Der Viennale-08-Trailer: Une catastrophe

 F 2008
Kurzfilm 1 min.
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Um sichtbar zu machen, wie Geschichte funktioniert und warum die Menschheit, zum Schönen begabt, so bereitwillig an der (unschönen) eigenen Abschaffung arbeitet, muss man nur kurz die Perspektive wechseln. Das ist Jean-Luc Godards Trick: Er kann die Politik von der Kunst nicht trennen, weil er das eine im anderen wiedererkennt. Er zeigt, dass Hawks mit Marx zu tun hat und die Shoah mit Bach. Une catastrophe, Godards Trailer für die VIENNALE 2008, ist - in diesem Sinne - erneut eine Arbeit äußerster Verdichtung, dabei aber völlig abgeklärt, als verfügte sie über alle Zeit der Welt: Gehalten im Stil des Godard'schen Opus magnum, der Histoire(s) du cinéma, führt die kunst- und filmhistorische Mini-Assemblage von einem dramatischen Augenblick aus Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin (1925) über giftfarbene Videokriegsbilder zu einer in Superzeitlupe zerdehnten Kussszene aus der berühmten Berlin-Romanze Menschen am Sonntag (1929). Im Ton dazu: das Stöhnen auf- und zuschlagender Tennisspielerinnen, ein plattdeutsches Liebesgedicht («Dat du min Leevsten büst») und der Beginn aus Robert Schumanns Klavierzyklus «Kinderszenen». Une catastrophe ist resignativ, aber nicht ganz ohne Hoffnung: Die Liebe ist, vom Krieg aus gesehen, über die Abwege der Kunst in 63 Sekunden zu erreichen. (Stefan Grissemann)

(Text: Viennale 2008)

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Jean-Luc Godard

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