Zwischen Tag und Nacht

 F/I 2008

La Frontière de L'Aube

Drama, Romanze 105 min.
film.at poster

Philippe Garrel, einer der großen Außenseiter des französischen Kinos, erzählt in La Frontière de l'Aube ein archetypisches Liebesdrama:

Der Fotograf François geht mit dem berühmten Model Carole ein Verhältnis ein, die Liebe überrumpelt sie, doch die beiden finden keinen Übergang zu einem gemeinsamen Leben. François bleibt ein Außenseiter in Caroles Welt. Als er irgendwann ihre Briefe unbeantwortet lässt, verliert sie sich im Wahnsinn und begeht Selbstmord. Garrel geht zu der so unzeitgemäßen romantischen Emphase, die dieser Geschichte innewohnt, in keiner Weise auf Distanz. Dabei kommt die Inszenierung, die den Ausdruck der Körper in kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern festhält, mit sparsamen Mitteln aus und versteigt sich nie ins Sentimentale. «Alles, was sie in Chansons sagen, ist wahr» - wenn solche Sätze fallen, sollte ohnehin klar sein, dass es hier auch um die Macht von Illusionen geht, denen man sich ganz wissentlich hingibt. Im zweiten Teil des Films, nach dem Tod Caroles, wird dessen phantasmatische Seite offensichtlich. François steht vor dem Übertritt in ein bürgerliches Dasein, er wird Vater und soll seine Freundin Eve heiraten, da tritt ihm im Spiegel Carole entgegen, um ihn auf ihre Seite zu ziehen. Auf wunderbar altmodische Weise - mit Irisblenden und mit Überblendungstechnik - erweist Garrel hier Jean Cocteau und anderen Kinomagiern seine Reverenz. Zugleich erzählt er davon, wie es ist, mit Geistern im Kopf zu leben. (Dominik Kamalzadeh)

(Text: Viennale 2008)

Details

Louis Garrel (François), Laura Smet (Carole), Clémentine Poidatz (Eve), Emmanuel Broche (Freund), Olivier Massart (Vater von Eve), Eric Rulliat (Caroles Ehemann)
Philippe Garrel
Jean-Claude Vannier, Didier Lockwood
William Lubtchansky
Philippe Garrel, Marc Cholodenko, Arlette Langmann

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • Eine Amour Fou, ein Beziehungsdrama und seine Folgen, in unglaublich schönen Schwarz/Weiß-Aufnahmen photographiert.
    Diese Bildästhetik, kreisförmige Überblendungen ("Irisblenden") und althergebrachte Beleuchtungstricks, um die Welt hinter einem Spiegel auftauchen und wieder verschwinden zu lassen, erinnern an klassische märchenhafte Werke von Cocteau.