No jardim do mundo (In the Garden of the World)

 F/P 2004
Dokumentation 64 min.
film.at poster

Der Alentejo im Süden Portugals, eine jahrhundertelang von Großgrundbesitzern und Feudalismus, von Hunger und Armut gezeichnete Landschaft, erfährt durch die Nelkenrevolution von 1974 eine radikale Umwälzung. 30 Jahre später erzählen die Männer und Frauen der Region in Maya Rosas Film ihre Geschichten, von den Jahren der Unterdrückung durch das Salazar-Regime, der Revolution und der langsamen, bitteren Rückkehr zu den alten Verhältnissen durch sukzessive Gesetzesänderungen und die erzwungene Rückgabe des Landes. Zwischen all den Erzählungen über Hunger, Armut und Unterdrückung braucht es auch Momente des Schweigens. Die lose eingestreuten Landschaftsbilder und Beobachtungen alltäglicher Arbeit hinterlassen vielleicht sogar einen nachhaltigeren Eindruck als die Geschichten selbst: Man glaubt, in den gelben Feldern, den blühenden Bäumen die Vergangenheit dieses Landstrichs zu spüren, von der die alten Bewohner erzählen. Die Zeit scheint hier stehen geblieben, die junge Generation längst weggezogen zu sein, doch No jardim do mundo haftet nichts Nostalgisches an, im Gegenteil: Wenn die Männer sich zum Schälen der Baumrinde versammeln oder ein Bauer nach wie vor mit Maultier und Pflug seinen Acker bestellt, merkt man, dass hier nicht nur die Industrialisierung nicht Einzug gehalten hat, sondern auch die Geschichte des Alentejo Gefahr läuft, vergessen zu werden. Die Verbindung zwischen Geschichte und Natur in Form von Erinnerung ist eben nur so lange möglich, wie sich jemand findet, die alten Erzählungen anzuhören. (Michael Pekler)

(Text: Viennale 2004)

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Maya Rosa
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