Jude - Herzen in Aufruhr

 GB 1996
film.at poster

Jude, autodidaktisch gelehrter Steinmetz und Bote der Aufklärung durchquert mit
seiner von ihm geliebten Cousine Sue ein puritanisches England, das die immer
wieder erzwungene Weiterreise des Paars mit der verbotenen Beziehung zur
Odyssee macht, den rationalen Horizont des Aufruhrs in der Ferne schon
wahrnimmt.

Keine Weichzeichner verklären den kalten Lichteinfall in die Kamera. Das
Kontrastmittel dazu sind die strahlenden Aufnahmen der englischen Provinz, die der
Held Jude bei immer neuen Versuchen, anderswo neu anzufangen, mit dem Zug
durchquert. Letztlich steuert Herzen in Aufruhr auf einen Moment zu: Am Ende
treffen sich Jude und Sue auf einem Friedhof, natürlich im Winter. Sue hat sich aus
den Widrigkeiten der Welt und der Liebe in den Glauben zurückgezogen. Jude steht
ihr todtraurig gegenüber, doch für einen Moment muß er fast lächeln. Text: Bert Rebhandl,
Der Standard

Details

Michael Winterboottom
Hossein Amini (nach dem Roman Jude the Obscure von Thomas Hardy)

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Jude und Sue
    Man kann nicht ahnen, dass sich hinter dem pilchermäßigen Titel eine erstklassige Literaturverfilmung verbirgt. Was Thomas Hardy Ende des 19. Jahrhunderts thematisierte, war damals eine echte gesellschaftliche Bombe: die Liebe zwischen Cousin und Cousine (Jude und Sue), die nach kanonischem Recht in ’wilder Ehe’ leben und die auch noch Kinder zeugen, und die rechtmäßige Notwendigkeit einer kirchlichen Trauung. Das hat Regisseur Winterbottom so aufbereitet, dass uns der Gewissenskonflikt, der über die Hälfte des Romans einnimmt, heute noch nachvollziehbar erscheint und uns die dramatische Entwicklung nicht kalt lässt. Die beiden Hauptdarsteller Winslet und Eccleston sind grandios und bewegen sich in einer Atmosphäre, die die Stimmung des Romans sehr genau wiederspiegelt. Neben den sich ändernden religiösen Einstellungen von Sue, die von Gewissenbissen gequält wird und die hinter tragischen Situationen die strafende Hand Gottes sieht, geht es aber auch noch um Judes brennenden Wunsch, durch ein Studium gesellschaftlich aufzusteigen. Diese unheilvolle Mesalliance kann nur tragisch enden.
    Die Dialoge lehnen sich ganz eng an die Romanvorlage an und vermitteln Zeitgeist und Denkweise der Charaktere. Ein seltenes Beispiel für einen Film, der fast noch besser ist als die literarische Vorlage.