Geschwindigkeit

 BRD 1963
Avantgarde, Kurzfilm 13 min.
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Geschwindigkeit von Edgar Reitz ist sinnfälliger Ausdruck der Schönheit von Bewegung und Geschwindigkeit. Es ist der Triumph der (Film-)Technik über die Natur. In dem Presseheft der Produktionsfirma wird denn auch an die Futuristen erinnert, deren «Dekomposition der Wirklichkeit» ein verändertes Wirklichkeitsbild entstehen ließ. Reitz verwendete ein «neues Kameraverfahren, das Aufnahmen mit wechselnder, genau bestimmbarer Frequenz gestattet, und zwei neue kopiertechnische Verfahren, bei denen aus einer chronologisch aufgenommenen Szene die einzelnen Bilder entweder nach periodischen oder nach statistischen (also zufälligen) Gesichtspunkten ausgewählt und neu zusammengesetzt werden, wodurch aus einem kontinuierlichen Vorgang ein diskontinuierlicher wird. Reitz hat für diesen Film auch eine partiturähnliche Anlage des Drehbuchs geschaffen, die alle filmischen Parameter exakt festlegt.» (Presseheft). Die Geschwindigkeit steigert sich bis zu Verzerrung (durch anamorphotische Linsen) und Stillstand und einem Sichauflösen des Bildes im Weiß. Der Film stand thematisch an einem Anfang, als in sich perfektes Konstrukt stand er formal an einem Ende. Kurt Kren hatte schon in den 50er Jahren durch den Kurzschnitt den Film, wie er sagte, auf die Geschwindigkeit eines Düsenjägers gebracht. Von Steine (1964/65), ein Film, der eine ähnliche Eleganz und Dynamik aufweist wie der Film von Reitz, bewegte sich Ernst Schmidt jr. schnell weg, da es ihm fortan nicht um eine «Dekomposition der Wirklichkeit» zu ihrer Perfektionierung und Verwertbarkeit (wie bei den Futuristen), also eine Ästhetisierung der Technik, sondern um die Destruktion ging, die das Fabrikat Wirklichkeit infrage stellte. Die Großzügigkeit des Produzenten von Geschwindigkeit hatte ja damit zu tun, dass seine Werbefilme, Sinnbilder der Affirmation, von den Erfindungen des Films profitieren konnten.
(Text: Viennale 2006)

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Edgar Reitz
Josef Anton Riedl

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