Shatterbox Anthology

2016

Min.56

Das Coming-out, das gegenüber der an Alzheimer erkrankten Mutter immer wieder aufs Neue durchgekaut werden muss; die Begegnung mit anderen Frauen, die – in einem lange zurückliegenden Leben – mit einem anderen biologischen Geschlecht geboren wurden; die flüchtigen Blicke der PassantInnen in den Straßen New Yorks: Das Bedürfnis, nach außen hin sichtbar das sein zu dürfen, was andere in einem nicht sehen möchten, zieht sich wie ein roter Faden durch die vom US-amerikanischen Onlinemedium Refinery29 produzierte Kurzfilmserie SHATTERBOX ANTHOLOGY, die Geschichten von Frauen und filmschaffende Frauen im Independentkino sichtbar macht. Auch Chloë Sevigny – Schauspielerin, Stilikone, Enfant terrible und in eigenen Worten »first-time director and life-long cat person« – gab mit KITTY für die Serie ihr Regiedebüt.

Filme:

LUCIA, BEFORE AND AFTER
Anu Valia • USA 2016 • 14 min • OmdU

200 Meilen im Auto hat Lucia hinter sich, als sie sich mit der gesetzlich vorgeschriebenen »Bedenkzeit« von 24 Stunden konfrontiert sieht, die sie abwarten muss, bevor der geplante Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann – gestrandet in einer texanischen Kleinstadt, bevormundet durch ein Gesetz, das auf der Annahme basiert, eine willkürlich lang festgesetzte Bedenkzeit könne sicherstellen dass Frauen über ihre Schwangerschaft »richtig« entscheiden und die Häufigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen reduzieren. Anu Valia findet eine spannende Balance zwischen der Auseinandersetzung und der Kritik an den Barrieren, denen Frauen mit ungewollten Schwangerschaften immer noch ausgesetzt sind, und der Verortung der Geschehnisse in Lucias Leben als eben nur eine von vielen größeren und kleineren Entscheidungen, die mit ihrer Tragweite das Leben ausmachen. Lucia davor, Lucia danach.

THE CONVENTION
Jessica Dimmock • USA 2016 • 10 min • OmdU

Seit 25 Jahren findet in einer unscheinbaren Holzfällerstadt im Norden des US-Bundesstaates Washington die Esprit Conference statt. Transgender-Frauen 50+ kommen hier jedes Jahr für eine Woche zusammen, um sich auszutauschen, zu vernetzen und gegenseitig zu bestärken. Viele von ihnen können ihre wahre Identität nur hier und nur für eine Woche leben. Jessica Dimmock hat einige der Begegnungen filmisch und fotografisch begleitet. Ihr Kurzfilm, der eindringlich nahegeht und seinen Protagonistinnen auf respektvolle Weise nahekommt, wurde mit einem der Hauptpreise des Digital Storytelling Contest der World Press Photo Foundation ausgezeichnet. – »There’s a lightness and a badassness about some of the women that I really wanted to embrace. I think that they do this really brave thing and they’re kooky and wild.« (Jessica Dimmock)

OUT AGAIN
Robin Cloud • USA 2016 • 10:30 min • OmdU

Cat und Liz sind frisch verheiratet und treten an, um Cats Eltern die frohe Kunde zu überbringen. Wäre da bloß nicht die Alzheimer-Erkrankung von Cats Mutter, die sie ausgerechnet die wirklich wichtigen Details im Leben ihrer Tochter vergessen lässt … Mit Fingerspitzengefühl und entwaffnender Offenheit findet die New Yorker Comedienne Robin Cloud in ihrem Regiedebüt den richtigen Ton, um eine komplizierte und belastende Situation humorvoll und leichtfüßig aufzulösen. – »Based on a deeply personal experience.« (Robin Cloud)

WATCHING YOU, WATCHING ME
Pamela Romanowsky • USA 2016 • 6:30 min • OmdU

»For me, each step I take, each move I make, I know I’m being watched. So I’m gonna be fierce with every step.« In faszinierenden Schwarzweiß-Porträts anonymer Gesichter im Getümmel der Metropole New York (Kamera: Zelmira Gainza) entwirft Pamela Romanowsky eine cineastische Kontemplation über Wahrnehmung, Sichtbarkeit und eingeschriebene Vorurteile. Was bedeutet es jemanden wirklich zu sehen?

KITTY
Chloë Sevigny • USA 2016 • 15 min • OmdU

Was tun, um die Aufmerksamkeit der zerstreuten Mutter auf sich zu ziehen? Nach der gleichnamigen 1980 erschienenen Kurzgeschichte von Kultautor Paul Bowles erzählt Chloë Sevigny die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich nichts sehnlicher wünscht als sich in ein Kätzchen verwandeln zu können. Die amerikanische Schauspielerin, die auch als It-Girl und Model Furore machte, steht in ihrem Regiedebüt nicht selbst vor der Kamera, sondern besetzt u.a. Ione Skye (BUT I’M A CHEERLEADER, ZODIAC) und TV-Ikone Lee Meriwether. Für die zwischen Traum und Wirklichkeit changierende Bildsprache zeichnet Seamus McGarvey verantwortlich, noch eindrücklich in Erinnerung NOCTURNAL ANIMALS, in denen er ebenfalls animalische Instinkte in traumschwangere Bilder hüllte. Genderqueerer Sidekick: Katerquartett Jack, Handsome, Hero und Jaguar in der Rolle der weiblichen Hauptdarstellerin.

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