Animation Avantgarde 2 - VIS 2015

 A 2015
Kurzfilm 82 min.
Animation Avantgarde 2 - VIS 2015

Wo seit Jahren das Ende von Film und Kino herauf beschwört wird, setzen sich KünstlerInnen gerade jetzt (und vielleicht genau deswegen) wieder verstärkt damit auseinander - sei es nun die Gigantomanie der Hollywoodstudios (Twelve Tales Told), die Eigenschaften und Fragilität von Filmmaterial (Black) oder auch das Aufgreifen und Neuverarbeiten von Meisterwerken der Filmgeschichte (Odessa/Stairs/1925/2014).

Twelve Tales Told

AT 2014 03 min 51 sec Kein Dialog

Die liebliche Musik von Disneys Signation wird angestimmt, wir befinden uns im Sinkflug durch zarte Wolken auf das nächtliche Panorama einer Märchenwelt. Doch jäh wird die Illusion zerschnitten und die Logos und Melodien anderer Hollywood-Studios brechen im Stakkato ins Bild. Lurf verdichtet die Symboliken von Selbstverherrlichung und großer Geste zu einer neuen Hymne des Gigantismus und komponiert einen Song, der durch Repetition die pompöse Übertriebenheit aufdeckt. Die Einleitung wird zum Hauptteil und neu geordnet, und was sich unterscheiden will, wird als ewig gleich entlarvt.

Regie: Johann Lurf

Black

BE 2015 04 min 33 sec Kein Dialog

Mit Black stellt Anouk De Clercq die Frage nach dem Filmmaterial, dem Kino und was eigentlich "Original" im Zusammenhang mit dem Medium Film bedeuten kann. Schwarz. Schwarz und stumm, aber voller Gedanken begegnet den ZuschauerInnen der Film, der sich im Laufe der Jahre und Vorführungen verändern wird. Jedes Screening bleibt singulär und verändert das Erlebnis für das zukünftige Publikum. Ein bewusstes Experiment, das bereits im Material angelegt ist und ganz maßgeblich von außen beeinflusst werden wird: egal ob durch Transport, Aufbewahrung oder letztlich das Vorführen des Films.

Regie: Anouk De Clercq

Hipopotamy

Hippos

PL 2014 12 min 29 sec Kein Dialog

Der Film beginnt mit einer tiefen Schwärze, in der er später auch wieder enden soll. Eine Kamerafahrt bringt eine Gruppe nackter Frauen ins Bild, die mit ihren Kleinkindern in einem Fluss baden. Eine scheinbare Idylle, Kinderlachen. Doch die Musik lässt schon den Bruch der friedlichen Situation erahnen. In sich immer wieder sequenziell wiederholenden Bildern, Bewegungen und Gesten entsteht eine Choreographie der Gewalt. Zwischen Mann und Frau, zwischen Macht und Ohnmacht. Schwer lässt sich erahnen, wo hier der Kreislauf beginnt und ob es möglich ist daraus auszubrechen.

Regie: Piotr Dumała, Drehbuch: Piotr Dumala, Kamera: Mateusz Michalak, Musik/Band: Alexander Balanescu, Sound: Jacek Hamela, Animation: Pawel Debski, Piotr Dumala

Descent

NL 2014 01 min 28 sec Kein Dialog

Eine Keramiktasse fällt zu Boden und zerspringt in viele Teile. Dies ist der Ausgangspunkt für Johan Rijpmas Film Descent. Er macht sich über den Scherbenhaufen her und fügt die Teile wieder zu neuen Strukturen und Formen zusammen. Rijpma visualisiert in seinen Arbeiten das Zerlegen von alltäglichen Gegenständen und das damit einhergehende Entstehen von neuen Formen. Die frisch generierten Skulpturen widerstehen damit dem destruktiven Moment des Zerfalls. Die neuen Formen wachsen in die Höhe und scheinen so auch der Gravitation widersprechen zu wollen.

Regie: Johan Rijpma, Kamera: Johan Rijpma, Sound: Johan Rijpma, Animation: Johan Rijpma

Jeu de Paume

DE/CH/US 2014 02 min 52 sec Kein Dialog

Dass der Animationsfilm auch zu den zeitgenössischen künstlerischen Strategien wie Reenactment oder Architekturfilm seinen, in diesem Falle auch im wörtlichen Sinn verspielten Beitrag leisten kann, beweist Joshua Mosley, indem er ein Tennismatch aus dem Jahr 1907 reanimiert. Für seine Puppenanimation hat er den heute nicht mehr existierenden Schauplatz in einem 5 Meter langen Modell nachgebaut. Die einzigen Akteure sind die beiden Spieler und eine seltsam entfesselte Kamera, das Ergebnis ein unglaublich spannendes und meditatives Gedicht aus Raum, Rhythmus, Bewegung, Licht und Geräusch.

Regie: Joshua Mosley, Sound: Joshua Mosley, Animation: Joshua Mosley

Memento Mori

Memento Mori

TR 2014 04 min 08 sec Englisch

Memento Mori, aktuellste filmische Arbeit der in vielen Disziplinen aktiven Künstlerin Pelin Kirca, ist eigentlich das Musikvideo zum Titel Group Autogenics I des New Yorker Musik-Duos The Books. Für das Musikstück wurden nach Aussage von Nick Zammuto Ausschnitte aus hypnotherapeutischen Selbsthilfe-Kassetten verwendet, die die ZuhörerInnen seeeehr müde machen. Pelin Kirca hat dazu einen Film "über das Leben im Allgemeinen" gestaltet. In farblich reduzierten Zeichnungen gestaltet sie surreale Szenen über Jugend und Alter, Realität und Traum, Innen und Außen.

Regie: Pelin Kirca, Drehbuch: Pelin Kirca, Musik/Band: The Books, Animation: Pelin Kirca

8 bullets

8 bullets

FR 2014 12 min 30 sec Englisch

Schauplatz Taipei. Wir erfahren nichts über das Motiv des aggressiven Angreifers, aber in den Erinnerungsrückblenden von Gabriel erleben wir einen brutalen Anschlag auf seine Familie, bei dem seine Frau getötet, seine Tochter und er selbst verletzt werden. Monate sind seitdem vergangen, und Gabriel ist besessen vom Wunsch nach Rache und seiner Erinnerung an einen nach Fisch riechenden Mann. Die handwerkliche Umsetzung ist eine außergewöhnliche Mixed-Media-Animation mit starken malerischen Elementen und poetischen, farbintensiven Bildern.

Regie: Frank Ternier

Odessa/Stairs/1925/2014

Odessa/Stairs/1925/2014

HR 2014 06 min 30 sec Kein Dialog

Odessa: damals wie heute Spiel- und Austragungsort; und damals wie heute ein politischer Ort, den schon Eisenstein mit Unterdrückung in Verbindung brachte. Die Treppenszene aus seinem unausweichbaren Meilenstein Panzerkreuzer Potemkin - vertont mit der Gegenwart und projiziert auf neue Architektur. Werden die Konflikte verworrener? Undurchsichtiger? Oder tauchen sie nur in scheinbar neuer Form wieder auf? Eine interessante Versuchsanordnung macht "alte" Bilder zu aktuellen Geschehnissen und die aktuelle Soundkulisse zur Vertonung von immer wiederkehrenden Machtstrukturen.

Regie: Dalibor Martinis, Drehbuch: Dalibor Martinis, Kamera: Dalibor Martinis

You look like me

CA 2014 05 min 46 sec Englisch

Pierre Hébert ist dem VIS Publikum bereits aufgrund seiner Performances bekannt, bei denen er handgezeichnete Animationen live entstehen lässt. Für seinen Kurzfilm You look like me hat er Material aus derartigen Performances aus dem Zeitraum der vergangenen drei Jahre mit neu angefertigten Zeichnungen kombiniert. Ausgangspunkt dafür war eine Tonaufnahme mit Musik und Sprache zu einem Text von Paule Marier, der die individuellen Schicksale vieler Menschen andeutet. Die rasch wieder verblassenden skizzierten Spuren im Film wirken damit wie die flüchtigen Erinnerungen an diese.

Regie: Pierre Hébert, Drehbuch: Paule Marier, DarstellerInnen: voice : Jim Corcoran, Musik/Band: René Lussier, Sound: mixing Martin M. Messier, Animation: Pierre Hébert

Light Motif

Light Motif

FR/GB 2014 04 min 15 sec Kein Dialog

Frédéric Bonpapa hält fest, dass er in Light Motif ähnlich wie seine Vorbilder Oskar Fischinger oder Norman McLaren die zu Grunde liegende Komposition "Music for 18 Musicians" von Steve Reich mit zeitgemäßer Computeranimation visualisieren wollte. Die chic konstruierte Innenarchitektur in farblich kräftiger Lichtgebung und streng organisierten Blickwinkeln dient als atmosphärischer Raum, in dem geometrische Elemente angenehm sparsam synchron zur Musik bewegt werden. Mittendrin ein Affe, der hypnotisiert vom Geschehen auch als humoristischer Kommentar gelesen werden kann.

Regie: Frédéric Bonpapa, Animation: Olivier Barré, Barthélémy Boirot, Frédéric Bonpapa, Mathilde Fabry, Romain Pamart, Eric Prebende, Jon Uriarte

und noch viele mehr...

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