Reyner Banham Loves Los Angeles

 USA/GB 1972
Dokumentation 52 min.
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Der britische Architekturtheoretiker und Autor Reyner Banham (1922-1988), berühmt und ebenso berüchtigt für seine impulsiven und fordernden Unterrichtsmethoden, liess sich für diese Dokumentation der BBC auf seinem Streifzug durch Los Angeles filmen. Begonnen bei den anfänglichen Schwierigkeiten, das hierzu benötigte Auto erst einmal zum Laufen zu bringen, baut dieser Film einen grandiosen Spannungsbogen auf, und so zieht die Kamera durch die Strassen, um an möglichst allen Kreuzungen und Straßenecken seine Bewohner einzufangen: Musikkapellen, Polizisten, alte Damen. Doch der Großteil liegt hier mit seinem Augenmerk auf der Architektur, die mit Zwischenschnitten zu belebter Stadtgeschichte wird. Aber dies alles braucht Bewegung, um dorthin zu gelangen, wohin uns Banham führen möchte. Die Straßen, sie wären nutzlos, wenn sie nicht befahren werden würden, und die Autos wären sinnlos, wenn nicht in jedem Wagen jemand sässe, der ein Ziel vor Augen hat. Banham spricht, öffnet Türen, hört Geräusche: von den Touristenbussen bis zu den kleinen Transportern, die junge Leute mit ihren Surfbrettern zum Strand kutschieren. Die Stadt ist eine Verlockung, die Banham zu definieren versucht und den Abstand zur Kamera dennoch beibehält. Banham ergreift die Möglichkeit, die Stadt, welche er wie seine Westentasche kennt, für sich neu zu katalogisieren. Kurzerhand steigt die Kamera selbst auch einige Male um: von der Straße in die Lüfte und wieder zurück auf den Beifahrersitz. Von Zeit zu Zeit sieht man Banham vor einer Tafel stehen und unterrichten. In seinem Vortrag hallen die zuvor entdeckten Bilder, Häuser, Straßen und Rasenflächen wider. Und immer bleibt das Konstrukt der Stadt ein von Menschen erst beseelter Ort. Bei Banham gibt es kein Wenn und kein Aber; die Stadt erwacht in der Sekunde zum Leben, in der man den Autoschlüssel umdreht und sich auf die Reise begibt. Die Verlockung ist bei Banham «weiblich», und so knüpft er eine Verbindung zwischen dem Moment des tatsächlichen Ankommens und der Frage, wo man denn nun gelandet ist, und ob man schlußendlich wirklich dorthin wollte. Reisen ist Nichtwissen, das Ankommen kann nur ein schwacher Trost sein. Es sind Momente der Ruhe, wenn sich Banham die Türen zu privaten Häusern öffnen und ihm die Kühle eines Flures entgegenstreicht, oder er die Surfer beobachtet, die die Stadt und ihren Puls mit jeder heranrollenden Welle weiter auf das Meer hinaustragen. Ein anderer Titel lässt sich zu diesem Film nicht einmal erträumen: Banham liebt Los Angeles.

(Text: Viennale 2008)

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Julian Cooper

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