Will Smith: Die Wahrheit ist geschäftsschädigend

Film: Erschütternde Wahrheit 2016 - "Concussion" …/Sony Pictures Releasing GmbH
Film: Erschütternde Wahrheit 2016 - "Concussion" …

Mehr als 160 Millionen Zuschauer haben das Finale des Super Bowl vor zwei Wochen verfolgt, bei dem die Denver Broncos als Sieger hervorgingen, allein 111,9 Millionen in den USA. Damit war die 50. Ausgabe des Finales der besten US-Footballmannschaften die drittmeistgesehene TV-Sendung aller Zeiten. 4,5 Millionen kostete ein 30-Sekunden-Werbespot. Dass Superstars wie Beyoncé und Lady Gaga zu Beginn und in der Pause auftraten, war Ehrensache.

Football ist in den USA ein Millionengeschäft, das sich keiner nehmen lässt. Wer das nicht akzeptiert und gut findet, ist in den Augen der Amerikaner ein weltfremder Idiot. Diese Erfahrung muss auch Dr. Bennet Omalu, ein Neuropathologe, der unerklärliche Todesfälle bei Footballspielern untersucht, machen. Omalu arbeitet sich buchstäblich ins Innere seiner toten Patienten vor, seziert ihr Leben. Redet mit ihnen, damit sie ihm helfen, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln. Omalu lässt nicht locker, bis er weiß, was die mysteriösen Todesfälle ausgelöst hat: nämlich die Summe der brutalen Kopfstöße und die zahlreichen Gehirnerschütterungen, die beim Football ausgelöst werden. Chronische traumatische Enzephalopathie (CTE) nennt er das Phänomen, das naturgemäß bei den Verantwortlichen der NFL, der National Football League, alles andere als Begeisterung auslöst.

Peter Landesmans Drama ist, wie er selber sagt, kein Film über Medizin und keiner über Sport, sondern einer über die Vertuschung der Wahrheit und das Primat des Geldes. Profit geht vor, auch wenn er Opfer fordert. Wer da dazwischenfunkt, ist ein Spielverderber und muss kaltgestellt werden.

Will Smith, lange der bestbezahlte Klassenclown des Hollywood-Kinos, zeigt hier, dass er auch seriös kann. Als gottesfürchtiger und strebsamer Arzt mit dem investigativen Instinkt einer Miss Marple überzeugt er selbst große Skeptiker. Der Ex-"Man in Black" und Ex-"Prinz von Bel Air" ist zum Charakterdarsteller gereift. Köstlich sein afrikanischer Akzent, den er sich für die Rolle des Underdog-Arztes mit nigerianischen Wurzeln antrainierte. Nach dem Film versteht man auch die allgemeine Befremdung darüber, dass Mr. Smith nicht für einen Oscar nominiert wurde.

Sehr viel geändert hat sich durch Bennet Omalus Entdeckung im US-Football nicht: In einem Musterprozess gab es zwar Entschädigungen für betroffene Spieler, aber Regeln wurden kaum geändert. The show must go on.

Von Susanne Lintl/KURIER

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