"Suite francaise": Verbotene Liebe zwischen Französin und Nazi

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In Frankreich konnte der Mythos von der Nation, in der sich alle Klassen zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer vereinigt hatten, lange halten.  Als Sensation wurde deshalb auch das Romanfragment „Suite française“ von Irène Némirovsky gefeiert, das erst 2004, lange nach Tod der Autorin, veröffentlicht wurde. Die aus Kiew stammende und im französischen Exil lebende jüdische Bankierstochter berichtete in Briefen und Notizen aus dem Leben im besetzten Frankreich von 1940 bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz, wo sie 1942 ermordet wurde. Posthum wurde Irène Némirovsky dafür ein hoher französischer Literaturpreis zuerkannt und es war nur eine Frage der Zeit, bis ihre Aufzeichnungen auch das Licht der Kino-Leinwand erblickten.

Kompakter als die literarische Vorlage erzählt der Film vom Leben in einem französischen Dorf während der deutschen Besatzung.  Im Mittelpunkt die junge und schöne Lucile (Michelle Williams), die von ihrer dominanten Schwiegermutter (Kristin Scott Thomas) bewacht. Ihr Ehemann ist im Krieg und beide Frauen warten auf Nachricht von ihm.  Als ein deutsches Regiment im Dorf stationiert und dessen Offizier (Matthias Schoenaerts) bei ihnen einquartiert wird, gerät das Leben der beiden Frauen aus den Fugen – vor allem, weil Lucile und der gutaussehende Offizier ihre Leidenschaft nicht nur für das gemeinsame Klavierspiel teilen.

 Wie alle Bewohner des Dorfes steht Lucille vor dem moralischen Dilemma zwischen Liebe und Verzicht, Kollaboration und Widerstand, Hoffnung und Illusion, Lebensgier und Aufopferung. Der englische Regisseur Saul Dibb hat Némirovskys hochdramatische Romanvorlage allzu glatt als hochkarätig besetztes Hochglanzprodukt der europäischen Filmförderung inszeniert, in dem eine US-Amerikanerin und eine Engländerin Französinnen spielen und ein Belgier einen Deutschen. Das multikulturelle Ergebnis wirkt leider eher gut gemeint, als wirklich gut.

Text: Gabriele Flossmann 

INFO: GB/F/CA/BE 2015. 107 Min. Von Saul Dibb. Mit Michelle Williams, Matthias Schoenaerts.

KURIER-Wertung:

Suite Française - Melodie der Liebe

Suite Française - Melodie der Liebe

GB/CAN/F/BEL 2014
Drama, Romanze, Kriegsfilm / Antikriegsfilm
15.01.2016
Saul Dibb
Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Irène Némirovsky erzählt der Film die berührende und leidenschaftliche Geschichte einer unmöglichen Liebe in Kriegszeiten.
6.90

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