A Serious Man

 USA 2009
Tragikomödie 22.01.2010 105 min.
7.00
A Serious Man

In Larrys Leben läuft plötzlich nichts mehr so wie gewohnt und er hofft, bei einem Rabbi Hilfe zu finden, aber auch das nützt im Universum der Coen-Brüder nicht viel.

Man schreibt das Jahr 1967. Eigentlich lebt Larry Gropnik ein beschauliches Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde im Mittleren Westen der USA. Er ist ein liebender Ehemann, fürsorglicher Vater und erfolgreicher Physikprofessor. Aber irgendwie läuft plötzlich nichts mehr so wie gewohnt. Seine Frau Judith verlangt plötzlich die Scheidung, um mit ihrem neuen Liebhaber zusammenleben zu können. Sohn Danny schwänzt die Schule, Tochter Sarah bestiehlt ihn. Und als ob die Familie nicht schon genügend Probleme bereiten würde, gerät auch noch seine Karriere ins Trudeln: Anonyme Briefschreiber verbreiten falsche Anschuldigungen über ihn, und außerdem versucht ein Student, ihn zu bestechen. Larry sucht Hilfe und hofft, diese bei einem Rabbi zu finden. Doch auch das ist leichter gesagt als bekommen ... Ein fast schon klassischer Hollywood-Plot, wäre Gopnik nicht konservativer Jude - die Coens entdecken nach Barton Fink einmal mehr die komödiantischen Seiten ihres Glaubens. Drei Rabbis besucht Larry nacheinander, aber keiner kann ihm sagen, was er machen soll, warum er HaSchem, also Gott, verärgert haben könnte, und was das überhaupt alles soll, dieses widersprüchliche Leben, das einem ja doch nur Streiche spielt. Er versuche doch nur, das alles ernst zu nehmen, sagt Larry einmal, er sei doch auch ein ernst zu nehmender Mensch, ein «Serious Man». Nützt alles nichts. Mit großartig entlarvenden Kameraeinstellungen von Roger Deakins, haarsträubend komisch-lakonischen Pointen, einer präzisen Balance von Tragik und Komik sowie einem perfekt gecasteten Personal liefern die Coens eine liebevolle Leinwand-Hommage ans Jüdischsein. (Andreas Borcholte)
(Text: Viennale 2009)

Details

Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff, Jessica McManus
Ethan Coen
Carter Burwell
Roger Deakins
Joel Coen, Ethan Coen
Tobis

Kritiken

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User Kritiken

  • Der arme Larry
    Schon beim Titel nehmen sich die Coen-Brüder selber auf den Arm. Die zentrale Figur Larry (Michael Stuhlbarg) ist nicht unbedingt ein ernster Mann, sondern eine arme Sau. Bei der oft zitierten jüdischen Gemengelage, die mit vielen Fachausdrücken untermauert wird, erinnert Larrys Situation eher an das Buch Hiob. Für ihn kommt es knüppeldick: Frau, Kinder, Ehe, Job: alles läuft schief. Und das ist alles sehr kurzweilig. Es reicht nicht bis zur Schadendfreude – dafür ist Larry einfach ein zu lieber Kerl – doch Dialoge und Situationen schaffen eine groteske Atmo, die in Albträumen überdreht und keine Sinnfrage aufkommen lässt. Erklärung? Fehlanzeige! Es ist Unterhaltung pur. ‘Und wie spricht Gott zu uns? Er lässt Fragen entstehen, aber keine Antworten.‘ Es gibt keine Entwicklung, sondern es geht einfach immer nur weiter. Man gewöhnt sich an das Groteske. Die Figuren agieren marionettenhaft, ihre Aktivitäten verlaufen in schablonenhaften Bahnen. Auch das ist Komisch. Es entsteht eine emotionale Distanz zwischen Zuschauer und Darsteller. Da halten es die Coen–Brüder mit Shakespeare: ‘Wie es euch gefällt‘ oder ‘Was ihr wollt‘. Na ja!? Über das Niveau kann man streiten, ohne William mit diesem Vergleich zu nahe treten zu wollen.

  • Ein dichter Film
    Die Beschreibung hier hat aber wenig mit dem Film zu tun.
    Zum Lachen gibt es wenig, mehr zum Weinen.
    Und hätte ich nicht so viel über die Juden gelesen, hätte ich noch weniger verstanden.

    Und trotzdem keine vertane Zeit in einem Film, der das Format für's Kino hat.

    Re:Ein dichter Film
    Meine beiden Kollegen und ich waren so überwältigt von dem Film, dass wir gleich ON AIR darüber diskutiert haben, im Grazer Freien Radio Helsinki, 92.6.

    Nachzuhören und-lesen auf jukreiz.at:

    http://jukreiz.at/2010/03/04/moderner-hiob-der-bruder-coen/