. Dass 2015 kein nicht-weißer Schauspieler nominiert wurde, hatte ihn stark vergrämt. Aber dass dies heuer wieder passieren sollte?

"Das ist unverzeihlich", so Oyelowo verbittert: "Ich bin Academy-Mitglied – und diese Entscheidungen reflektieren nicht meine Meinung."

George Clooney und Michael Moore unterstützen Spike Lee

George Clooney und Michael Moore unterstützen in der Diskussion um die Nicht-Nominierung schwarzer Schauspieler für die 88. Oscars Regisseur Spike Lee in seiner Kritik. Dieser hatte am Dienstag via Instagram zum Boykott der Oscar-Gala am 28. Februar aufgerufen: "Wir können das nicht unterstützen." Der Ärger entzündet sich daran, dass alle 20 Kandidaten der Schauspielerkategorien weiß sind.

Der Dokumentarfilmer Michael Moore schloss sich der Forderung an und verkündete, er werde sich am Boykott beteiligen. Filmemacher George Clooney sagte der Hollywood-Zeitschrift "Variety": "Vor zehn Jahren hat die Academy einen besseren Job gemacht. Denken Sie daran, wie viele Afroamerikaner nominiert waren. Ich denke überdies, dass das Problem weniger die Frage ist, wer nominiert wird, als vielmehr: Wie groß ist die Filmauswahl für Minderheiten, vor allem im Bereich der Qualitätsproduktionen."

Zuvor hatte schon David Oyelowo, Darsteller des Martin Luther King in "Selma", bekundet: "Die Academy hat ein Problem." Auch Jada Pinkett-Smith, Gattin von Hollywoodstar Will Smith (siehe Video unten), hatte Lee Unterstützung signalisiert: "Ich werde nicht bei der Oscar-Verleihung sein, und ich werde sie mir nicht anschauen."

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