Schauspiel, Kung Fu und 30 Mäuse

Hiba Ghafry, Hauptdarstellerin in "Der Fall Mäuserich"Heinz Wagner
Hiba Ghafry, Hauptdarstellerin in "Der Fall Mäuserich"

Obwohl vom ersten Moment an mit einem gewinnenden Wesen unterwegs, stößt Meral nach der Übersiedlung sowohl in der neuen Wohngegend als auch in der neuen Schule rundum auf Ablehnung. Doch selbstsicher, stark und auch mit einer Portion Humor ausgestattet, lässt sich die 8-Jährige (im Film) nicht unterkriegen.

Dank einer kleinen Maus – bzw. dem deutschen Filmtitel zufolge einem Mäuserich -, die/den sie vor der Vergiftung durch die Mutter rettet und auf die Klassenfahrt mitnimmt, findet sie eine verschworene Gemeinschaft. Da ist zunächst Vito, den sie vorher schon – dank eines strikten Vertrages – gewonnen hat. Jason (im Rollstuhl), der auf (tote) Tiere steht und Desy, die tussihafte Anführerin der Klasse, die zuvor totale Gegnerin war, lässt sich nun auf die Freundschaft mit Meral, den beiden genannten und vor allem Piep Piep wie das Mädchen ihren Nager nennt.

Songs?!

Einen gefährlichen Knick gibt es noch: Als eine Eule die Maus beim Waldspaziergang erbeutet, gibt Meral ihren drei Freund_innen die Schuld. Doch dann fällt ihr wieder der Song über den Kreislauf der Natur mit fressen und gefressen werden ein, den sie schon zuvor zu viert gesungen haben. Die Songs sind – in der deutschen Synchronfassung – leider ein Minuspunkt: holprig und auch nicht gut gesungen. Das ist – so Menschen, die den Film im niederländischen Original gesehen und vor allem gehört haben – ganz anders. Die Songs bieten dort sozusagen auflockernde Phasen der Reflexion.

30 Mäuse spielten Piep Piep

Die junge Hauptdarstellerin, Hiba Ghafry, kam zum Eröffnungswochenende des 29. Internationalen KinderFilmFestivals und stellte sich nach dem Film in den verschiedenen Kinos den Fragen vor allem der jungen Zuschauer_innen sowie einmal danach auch jenen des Kinder-KURIER. Kinder wollten von der nunmehr 11-jährigen Amsterdamerin wissen, ob die Tiere im Film echt gewesen wären, ob die dressiert waren oder einfach viel gefilmt und zusammen geschnitten worden wäre.

Einige Tiere wurden nur computeranimiert – das Reh, das Eichhörnchen und der riesengroße Ameisenhaufen. Alle lebendigen Tiere kamen mit ihren Trainer_innen. Für die Rolle der/des Piep-piep kamen 30 Artgenoss_innen zum Einsatz – je nachdem welche was gut konnte, agierte das entsprechende Nagetier vor der Kamera. „Nur für die Szene, wo die Maus aus dem Gewandberg in meinem Zimmer zu ihrem Loch rennt, hat’s nie funktioniert. Das mussten die Filmleute im Computer animieren“, verrät die quirlige Hiba Ghafry dem KiKu. Übrigens: Kein Tier kam beim Dreh zu Schaden. Statt mit einer lebendigen Maus wurde die Eule mit Futter „abgespeist“. Für das „Eulengewölle“ aus dem sie die Knochen der verspeisten Maus herauskletzelten haben die Filmleute lange im Wald nach einem solchen gesucht.

Heiß war’s im „Herbst“

Schwierig sei es gewesen, im heißen Sommer – in den Ferien – die Herbstszenen zu drehen, gesteht die junge Hauptdarstellerin auf die Frage eines Kindes im Kinosaal des Cinemagic in der Urania. „Wir hatten total viel an für den Herbst, aber es war ja sehr heiß. Und der Regen ist von einer großen Dusche gekommen.“

Die drei Kinder, die die engsten Freund_innen spielen, „hab ich vorher nicht gekannt, aber wir sind während des Drehs zu wirklichen Freunden geworden.“

An Haustieren habe sie davor selber schon einen Hamster gehabt. „Später dann einmal einen Hundewelpen, aber ich war allergisch auf seine Haare. Jetzt habe ich gar kein Haustier.“

Viele Schauspiel-Workshops

Obwohl sie derart perfekt wirkt, war „Der Fall Mäuserich“ oder wie er im niederländischen Original heißt „Uilenbal“ für Hiba Ghafry der erste Film, „aber ich hab schon vorher viele Jahre geschauspielert. Ich war bei vielen Workshops bei CineKid.“ Letzteres ist ein großes Kinderfilmfestival in Amsterdam, bei dem wie beim KinderFilmFestival internationale Filme gezeigt werden, es darüber hinaus aber auch jede Menge unterschiedlicher Workshops gibt – von Schauspiel bis zu filmen – vor und hinter der Kamera, andere für YouTube, Instagram … Bei einem solchen Workshop haben wir einen kleinen Film gedreht. Der wurde dann als Casting-Film verwendet und dann wurde ich gefragt, ob ich „Uilenbal“ mitmachen will.“ Hiba Ghafry hat bei CineKid selber schon – gemeinsam mit erwachsenen Profis Masterclasses für andere Kinder gegeben.

Kein Blut!

Ob Filmen oder Schauspielen – auch fürs Theater – ihr Berufswunsch sei, wollte der Kinder-KURIER wissen.

„Ja, gerne. Aber ich möchte auch noch einen anderen Beruf studieren – Kinderpsychologie, meint die Vielsprachige – Niederländisch, Marokkanisch-Arabisch, „diesen Dialekt verstehen viele aus anderen arabischen Ländern nicht – das ist so ein bisschen wie Niederländisch und Deutsch. Wir verstehen die anderen, aber die uns nicht“, Englisch und ein bisschen Französisch und ein wenig Spanisch. „Zuerst wollte ich eigentlich Ärztin werden, aber dann bin ich draufgekommen, dass ich kein Blut sehen kann. Und als Psychologin kann ich ja auch helfen, am liebsten Kindern.“

Kung Fu

Neben Schauspiel betreibt Hiba Ghafry leidenschaftlich  Kung Fu und das schon fast ihr halbes Leben lang – seit fünf Jahren. Auch hier betätigt sie sich mittlerweile teilweise als Lehrerin. „Es ist so cool jüngeren Kindern was beibringen zu dürfen!“

In der Schule mag sie eigentlich – fast – alles, „nur Blit nicht, da geht’s um verschiedene methoden des Lernens und so“.

Nur die Stimme

Beim nächsten Filmprojekt ist Hiba Ghafry nur zu hören – im Original. „Es ist ein Stop-Motion-Trickfilm und ich sprech eine der Stimmen.“ Am Film wird drei Jahre gearbeitet, weil es lange dauert bis die vielen Szenen aus den Knetfiguren aufgenommen werden. Aber n diesem Fall werden die Stimmen zuerst eingesprochen, „das dauert also nicht drei Jahre!“

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