Filmhimmel Österreich 74

 
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Einer schert aus, doch tiefer als die Wut sitzt die Angst. Nicht die großen Affekte, Erklärungen oder Psychologie zählen, sondern ein genauer Blick auf die Hauptperson, ihren Alltag, ihre Begegnungen, ihre Wünsche, die sich im Tun, konkret in der Verweigerung, gemäß den gesellschaftlichen Erwartungen zu handeln, artikulieren. Diese Zugangsweise ist schon in Cooks erstem Film, dem Kurzfilm über den Alltag eines Boxers, ICH SCHAFF'S EINFACH NIMMER, zu spüren. »Anfangs meint man nämlich, man drücke sich aus, und man macht sich nicht klar, daß dem Ausdruck eine gewaltige Bewegung des Eindrucks zugrunde liegt, die nicht von einem selbst ausgeht.« (J.-L. Godard) Von dieser Doppelbewegung erzählt SCHWITZKASTEN unprätentiös und genau: Mit kleinen Gesten, einem Tonfall des Wienerischen, der von der Straße kommt und von Arbeitern, die Arbeiter und Angestellten, die Angestellte spielen. »Cook nähert sich der Politik vom Rande her«, formuliert Bert Rebhandl, »seine Geschichte ist zufällig und deswegen genauso wichtig wie jede andere. « Der Zufall trägt hier nicht mehr die Signatur der Ewigkeit, vielmehr verbindet er sich mit der konkreten Erfahrung einer realen gesellschaftlichen Praxis, die den Wünschen eine Richtung zu geben weiß. Der Angriff des Einzelnen auf die Ordnung blendet sich nahezu unmerklich aus. Übrig bleiben am Ende der siebziger Jahre der Staatskünstler und das Kleinbürgerglück. (Elisabeth Büttner / Christian Dewald)

John Cook in den Siebzigerjahren: Seismograf, Film-Detektiv, poetischer (feiernder, aber auch scharfsichtiger) Chronist eines banalen, kaum ausund abgrenzbaren Universums namens Wien. Nach der Sanftheit von LANGSAMER SOMMER und dessen Selbstdarstellung im Freundeskreis ein mehr von außen kommender Blick, bestimmt von Neugierde auf Details und Beharren auf Nebensachen, die sich in einer solchen Art des leisen Kinos zu Hauptsachen wandeln dürfen, ähnlich und doch ganz anders wie bei Eustache und Rohmer, den monumentalen Betrachtern des französischen aufwendigen Lebens. Eine Proletenhochzeit, alle Trauer des Kommenden in sich tragend. Die Brachländer und Gärten des Gewöhnlichen, um die sich das Kino üblicherweise wenig kümmert. Mit seinen Geschichten sei [SCHWITZKASTEN] (so Drehbuchautor Helmut Zenker) durch und durch dem Alltag verschworen - und nicht trotz dieser Tatsache, sondern gerade deshalb interessant und spannend. (Harry Tomicek)

ICH SCHAFF'S EINFACH NIMMER
A 1972

REGIE: John Cook

KAMERA: John Cook

SCHNITT: Stefanie Schulz

TON: Elfie Semotan

SPRECHERIN: Elfie Semotan

MITARBEIT: Clemens Duniecki, Rixta Kloss, Franz Merlicek, Harald Scholz
PRODUKTION: John Cook, Elfie Semotan

UA: 15.2.1973, Wien (Österreichisches Filmmuseum)

FORMAT: 16 mm, s/w, Ton

LAUFZEIT: 38 Minuten

SCHWITZKASTEN

A 1978

REGIE: John Cook

BUCH: John Cook, Helmut Zenker nach dem Roman Das Froschfest von Helmut Zenker
KAMERA: Helmut Pirnat

SCHNITT: Susanne Schett

TON: Herbert Koller, Peter Paschinger

MISCHUNG: Peter Müller

LICHT: Volkmar Voitl

DARSTELLER: Hermann Juranek (Hermann Holub), Christa Schubert (Vera), Franz Schuh (Ehrlich), Werner Juranek (Hermanns Bruder), Waltraut Misak (Rosi), Josef Boselmann (Hermanns Vater), Elisabeth Boselmann (Hermanns Mutter), Johanna Froidl (Frau Gretb| Karl Martinek (Chalupa), Ernst Neuhold (Chauffeur), Marion S. (Junge Prostituierte), Ernst Frühmann (Standesbeamter), Friedrich Schlarbaum (Amtsdiener), Heidi Grundmann (Journalistin), Purzl Klingohr (Herr Ingenieur), Käthe Weindl-Staller (Großmutter Holub), August Haas (Firmenchef Freilich), Anton Weiss (Fleischhauer), Joschi Jelinek (Krüppeb| Franziska Nowak (Alte Prostituierte), Karl Umgeher, Franz Seidl, Leopold Gottwald (Gartenarbeiter), Helmut Zenker, Gustav Ernst (Polizisten), Manfred Keglovits (Postbeamter), Berta Umfogl, Andy Kastelik (Trauzeugen)

PRODUKTION: EBF-Film, Wien

PRODUZENT: Rudolf Klingohr

UA: 11.10.1978, Wien (Österreichisches Filmmuseum)

FORMAT: 16 mm, Farbe

LAUFZEIT: 97 Minuten

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