Der Viennale-03-Traile: Carte De Visite

 USA 2003
Kurzfilm 1 min.
film.at poster

Wolken ziehen vorüber: Als wollte er den Titel von Markus Allans hinreißendem Schluss-Tango in Aki Kaurismäkis gleichnamigem Film auf die Essenz reduzieren, bietet Carte de visite, Ernie Gehrs VIENNALE-Trailer, nichts anderes zu sehen. Keine netten Wolken allerdings, die man, ohne den eigenen Erfindungsreichtum allzu sehr zu strapazieren, schnell als Häschen, Herzlein oder Himbeere klassifizieren kann, mehr den Hautausschlag des Himmelszelts: ein undurchdringlicher, grauer Smog-Sud, der sich langsam und majestätisch am Blickfeld der Kamera vorbeischiebt. Ein paar Vögel kreischen zu Anfang noch, aber bald dominiert ein übermächtiges Flugzeugmotorengeräusch, wird immer lauter. Etwas wird kommen, bleibt aber selbst eigentlich unsichtbar: die VIENNALE, hoffentlich. Und tatsächlich folgt auf eine abschließende Schwarzblende die Filmfest-Ankündigung. Ein Trailer eben, von bestechender Ruhe und Simplizität. Aber halt: Scheinen sich bei näherem Hinsehen nicht, wie so oft bei Gehr, auf den ersten Blick noch ungeahnte, amorphe Formen zu manifestieren, die einander schillernd überlagern? Hat der kurz aufflammende, nostalgische Braunton bei Auf- und Abblende vielleicht etwas mit dem Titel zu tun? (Die «Carte de visite» war eine Mitte des 19. Jahrhunderts äußerst weit verbreitete, genormte Form der Porträt- Fotografie.) Und wird das Flugzeuggeräusch gegen Ende nicht schon wieder leiser? Ist da etwas gar nicht im Kommen, sondern schon wieder vorbei; vorübergegangen, während man noch damit beschäftigt war, unter die Oberfläche der Bilder zu dringen, die Eindrücke auf der Tonspur zu ordnen, das Geheimnisvolle im scheinbar so Offensichtlichen zu entdecken? Ist die VIENNALE etwa schon wieder zu Ende? Zwei Trailer in einem eigentlich, von bestechender Ruhe und Simplizität: eine Vorschau, ein Rückblick. Oder keins von beiden, wenn man es ganz genau nehmen will vielmehr das Mittendrin. (Christoph Huber)

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ERNIE GEHRSIEHE COTTON CANDY (S. 104)

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