Hay unos tipos abajo (There's Some Guys Downstairs)

 Argentinien 1985
Drama 92 min.
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Juni 1978. Argentinien im Winter, erschüttert von einer Militärdiktatur, die alles Mögliche möglich macht, um von sich abzulenken: zum Beispiel eine Fußball-Weltmeisterschaft, bei der das argentinische Nationalteam auch noch Sieger wird. Es herrscht Massenpsychose und -manipulation, weil fast niemand über die Zehntausende Vermissten und Toten spricht, oder über die Verelendeten, die aus optischen Gründen aus dem Umfeld der Schauspiel-Fußball-Stadien der Militärjunta verbannt werden. Millionen in chauvinistischer Jubelpose. Aber da gibt es noch andere wie Julio, der der perfekt militärisch organisierten nationalen Euphorie nicht mehr trauen will. Nicht weil er als ausgesprochen unpolitischer Journalist besonders intelligent wäre, sondern weil das Virus der Diktatur sich langsam in seinen Alltag einschleust. Hay unos tipos abajo. Der Filmtitel ist Inhalt und Geschichte: «Da unten sind ein paar Typen». In gewöhnlichen Zeiten nichts Ungewöhnliches. Aber für Julio werden sie zur Obsession, zur Chiffre einer Paranoia, die sehr reale und glücklicherweise wenig sorgfältig verdrängte Ursachen hat. Ganz langsam schleicht sich grenzenlose Unsicherheit in seine Weltwahrnehmung ein: ein nicht funktionierender Lift, ein Telefon, das sinnlos läutet, weil niemand angerufen haben will, eine Überprüfung durch die Geheimpolizei und letztendlich auch keine Elektrizität mehr. Julio kauft Kerzen und täuscht Normalität vor. Aber jede Bewegung, jeder Augenaufschlag signalisiert hilflose Angst, eine Paranoia, die an jene Raskolnikovs in Dostojewskijs «Schuld und Sühne» erinnert. Raskolnikov tötet aus Habgier und weiß sich schuldig, aber Julio aus Buenos Aires ist unschuldig und will nicht einmal glauben, dass es Feinde gibt. Wie ein nicht gewarnter Parzival irrt er durch die Nächte, voller Angst vor jedem Klingeln des Telefons. Er stürzt tiefer, ihn packt grenzenlose Panik, und schließlich flüchtet er mit einem Zug aus der Stadt, die ihm zur Hölle wurde. (Otto Reiter)

(Text: Viennale 2005)

Details

Luis Brandoni (Julio), Luisina Brando (Ana), Soledad Silveyra (Eva),Marta Bianchi (Luisa), Emilio Alfaro (Roberto), Elsa Berenguer (Carmen)
Rafael Filippelli, Emilio Alfaro
Jorge López Ruiz
Yito Blanc
Antonio Dal Masetto, Emilio Alfaro, Raúl Filippelli

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