Mirages

 F 2008
Dokumentation 46 min.
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Jenes Bild, das sich wohl am nachhaltigsten einprägt, ist das der vielen Männer, die zusammengedrängt auf der Ladefläche eines Lastautos stehen. Die Männer fahren nordwärts, vom Niger bis zur algerischen Küste. Wie lange sie unterwegs sind, hängt von vielen unberechenbaren Faktoren ab, und auch wenn sie die afrikanische Mittelmeerküste erreicht haben, sind sie noch immer nicht am Ziel. Dann beginnt erst die gefährliche Überfahrt nach Europa. Eine Reise in der Hoffnung auf ein besseres Leben, die oft mit dem Tod endet. Was Mirages, die erste mittellange Dokumentation des französischen Regisseurs Olivier Dury, auszeichnet, ist der Umstand, dass hier keine Leidensgeschichte aufgezeichnet wird, kein Appell an das Mitgefühl eines westlichen Kino- und Fernsehpublikums. Dury hat in einem der drei Lastwagen Platz genommen, ohne das spektakuläre Bild zu suchen: Durch die Windschutzscheibe blickt er auf die Landschaft oder die Reifenspuren im Sand, schaut zu, wie die Fahrer einen Reifen wechseln. Drei Tiere sieht man indes im Laufe des Films: einen Frosch, eine Schlange und einen Käfer, der auf dem Rücken liegend mit den Beinen in der Luft strampelt. Am Abend wird ein Lagerfeuer aus dürren Ästen entzündet, um der Kälte der Sahara zu trotzen. Dury dokumentiert einen Alltag, der den Fernsehbildern von gestrandeten, ums Leben gekommenen oder wieder abgeschobenen Flüchtligen vorausgeht. Fast ohne Dialoge kommt dieser Film aus, und tatsächlich sind solche auch nicht notwendig. Denn die Geschichten der Männer, die sich am Beginn des Films mit einem kurzen Hinweis auf ihre Herkunft - Guinea, Senegal, Ghana - beschränken, werden nicht deshalb ausgespart, weil sie austauschbar wären, sondern weil sie zumindest in diesem Teil der Welt allgemein gültig sind. 300 Kilometer vor ihrem Ziel, an der libyschen Grenze, verlässt Dury den kleinen Konvoi. Die Männer, eingehüllt in Tüchern gegen Sand und Wind, winken ihm zurück. Wenn man dann noch einmal ihre Gesichter in Großaufnahme sieht, hat inzwischen der Wüstensand ihre Spuren schon wieder verwischt. (Michael Pekler) Dieser Film wird gemeinsam gezeigt mit Beirut 2.14.05, Public Domain und Crossings.

(Text: Viennale 2008)

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Olivier Dury
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