Der Fall Aldo Moro

Buongiorno, notte

I, 2003

FilmDrama

Min.106

Die Aldo-Moro-Entführung als perverses Ersatzfamilienkammerspiel: der todgeweihte Politiker als heiliger Übervater, seine Kidnapper von den Roten Brigaden wie fehlgeleitete Sektenjünger, die mit starrer Miene ihre Suppe löffeln und vorm Fernseher sitzen, als wären sie Zombies, unisono "Alle Macht der Arbeiterklasse" herunterbetend. Dazwischen steht die einzige Frau unter den Entführern (selbstverständlich erkennt Moro die weibliche Präsenz trotz verbundener Augen daran, wie seine Socken gefaltet sind): Ihre zunehmend befremdete Außenseiterperspektive prägt diesen surreal-subversiv schlingernden Film. Die satirisch zugespitzte ­Situation im Apartment kontrastiert Bellocchio mit weißem Hintergrundrauschen aus Medienkommentaren und elektrisierenden ­Epiphanien: Ein Partisanenlied sorgt bei einer Hochzeitsfeier für Tumult, am Ende hat die Protagonistin eine bewegende Traum­vision eines freigelassenen Moro auf menschenleerer Straße. Dann die Bilder seines Begräbnisses: Buongiorno, notte. (C.H.)

(Text:Filmmuseum)

IMDb: 7.2

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  • Schauspieler:Maya Sansa, Luigi Lo Cascio, Pier Giorgio Bellocchio, Roberto Herlitzka, Paolo Briguglia

  • Regie:Marco Bellocchio

  • Kamera:Pasquale Mari

  • Autor:Bellocchio, Daniela Ceselli nach Il ­pri­gioniero von Anna Laura Braghetti & Paola Tavella

  • Musik:Riccardo Giagni

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