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Filmkritik
01/24/2017

"Hidden Figures": Black Power als Raketenantrieb

Der Film würdigt drei geniale schwarze Mathematikerinnen, die - allem Rassismus und Chauvinismus zum Trotz - ab 1961 für die NASA Wichtiges geleistet haben.

Ohne weibliche Unterstützung wären die Amerikaner wohl niemals so erfolgreich im Weltall unterwegs gewesen; geschweige denn, auf dem Mond gelandet. Dieser Film würdigt - spät aber doch - drei geniale schwarze Mathematikerinnen, die ab 1961 für die NASA Großes geleistet haben. Es war nicht leicht, sich als Frau in dieser männerdominierten Welt zu behaupten. Wenn man obendrein noch die falsche Hautfarbe hatte, gesellte sich zum Chauvinismus auch Rassismus, denn Anfang der 60er Jahre machte sich in den USA noch allerorten starke Diskriminierung bemerkbar - und zwar auch in einer so fortschritts-orientierten Organisation, wie der obersten Raumfahrtbehörde.

Allgegenwärtige Diskriminierung

Das fing schon bei der Unterbringung der Frauen an. Die schwarzen Mathematikerinnen sind im Kellertrakt eines abgelegenen Gebäudes versteckt; sie alle haben so gut wie keine Aufstiegschancen, obwohl sie anspruchsvolle Jobs erledigen, für die sie längst nicht ausreichend bezahlt werden. Aber selbst wenn eine von ihnen vorübergehend in eine höhere Position aufrückt und das Büro wechselt, kann von Gleichheit keine Rede sein: falls die Frau einmal auf die Toilette muss, wird das zu einem zeitraubenden Ausflug, weil die Waschräume für Schwarze in einem weit entfernten Gebäude zu finden sind; und sie darf auch nicht daran denken, sich wie alle Angestellten eine Tasse Kaffee aus der großen Thermoskanne abzuzapfen – stattdessen hat man eine versiffte kleine Kanne für sie bereitgestellt.

Historische Figuren

Von den anderen realen - und inzwischen historischen Personen - wird John Glenn als besonders leutselig dargestellt: beim Defilee der künftigen Astronauten an den NASA-Angestellten vorüber, nimmt er als Einziger die Gruppe der schwarzen Frauen wahr, schüttelt ihre Hände und beginnt ein Gespräch mit ihnen. Später wird er vor dem Start seiner Weltraummission nicht den Computer-Berechnungen, sondern bloß Katherines mathematischen Künsten vertrauen - zu Recht, denn die ist so gut mit Zahlen, dass sie sogar mehr Kommastellen in ihren Ergebnissen aufzuweisen hat, als der Großrechner. Auch ihre beiden anderen Freundinnen mache von sich reden: Mary erkämpft vor Gericht das Recht auf ihre Ausbildung zur Ingenieurin, und Dorothy bringt den neu gelieferten Computer-Riesen im Alleingang zum Laufen, was sogar den IBM-Technikern zuvor nicht gelungen ist.

Simpel aber überzeugend

Zweifellos wurde für das Drehbuch manches bis zur Unglaubwürdigkeit zugespitzt: so ist es schwer nachvollziehbar, dass Dorothy in ihrer Freizeit bloß ein Buch über die neue Programmiersprache ‚Fortran‘ studiert und dann ungehindert Zugang in den Computerraum hat, wo sie lange Zeit ungestört und unbemerkt an den Rechnern herumprobieren kann.Dennoch erzählt der Film eine unglaubliche wahre Geschichte, die allen Simplifizierungen zum Trotz nichts von ihrer Großartigkeit einbüßt.

Eine weitere positive Erwähnung verdient Kevin Costner, dem man einfach gerne dabei zusieht, wenn er endlich wieder eine große Rolle mit Leben erfüllt: als ruppiger Projektleiter weiß er die Genialität seiner Untergebenen zu würdigen und geht beherzt daran, die Rassentrennung aufzuheben - zumindest, was die separaten Toiletten betrifft.

8 von 10 raketengleichen Aufstiegspunkten

franco schedl

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