"Grießnockerlaffäre": Simon Schwarz und Sebastian Bezzel im Interview

grießnockerlaffäre …/Constantin Film Verleih GmbH
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(Von Nina Oberbucher)

KURIER: Die Marzipan-Grießnockerln, die da am Tisch stehen, sind, glaube ich, für Sie beide.

Sebastian Bezzel: Das kriegst heute mal du, Simon.

Simon Schwarz: Ich nehme nur die Minze.

Müssen Sie beide jetzt etwa auf die Linie achten nach den Dreharbeiten? In den Provinzkrimis essen Sie ja immer viel.

Schwarz: Wir sind ja beide nicht unbedingt der klassische "Love Interest", mit nacktem Oberkörper im Bett, wo man das Sixpack erwartet.

Bezzel: Mit nacktem Oberkörper, Holz fällend an einem Waldsee (lacht).

Das heißt, Sie können die Grießnockerlsuppe im Film auch ohne Sorge essen.

Bezzel: Ja. Grießnockerlsuppe ist ja auch nicht das Schlimmste.

Was war das Schlimmste?

Schwarz: Rotwein, also Traubensaft. Davon zwei Liter hintereinander – und die Nacht war gegessen.

Die Provinzkrimis sind mit ihrer urigen Kulisse und den schrulligen Charakteren das Gegenteil von dem, was man gerade als in bezeichnen würde. Quasi "Anti-Hipster".

Schwarz: Wir haben gestern lustigerweise gesagt, wenn ein junger Mann mit Vollbart mein Kostüm anzieht …

Bezzel: Nein, wir haben gesagt, du kannst anhaben, was du willst – in dem Moment, wo du einen E-Bass in die Hand nimmst und bei Wanda auf der Bühne stehst, dann ist das das Coolste auf der ganzen Welt (lacht).

Schwarz: Genau, dann ist es Hipster. Wobei ich Hipster ja relativ uncool finde.

Wieso?

Bezzel: Vollbart tragende, gepiercte, tätowierte Typen, die aber dann einen Schreikrampf kriegen, wenn Laktose in der Milch ist – da ist ein Knick für mich.

Schwarz: Wenn jeder Dritte gleich aussieht, würde ich persönlich mir halt überlegen, ob ich das wirklich noch so cool finde.

Aber warum sind die Provinzkrimis so erfolgreich?

Schwarz: Weil das etwas ist, was jeder kennt. Das sind archaische Typen, die in jedem Dorf auf der Welt mehr oder weniger gleich sind.

Bezzel: Es sind Figuren, die keinem Trend hinterherhecheln – und selbst, wenn sie einem hinterherhecheln, ist der seit 20 Jahren vorbei.

Trägt vielleicht auch der süddeutsche Dialekt etwas dazu bei, der eine gewisse Komik hat?

Bezzel: Das ist sicher nicht der Hauptgrund. Gerade in Bayern wird ja sehr viel versucht, mit Bayrisch Geld zu machen. Da gibt es Sachen, die sollen lustig sein, weil sie "ach so bayrisch" sind. Ich find’ an Bayrisch gar nichts lustig. Ich find’ auch an Österreichisch gar nichts lustig. Die Story, die Situation und die Figuren müssen stimmen. Aber natürlich macht’s die Sprache besonders schön und man kann im Dialekt viele Sachen schneller auf den Punkt bringen. Hochdeutsch braucht oft zu lange für eine Pointe.

Gibt es Witze, die Sie, Herr Bezzel, als Bayer lustig finden und Sie, Herr Schwarz, als Österreicher nicht?

Schwarz: Nein. Wir zwei sind ja exakt gleich sozialisiert.

Bezzel: Wir sind eigentlich auch eine Person.

Schwarz: Genau, es sieht nur so aus, als würden wir beide hier sitzen, es ist aber nicht so (grinst). Was man schon merkt, ist, dass der Berliner einen anderen Humor hat – der ist aber auch lustig.

Besteht nicht die Gefahr, dass es irgendwann langweilig wird, immer die gleiche Rolle zu spielen?

Schwarz: Nein. Es ist ja nur ein Film von vielen im Jahr. Außerdem sind da immer andere Emotionen – und in der Schauspielerei geht es genau darum.

Bezzel: Ich war "Tatort"-Kommissar und da habe ich zwei Filme pro Jahr gemacht – und zwar dreizehn Jahre lang. Aber es kommt natürlich immer, wenn man eine Reihe macht, irgendwann der Punkt, wo man sich fragt: Wie lange mache ich es jetzt noch? Ist die Sache nicht einmal auserzählt?

Schwarz: Genau das ist die entscheidende Frage. Wenn etwas auserzählt ist, dann braucht man es nicht mehr machen.

Herr Schwarz, Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie in Österreich oft denselben Rollentypus spielen. Was wäre denn Ihre Traumrolle?

Schwarz: In Österreich drehe ich eh wenig und in Deutschland darf ich eigentlich alles. Traumrolle habe ich keine. Ich freue mich über jede Rolle, wenn ich die Figur spannend finde.

Würden Sie auch einen Hipster spielen?

Schwarz: Ja. Es ist eher die Frage, ob man mich als Hipster besetzen würde.

Bezzel: Man müsste dir einen rotblonden Bart flechten.

Schwarz: Und ich bräuchte noch eine Perücke – wobei es auch Hipster mit Glatze gibt.

Im neuen Film ist es ein Drama, dass die Oma Eberhofer nur mehr Grießnockerlsuppe macht. Können Sie selbst eigentlich kochen?

Beide: Ja.

Auch Grießnockerlsuppe?

Bezzel: Grießnockerlsuppe habe ich noch nie gemacht. Was ich in letzter Zeit sehr oft koche, sind Brühen. Das ist eigentlich auch Hipster: "Broth" (Suppenbrühe, Anm.) ist ja jetzt in (lacht).

Schwarz: Grießnockerln sind ja was Großartiges – außer, wenn sie aus Marzipan sind (schaut auf den Teller vor sich).

 

Grießnockerlaffäre

Grießnockerlaffäre

D 2017
Komödie, Krimi
03.08.2017
Ed Herzog
Dorfpolizist Franz Eberhofer gerät diesmal in Verdacht, seinen verhassten Vorgesetzter umgebracht zu haben.
7.00

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