Paroles De Bibs

 Frankreich 2001
Dokumentation 100 min.
film.at poster

Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die Brüder Michelin in Clermont-Ferrand eine Fabrik zur Herstellung von Reifen und Straßenkarten. Sie bildet heute das Herzstück eines multinationalen Konzerns für Kautschuk (und Reiseführer) mit Niederlassungen auf fünf Kontinenten. 1999 trat François Michelin, diskreter Firmenchef und selbst ernannter Humanist, aus dem Schatten und veröffentlichte in Zusammenarbeit mit Ivan Levaï ein Werk, dessen Titel der Hauch der Utopie umflorte, «Et pourquoi pas?» («Und warum nicht?»). Darin legte er seine Auffassung des Unternehmens dar. Zwei Jahre darauf lud die Dokumentarfilmerin Jocelyne Lemaire-Darnaud die Arbeiter aus Clermont ein, ihm zu antworten. In der Zwischenzeit hatte das Unternehmen Michelin innerhalb der gesamten Gruppe in noch nie da gewesenem Ausmaß abgebaut. Der Film funktioniert aufgrund eines ständigen Wechselspiels: auf der einen Seite Farbaufnahmen, eingefangen auf der Fahrt eines Autos um die Fabrik, die «Festung Michelin», Mauern und verschlossene Tore. Auf der anderen Seite, gefilmt in Schwarzweiß, Interviews mit Arbeitern, Arbeiterinnen, sogar Arbeiterseelsorgern, einigen Volkswirten oder Soziologen und einem Schriftsteller (François Salvaing). Kein François Michelin, er tritt im Film nur über Auszüge aus seinem Buch in Erscheinung, zu denen die Interviewten ihren Kommentar abgeben (das Wort des Arbeitgebers nimmt die ganze Leinwand ein), dafür gelegentlich ein breit lächelnder Ivan Levaï. Paroles de Bibs (als Bibs Verkleinerungsform von Bibendum [Name des legendären «Reifenmännchens», Anm.] bezeichnen sich die Arbeiter bei Michelin selbst) ist ein Film der Worte und Gesichter. Vor allem der Worte. Die Sprache der Bibs ist bedächtig, auf den ersten Blick banal, ohne Überraschungen. Sie erzählt von der Arbeit, dem Druck der Stechuhren, dem schwarzen Dreck des Kautschuks, der leisen Unterdrückung. Die Worte des einen werden von den anderen wieder aufgenommen. Mit der Dauer gewinnt das Wort an Gewicht. Mit der Zeit. Die filmische Zeit konstruiert den Diskurs der Arbeiter und Arbeiterinnen. Am Ende des Films zeigt die Regisseurin noch einmal die Gesichter aller, die zu Wort gekommen sind. Sie schauen in die Kamera und lächeln. (Jean-Pierre Jeancolas)

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Jocelyne Lemaire-Darnaud
Jocelyne Lemaire-Darnaud
Jocelyne Lemaire-Darnaud

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