Cassavetes-Schau im Filmmuseum

Retro im österreichischen Filmmuseum…/Österreichisches Filmmuseum
Retro im österreichischen Filmmuseum…

In den 1950er-Jahren hätte ihm John Cassavetes jede Rolle im Fernsehen weggenommen, die er selbst gerne gespielt hätte, erinnerte sich Peter Falk, später weltberühmt als Inspektor Columbo, an seinen Freund und Kollegen John Cassavetes. Es war besonders die 1959 startende TV-Serie "Johnny Staccato", die Cassavates erheblichen Bekanntheitsgrad und Geld für Regieprojekte brachte.

Als Schauspieler reüssierte der als Sohn griechischer Einwohner 1929 in New York geborene Cassavetes in Klassikern wie Roman Polanskis "Rosemaries Baby" (1968) – als sinistrer Ehemann von Mia Farrow. Oder in Robert Aldrichs Kriegsfilm "Ein dreckiges Dutzend" von 1967. Seine große Leidenschaft aber gehörte dem Filmemachen – und Cassavetes zählte zu den entscheidenden Wegbereitern des US-Independent Kinos Mitte der 60er-Jahre.

Der Zeit weit voraus

Bereits sein erster Film "Shadows" von 1959, der aus einem Schauspiel-Workshop entstand, war seiner Zeit weit voraus. Nicht nur formal, weil er fast gänzlich improvisiert auf den Straßen von New York entstand, sondern auch inhaltlich: Er erzählte von einer Beziehung zwischen einem afroamerikanischen Mädchen und einem weißen Mann zu einem Zeitpunkt, als die Botschaften eines Martin Luther King noch nicht ins öffentliche Bewusstsein getreten waren.

Er habe sich in erster Linie für die Liebe interessiert, sagte John Cassavetes von seinen eigenen Regiearbeiten. Martin Scorsese nannte es die "Hochschaubahn der Gefühle" – die Menschen und ihre Beziehungen –, die das Zentrum von Cassavetes’ Arbeiten bildeten.

Gemeinsam mit seinen Schauspielerfreunden und seiner wunderbaren Ehefrau Gena Rowlands drehte Cassavetes unbeirrt seine intensiven Psychodramen. "Husbands" von 1970 zum Beispiel: Da treffen sich drei Freunde – Ben Gazzara, Peter Falk und Cassavetes selbst – beim Begräbnis ihres engen Freundes und fallen in eine tiefe Krise.

Am liebsten hätte er Cassavetes während der Dreharbeiten umgebracht, erzählte Peter Falk später über diese Erfahrung. Danach habe er zu ihm gesagt: "Mit dir als Regisseur drehe ich nie wieder einen Film. Nie wieder!"

Zum Glück überlegte es sich Falk anders und spielte in einem weiteren Meilenstein des unabhängigen amerikanischen Kinos eine Hauptrolle: In "Eine Frau unter Einfluß" (1974) ist er der Ehemann von Gena Rowlands, die als psychisch angegriffene Mutter beeindruckt.

Rowlands brillierte noch in einigen weiteren herausragende Rollen in den Filmen ihres Mannes, der 1989 starb: im hinreißenden Liebesfilm "Minnie und Moskowitz" (1971) etwa – oder als Gansterbraut "Gloria" (1980).

Filme von und mit John Cassavetes: ab jetzt zu sehen im österreichischen Filmmuseum in der Albertina.

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