Ghost Dog - Der Weg des Samurai

 USA 1998

Ghost Dog: The Way of the Samurai

Drama, Independent, Thriller 116 min.
7.60
Ghost Dog - Der Weg des Samurai

Ein schwarzer Auftragskiller, der sich für einen Samurai hält, wird von seinen Auftragsgebern gejagt.

Ghost Dog (Forest Whitaker) lebt über der Welt, gewissermaßen, unter Tauben, in einer Hütte, die er auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes errichtet hat. Er ist ein professioneller Killer, der im Dunkel der Nacht verschwinden und sich unbemerkt durch die Stadt bewegen kann. Als Leitfaden dient ihm ein alter Text der japanischen Kriegerkaste - "Das Hagakure: Der Weg des Samurai". Gemäß dem Kodex des Samurai steht Ghost Dog mit seinem Meister und Auftraggeber, einem Mafioso, der ihm einmal das Leben rettete, in einem unverbrüchlichen Treueverhältnis. Als der Mafia ein Fehler unterläuft, glaubt sie, ihren Auftragnehmer eliminieren zu müssen. Ghost Dog ist aber nicht nur ein Killer, sondern auch ein ausgebildeter Krieger - und dem ist die Mafia nicht gewachsen. Schließlich manövriert sich Ghost Dog jedoch in eine ausweglose Situation, da er das Treueverhältnis, das Herr und Vasall verbindet, nicht brechen kann.

arthaus infodienst

Details

Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman
Jim Jarmusch
RZA
Robby Müller
Jim Jarmusch

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Killer mit Herz
    Forest Whitaker ist ’Ghost Dog’, ein Auftragskiller mit Herz, der ins Visier der Mafia gerät. Streng folgt er den Anweisungen aus dem Handbuch für Samurai. Es sind Weisheiten für alle Lebensbereiche, mit philosophischem Einschlag: “Form ist Leere, Leere Form“ oder „Nichts geschieht ohne Grund“. Die Kapitelausschnitte geben dem Film eine stringente Form. Neben ironischen Seitenhieben auf dämliche Gangster und faschistoide Jäger fließt auch noch ziemlich viel Blut. Am Ende steht konsequenterweise ein finaler Showdown: der freundschaftlichste Mord der Filmgeschichte. Er findet in einem rechtsfreien Raum statt. Sieger ist der Boss, aber es gibt keine Untergebenen mehr. Eine zusätzliche Qualität erhält der Film durch die kleine Pearline, die wie Ghost Dog gerne liest und mit ihm Bücher austauscht z.B. ’Rashomon’ und den Eisverkäufer mit seinen Verständigungsschwierigkeiten. Es ist der gefälligste Jarmusch – Film, nicht nur wegen der Farbe, sondern wegen der Story.

  • Pflichtfilm
    Ein langsamer Film, für den man sich Zeit nehmen sollte. Interessante Idee, die Philosophie der Samurai in die Welt eines Killers in New York zu versetzen. Tolle Kameraeinstellungen, coole Musik (Rap) und ein großartiger Forest Whitaker als Killer. Gute Einfälle (Dialoge des Killers mit dem Eisverkäufer, der Geisterhund, das Mädchen auf der Parkbank, die seltsamen Dialoge der Mafiosi...). Ein Pflichtfilm für Leute, die nicht nur Mainstream sehen wollen...

  • Ghost Dog - feministisch?
    Ist "Ghost Dog" ein feministischer Film? Hier ein paar Argumente:

    In "Ghost Dog" geht es um gesellschaftliche Veränderungen, speziell um den Untergang alter patriachalischer Traditionen. (Mafia, Samurais). Am Schluss des Films sind fast alle Vertreter dieser Traditionenen tot. Als Louie nach den Showdown ins Auto steigt und jeden Grund hätte, schnell wegzukommen, reagiert der Fahrer auf seine Aufforderung nicht. Erst als die Tochter des toten Mafiabosses den Befehl gibt loszufahren, gehorcht er. Was anderes soll das bedeuten, als das SIE, die bis dahin nach dem bisherigen Mafia-Braut-Klischee gezeichnet war, jetzt das Sagen hat? Dass SIE es war, die die Ermordung Ghost Dogs befohlen hat?

    Die kleine Pearline liest in der Schlusssequenz in Ghost Dogs Buch über den Weg des Samurai. Offenbar wird sie
    Ghost Dogs Version der Samuraikulur weitertragen, und so die patriachalische Tradition durchbrechen.

    Der einzige, der das Heraufdämmern einer weiblich bestimmten Zukunft zu ahnen scheint, ist der Mafiosi, der frei von "chauvinistischen" Skrupeln die Polizistin erschießt.

    Noch etwas: Der Hund, der Ghost Dog zweimal erschein (vielleicht ein Todesbote, vielleicht auch nicht), ist ein Weibchen! (Ich lasse jetzt offen, was das nun wieder heißen könnte....)

  • Strange Dog
    Na denn, habe es mir gestern angesehen, das Wunderwerk. Erstaunlich, was dieser Jim Jarmusch für unterschiedliche Filme macht, im Vergleich etwa zu Mystery Train. Sehr merkwürdiger Film, Ghost Dog, merkwürdige Charaktere, merkwürdige Handlung, merkwürdige Musik (nicht so ganz mein Stil...). Beste Freunde, die nicht miteinander reden können und sich bestens verstehen (wir sind permanent flach gelegen deshalb im Kino), urwitzige Randerscheinungen (wie die Tussi, der er vor dem Laden den Jaguar klaut), und das konsequente Durchziehen einer vielleicht doch nicht ganz passenden Philosophie? Warum legt er eigentlich das Gangster-Mädel nie um???

  • Schwarzer Killer, weiße Taube
    Jim Jarmush, als der Buffo der amerikanischen Filmszene zu recht auch von breiteren Kreisen bejubelt, verbindet in seinem letzten Opus gekonnt und mit dem ihm eigenen Augenzwinkern, Nestroy¿sche Posse mit existentialistischem Gründeln. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die sich fremder wohl nicht sein könnten: diesseits des allgemeinen (kriminal-) kulturellen Mainstreams eine Bande von Vorstadt-Westentaschen Mafiosi, die, man kennt das, aufgrund völliger Unfähigkeit, von einem Fettnapf in den nächsten trampeln und deren dumpf-triebhaftes Sozialverhalten seine Grenze lediglich in der Loyalität zum ¿Boß¿ findet. Auf der anderen Seite, jenseits der amüsant desillusionierenden Pragmatik unterweltlicher Beziehungskisten er, der (farbige!) Kriegerphilosoph, mit Schwert und Brieftaube, ausgestattet mit einer anachronistisch-elitären Weltanschauung, wie sie das ¿Hagakure¿, das aphoristische Werk eines Samurai aus den 18. Jh. verkörpert. Dem edlen Kriegerphilosophen obliegt es, das tückische ¿Hackl ins Kreuz hauen¿ an den in Ungnade gefallen Mieslingen zu exekutieren. Geht dabei einmal was schief, ist natürlich der Ghost Dog schuld, und die sowieso eher funktionalen Loyalitäten ändern sich wie der Blitz: der Jäger wird zum Gejagten, schlägt gekonnt zurück und man sieht, wohin es führt, wenn sich der ethische Minimalkonsens unter dem Druck von (Ohn-)Macht und Geld verflüchtigt. Schauspielerisch brilliant, mit einem feinen Sensorium für die Ironie des Geschehens ist ¿Ghost Dog¿ nicht nur ein episch-barockes Panoptikum menschlicher Möglichkeiten (und Unmöglichkeiten), der Film bietet dem Betrachter auch reichhaltig Gelegenheit, über Sinn(er)findungen in einer moralisch desaströs verkommenen Umwelt zu reflektieren. (****)

  • Hund?
    Wunderbarer Film, eigentlich unglaublich, daß er aus den USA kommt, das läßt hoffen. Es blieb für mich nur eine Frage offen: was wollte uns der schwarze Hund sagen, der in 2 Szenen aufgetreten ist? Für Aufklärung wäre ich echt dankbar.

    Re:Hund?
    Das war zweifelsohne der Tod. Zuerst konnte Forest ihn noch verscheuchen, bei der zweiten Szene ist er beharrlich bei Forest geblieben.
    Sozusagen als Vorbote für seinen baldigen Tod.

    Re:Hund?
    Ich glaube der Hund is so eine Art Todesbote.
    Man erinnere sich, beim ersten Treffen hat ihn
    Ghost Dog noch weggeschickt, aber beim zweiten
    Mal...

    Re:Re:Hund?
    Danke für die Deutung, könnte hinkommen. Zur Belohnung gibt´s einen Filmtip: "SOUTH PARK"!!!
    Oberflächlich gesehen vielleicht ein wenig derb, aber mit starker Botschaft (vor allem an die USA) und echt krankem Humor (Saddam Hussein!!) gesegnet. Noch ein Tip? "FIGHT CLUB", für mich DER Film 1999, aber wer sich "GHOST DOG" ansieht, hat FIGHT CLUB sicher schon hinter sich.

    Re:Re:Re:Re:Hund?
    Wäre eine echte Überraschung, aber eher unwahrscheinlich. Ich lebe nämlich schon seit 1960, bin aber trotz meines hohen Alters (und meiner Pragmatisierung) dennoch geistig rege und Kinobegeistert.
    Am Donnerstag werde ich mir "american beauty" drücken, Kritiken lese ich prinzipiell immer erst nachher.

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