Proletarisches Kino: Programm 10 - Frank Rossak 2

 
Kurzfilm 
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Rossak erweist sich als ideologisches Chamäleon. Innerhalb seiner 40-jährigen Berufstätigkeit wandelt er sich vom unpolitischen Unterhaltungskünstler zum sozialdemokratischen Parteifilmer, zum «vorzeitigen» NS-Sympathisanten, zum Reichskolonialbund-Aktivisten, zu einem von der NS-Filmgemeinschaft ausgeschlossenen Parteigänger, zum sozial engagierten Dokumentaristen der Trümmerjahre und einfallsreichen Gestalter der «Opferthese». Zuletzt bündelt er, als filmischer Unterstützer der Friedensbewegung, noch einmal seine filmischen Qualitäten. Allen diesen Rossak-Charakteren ist der permanente geschäftliche Misserfolg gemeinsam, das Einzelgänger- und Außenseitertum innerhalb der Filmbranche, gepaart mit einer scheinbar unerschöpflichen Produktivität. Im Zentrum dieses Programms stehen Rossaks Filme, die während des Dritten Reichs entstanden sind, sowie sein letzter eigener (ihm zugeschriebener) Film vor seinem Tod: Schatten über unserer Heimat (1953 - 55) polemisierte gegen die militaristischen Soldatentreffen in Österreich, die vor allem von westdeutschen Kameradschaftsverbänden unter Führung ehemaliger Nazioffiziere wie etwa Ex-Feldmarschall Kesselring veranstaltet wurden. Der engagierte Film entstand im Auftrag des Österreichischen Friedensrates, einer kommunistisch orientierten Organisation, im Anschluss an die erste bedeutende «Tagung des Weltfriedensrats in Wien» (23. - 28. 11. 1953). Die Friedensbewegung denunzierte mit dem Film die neuerlichen Anschlussbestrebungen, die für sie von Deutschland ausgingen. Rossak montierte immer wieder historische Situationen als Parallele: Aufnahmen von Aufmärschen der austrofaschistischen Heimwehr mit Bildern von Aufmärschen der Kameradschaftsbünde nach 1945. Die eindringliche, in Teilen auch ironische Kommentarstimme fragt: «Sind sie noch nicht genug marschiert?» Im letzten Drittel erscheinen die Aktivitäten der österreichischen Friedensbewegung: Großdemonstrationen gegen die Soldatentreffen und die Anschlusspropaganda werden vor allem von Müttern, Ehefrauen und Kindern getragen. Schatten über unserer Heimat wurde zwei Monate vor Abschluss des Staatsvertrags fertig. Die «Österreichische Friedenszeitung» annoncierte neun Aufführungen in Wien und eine in Ebensee, nicht in regulären Kinos, sondern im Rahmen von Vortragsabenden in Arbeiterheimen, Gasthäusern und Betrieben, mit Wortbeiträgen von Referenten. Gelegentlich wurde Rossaks Kurzfilm zusammen mit Kurt Maetzigs Der Rat der Götter (DDR 1950) gezeigt, einem Spielfilm über die NS-Verstrickung der I.G. Farben. Als nach dem Mai 1955 die Anschlussgefahr gebannt und die «immerwährende» Neutralität Österreichs festgeschrieben wurde, verschob sich der politische Schwerpunkt des Friedensrats auf den Kampf für den Weltfrieden und gegen die atomare Gefahr. Von dieser Akzentverschiebung ist auch Schatten über unserer Heimat betroffen, dessen Argumentation nun obsolet erscheint. Er wurde seit damals nur ein Mal aufgeführt und ist aus dem Gedächtnis der Filmgeschichte verschwunden. (Thomas Tode) Ein Deutschmeistertag (Ö 1927) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW (Wintersport in Bischofshofen) (Ö 1927) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Anschluss-Kundgebung im Ebert-Hof (Ö 1929) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Wienerinnen und Wiener beachtet (Ö 1930) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Aus deutschen Gauen: Wien (D 1938) 35mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Das koloniale Bilderbuch des Reichskolonialbundes (D 1940) 16mm/stumm/dt. Zwischentitel/SW Die aktuelle Kolonialwochenschau (D 1940) 16mm/stumm/dt. Zwischentitel/ Schwarzweiß Völkergemisch im Wiener Prater. Ausländische Arbeitskräfte im Wiener Prater 1943 (D 1943) 35mm/stumm/Schwarzweiß Schatten über unserer Heimat (Ö 1953-55) 35mm/stumm/Schwarzweiß 90 Minuten

(Text: Viennale 2007)

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