Filmfestspiele: Ein Löwen-Favorit in Venedig

Three Billboards outside Ebbing, Missouri…/Venice International Film Festival
Three Billboards outside Ebbing, Missouri…

Wenn man begeisterte Publikumsreaktionen als Gradmesser nehmen kann, hat das Filmfestival von Venedig einen weiteren (Löwen-)Favoriten gefunden: Lachstürme und Szenenapplaus erntete die schwarzhumorige Kleinstadttragödie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Martin McDonagh; dass Frances McDormand (grimmig) und Woody Harrelson (lässig) tragende Rollen spielen, trägt entscheidend zum Unterhaltungswert bei.

Der etwas umständlich klingende Titel ist schnell erklärt: Drei riesige Anzeigetafel stehen vor dem kleinen Nest Ebbing und tragen eine unerfreuliche Nachricht. "Gestorben während sie vergewaltigt wurde", steht deutlich zu lesen, und: "Warum wurde noch niemand verhaftet?" Die Frage richtet sich direkt an den örtlichen Polizeichef: Die verzweifelte Mutter der Ermordeten will ihn mit ihrer plakativen Maßnahme zum Handeln zwingen und zieht sich damit den Hass der Bevölkerung zu.

Keine besonders lustige Ausgangssituation, möchte man meinen; doch der Ire McDonagh ("Brügge sehen...und sterben?") spitzt seinen extremen Handlungsrahmen zu scharfen Pointen zu, die er auf des Herz der amerikanischen Provinz richtet. Rassismus und Gewalt, Sexismus und Schwulendfeindlichkeit stehen auf seiner Anklageliste. Der örtliche Polizeitrottel beispielsweise ist berühmt für seine Foltermethoden von Schwarzen, besteht aber auf politisch korrekte Sprechweise ("Es heißt jetzt nicht mehr ,Nigger-Torturing’, sondern ,People of Colour–Torturing’"). Oscarpreisträgerin Frances McDormand ("Fargo") als Mutter auf Rachefeldzug sticht dem Zahnarzt im Tarantino-Style mit dem Bohrer durch den Daumen und macht kalte Scherze. Gemeinsam mit Woody Harrelson, dem "True Detective" des Kriminalfalles, und Sam Rockwell als Polizei-Rambo räumt sie die meisten Lacher ab.

"Three Billboards" ist weitgehend vergnüglich, doch im Grunde interessiert sich McDonagh nicht für gesellschaftliche Verhältnisse, und auch für seine Figuren nur in soweit, als sie ihm Potential für effektvolle Gewaltausbrüche oder krasse Komik in bester Sitcom-Manier liefern. Aber nicht nur Kino der Gegenwart findet in Venedig statt. Auch das der Zukunft, das in in zahlreichen Virtual-Reality-Vorstellungen präsentiert wird, auf die das Festival besonders stolz ist. Und natürlich gibt es auch den Blick in die Vergangenheit.

Grusel in 3-D

In einer eigenen Programmschiene sind restaurierte Filmklassiker zu sehen. Und, als Spezialevent, Michael Jacksons Musikvideo "Thriller" in einer 3-D-Version. John Landis’ lang erwarteter, 14-minütiger Zombie-Grusler von 1983 galt als das teuerste Musik-Video aller Zeiten. Mit drückenden 3-D-Brille auf der Nase konnte man es nun erstmals dreidimensional sehen. Landis selbst hatte es konvertiert – und damit eine etwas altmodische Wirkung erzielt: "Michael Jackson’s Thriller 3D" sieht nicht sehr dreidimensional aus, sondern eher mehrschichtig.

Die wahre Freude bereitete Jerry Kramers Doku "Making of Michael Jackson’s Thriller" von 1983. Der Blick hinter die Kulissen zeigt einen hinreißenden Michael Jackson, der mit hoher Kinderstimme spricht und ungebremster Begeisterung singt und tanzt. In einem Ausschnitt aus einem Home-Movie sieht man ihn schon als Fünfjährigen entrückt vor sich hin grooven. Allein dieser Anblick ist einfach umwerfend – auch ohne 3-D.

 

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