"I Am Not Your Negro": Die vergebliche Suche nach einem Platz im eigenen Land

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"Ich habe es nie geschafft, weiße Menschen zu hassen", bekannte James Baldwin, einer der bedeutendsten afroamerikanischen Intellektuellen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Trotzdem hielt ihn dieser Umstand keineswegs davon ab, jede Sekunde auf die Unmöglichkeit hinzuweisen, als schwarzes Subjekt seinen Platz in einer weißen, rassistischen Gesellschaft zu finden.

James Baldwin (1924–1987) wuchs im Getto von Harlem unter ärmlichen und diskriminierenden Bedingungen auf. Nach und nach gelang es ihm, sich als Schriftsteller und Essayist einen Namen zu machen. Sein großes Projekt, über das Leben und den gewaltvollen Tod der Bürgerrechtsaktivisten Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers ein Buch zu verfassen, blieb unvollendet.

Der Haitianische Regisseur Raoul Peck verschweißte Text- und Bildmaterial von und mit James Baldwin zu einer kontrastreichen und inhaltsstarken Doku: Samuel L. Jackson liest aus dem Off Texte von Baldwin, während Peck dazu Bilder aus historischen Archiven, TV-Aufzeichnungen und Hollywood-Filmen mischt. Zwischen John Wayne und Joan Crawford, Martin Luther King und Malcolm X, schwarzen Sängern, die aus Bananenschalen springen und haarsträubenden Bildern von rassistischen Ausschreitungen ergibt sich ein visuelles Geflecht: Es verbindet weiße Vorherrschaft und schwarze Ohnmacht und zieht sich bis in unsere Gegenwart hinauf. Trotzdem verweigerte sich Baldwin konsequent der Resignation: "Ich kann kein Pessimist sein, denn ich bin am Leben."

INFO: CH/F/BE/USA 2017. 93 Min. Von Raoul Peck. Mit James Baldwin, Harry Belafonte.

KURIER-Wertung:

I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro

USA/F/B/CH 2017
Dokumentation
15.06.2017
Raoul Peck
Ein Film darüber, was es bedeutet, heutzutage als Schwarzer in den USA zu leben. Als Grundlage dient dabei das letzte, unvollendet gebliebene Buchprojekt von James Baldwin.
7.70

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