Fiction & Documentary 1 - VIS 2015

 A 2015
Animation, Kurzfilm 78 min.
Fiction & Documentary 1 - VIS 2015

Im ersten Wettbewerbsprogramm zeigen fünf fiktionale und dokumentarische Arbeiten den Akt der Ent- und Verfremdung: die Entfremdung als Problem einer restriktiven Gesellschaft, die Verfremdung als filmisches Mittel, das eine kritische Distanz zum Dargestellten erzeugt...

Aïssa
Aïssa

FR 2014, 08 min 18 sec, Französisch

Die junge Aïssa wird ohne Ausweis von den französischen Behörden aufgegriffen. Der Staat glaubt ihr nicht, dass sie noch minderjährig ist, eine Untersuchung beim Amtsarzt soll Auskunft darüber geben. Sie muss sich ausziehen, wird abgetastet, vermessen. Während die Kamera ganz nahe an Details aus dem Amtszimmer, der Frau und ihrem entblößten Körper bleibt, hören wir aus dem Off die kühle Beschreibung des gesichtslosen Arztes. Das entwürdigende Eindringen der Politik in das Private verursacht ebenso Unbehagen wie der inhärente Rassismus des vermeintlich neutralen Systems.

Regie: Clément Tréhin-Lalanne, Drehbuch: Clément Tréhin-Lalanne, Kamera: Romain Le Bonniec, DarstellerInnen: Manda TouréBernard Campan, Musik/Band / Sound: Gérard Mailleau; Animation

Vermelho
Red

BR 2014, 04 min 57 sec, Portugiesisch

Rotes Licht. Close Up. Ein Faden wird um eine Hand gewickelt, schneidet sich ins Fleisch ein, wickelt sich weiter um den nackten Körper. Während sie allmählich eingeschnürt wird, erzählt die Protagonistin per Voice-over, wie sie ihre Sexualität und Identität nur mühsam von den auferlegten Idealen und Rollenbildern befreien konnte. Auf eindrückliche Weise visualisiert die Performance-Doku von Márcia Bellotti gesellschaftliche Korsette und Zwänge. Ein fesselndes Porträt.

Regie: Márcia Bellotti, Drehbuch: Márcia Bellotti, Kamera: Márcia Bellotti, DarstellerInnen: anonymous volunteer, Sound: Luiza Porto

The Transplants
The Transplants

SG 2014, 20 min 24 sec, Chinesisch (Vereinfacht)

Ein junges Paar, das sich entfremdet hat, voneinander und auch von dem Land, in das die beiden nach langer Zeit zurückgekehrt sind. Die Wohnung gleicht einem Gefängnis zwischen Blumentöpfen und geschnitzten Miniaturen, und mit der versuchten Flucht in eine andere Welt geht die Hoffnung auf den großen Regen einher, der irgendwann alles wegschwemmt. In ruhigen Bildern und mit spielerischer Symbolik inszeniert die junge Regisseurin Tan Jingliang ein teils surreales Drama. Wie leicht es doch wäre, wenn sich der Mensch einfach umtopfen ließe, wie eine Pflanze.

Regie: Tan Jingliang, Drehbuch: Tan Jingliang, Kamera: Dzafirul Haniff, DarstellerInnen: Josephine Zheng, Eric Lv, Musik/Band: Sim Boon Hui, Derek Chua Sound Jasmine Tay; Animation

Voilà l'enchaînement

FR 2014, 30 min, Englisch/ Französisch

Eine weiße Frau und ihre Beziehung zu einem dunkelhäutigen Mann. Sie will, dass er sich ihren Namen tätowiert; für ihn ist das ein Brandmal, wie es Sklaven eingebrannt wurde. Der Anfang einer Liebe, danach eine Verkettung von Gesprächen, Gefühlen und Gesten, die schließlich vor Gericht endet. Altmeisterin Claire Denis inszeniert ein modellhaftes Kammerspiel mit zwei hervorragenden Schauspielern und ohne Sets. In diesem leeren filmischen Raum konzentriert sie sich auf die Macht der Sprache und zeigt, wie diese rassistische Vorurteile manifestiert und verbreitet.

Regie: Claire Denis, Drehbuch: Claire Denis, Kamera: Agnès Godard, DarstellerInnen: Norah Krief, Alex Descas

Shipwreck

IT/NL 2014, 14 min 57 sec, Italienisch/Tigrinja

Im Oktober 2013 sank vor der Küste der Insel Lampedusa ein Boot mit mehr als 500 Flüchtlingen aus Eritrea. 360 Menschen ertranken. Mit eindringlicher Stimme erzählt Abraham, wie er überlebt hat, während er durch einen Friedhof voller Schiffswracks wandert. Die geisterhafte Kamera folgt ihm, ständig mäandernd, wie ein Schiff im Wellengang, ehe sie zum nahe gelegenen Hafen schwebt. Hier herrscht Verzweiflung unter den Überlebenden und Hilflosigkeit unter den Menschen vor Ort, die nur zusehen können, wie die Särge der Toten auf Lkws geladen werden. Ein erschütternder Dokumentarfilm.

Regie: Morgan Knibbe, Kamera: Morgan Knibbe, Sound: Noah Pepper, Taco Drijfhout, Vincent Sinceretti

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