VIS 13: Animation Avantgarde 3

 
Animation, Kurzfilm 74 min.
film.at poster

Das dritte Animation Avantgarde Programm verschreibt sich verschiedenen Konzepten des Filmemachens: Es spielt mit Gegensätzen; so wird das Speichermedium Fotografie zum Vergessens-Medium (Paperbox), die Zukunft verweist auf die Vergangenheit (The Future) und Nacktheit wird mit flauschigen Stoffen dargestellt (Oh Willy). Andererseits steht das Experiment im eigenen Medium an: Snail Trail erforscht die Möglichkeiten der Digital Arts, Manuel Knapp perfektioniert seine Art der digitalen Überlagerungen und Mihai Grecu kreiert real wirkende leere Landschaften, die das Unheimliche beherbergen. Eine Ähnlichkeit im Geiste kann man Max Hattler und Richard Negre attestieren - nach strengem Konzept entstehen Bilder von geometrischer Schönheit. Der Blick nach Asien, konkret nach China und Japan, lässt junge Meister wiederkehren und eine gute Portion an Skurrilität wie Leichtigkeit einfließen. Liebe ist: Wie ein Loch in der Socke.

Papierowe Pudelko
Polen / 2012 / 9 min / Sprache / Österreich Premiere
Natürliche Zersetzung als Metapher für Gedächtnis und Vergessen. An wen erinnern wir uns noch, wenn wir keine Bilder der Personen mehr haben? Czapla untersucht diese Frage anhand alter Fotos, die bei einer Überflutung den Wassermassen ausgesetzt waren. Eine Box voller Erinnerungen, die bald vielleicht nicht mehr vorhanden sein werden. Das langsame Verschwinden der Personen auf den Bildern geht einher mit dem Vergessen - als wären sie nie dort gewesen und als hätten die dort abgebildeten Ereignisse nie stattgefunden. Ein Film wie ein verzweifelter Versuch verschwindende Erinnerungen festzuhalten.
Regie: Zbigniew Czapla

Snail Trail
Deutschland / 2012 / 3 min
Snail Trail oszilliert zwischen Einzelzeichnung (bzw. 'Graphik') und Bewegungsfolge, zwischen zweidimensionaler Zeichenfläche und Raumeindruck, zwischen Weiß und Schwarz. Eine Art Schnecke, später auch Figur auf zwei Beinen, zieht ihre Spur über eine Fläche, wobei zahlreiche vergangene und kommende Bewegungsphasen gleichzeitig sichtbar sind und auch die zurückgelegte Wegstrecke als gezeichnete Form erscheint. Eine Art schwindelerregende Hochschaubahnfahrt durch visuelle Daten, die Philip Artus auch bereits als Rauminstallation unter Benutzung einer 360-Grad Laserprojektion gezeigt hat.
Idee/Animation/Sound: Philipp Artus, Musik: Madalena Graça

Gurehto Rabitto
The Great Rabbit
Japan / 2012 / 7 min / kein Dialog
Die neueste Arbeit des jungen japanischen Animationskünstlers Atsushi Wada: Wir begeben uns wieder in die absurde Welt der überdimensionalen Tiere und mysteriösen Rituale. "Der Große", also der Hase, steht zwischen Tradition und der modernen Welt. Wir beobachten unbeschreibliche und absurde Geschehnisse, Abfolgen, die einen tieferen inneren Sinn im Kosmos des Hasen zu haben scheinen. "The Great Rabbit" wurde 2012 bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Regie: Atsushi Wada

Voidov
Österreich / 2012 / 14 min
Voidov erinnert aus verschiedenen Gründen an den experimentellen deutschen Animationsfilm der 1920er Jahre. Das schwarze Rechteck der Filmleinwand erinnert an eine Malfläche, aus der Formen und Strukturen jenseits einer abbildenden Gegenständlichkeit gewonnen werden und dabei den Eindruck einer dreidimensionalen Tiefe erreichen. Die virtuelle Kamera blickt statisch in einen organisch flimmernden Raum mit ständig wechselnden Überlagerungen weißer Bildpunkte auf schwarzem Grund. Eine berauschende visuelle Meditation, die vom intensiven Soundgeschehen mitgetragen und kontrastiert wird.
Regie/Ton/Bild: Manuel Knapp

The Future
Großbritannien / 2013 / 2 min / Österreich Premiere
Erinnerungen werden wach an jenes legendäre Hovercraft, das die Menschen in wahnwitziger Schnelligkeit und auf einem Luftkissen quasi schwebend über den Ärmelkanal brachte. Leider wurde diese Route des wundersamen Personentransportmittels im Jahr 2000 eingestellt. Mit Alex Goddard, so viel ist sicher, wäre das nicht passiert, bei ihm wird in der Zukunft alles "gehovert" - und wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wie so eine Zukunft aussehen würde, bekommen Sie hier die Antwort.
Regie: Alex Goddard

Oh Willy...
Belgien / 2012 / Österreich Premiere
Als seine Mutter plötzlich stirbt, ist Willy, ein alleinstehender Mittfünfziger, plötzlich mit den Entscheidungen seines Lebens konfrontiert. Zurück am Ort seiner Kindheit, der FKK-Gemeinschaft, in der seine Mutter bis zum Ende lebte, weiß er nicht mehr, wohin er gehört. In tiefer Trauer und Verwirrtheit irrt er im Wald herum, um dort eine Art über-mütterliches Wesen zu finden. Die wunderschön paradox ausgestattete Puppenanimation, die Nacktheit und Stofflichkeit ad absurdum führt, lief bereits auf vielen Festivals und gewann u.a. den Preis für die beste Animation beim SXSW Festival.
Regie/Drehbuch/Animation: Emma De Swaef, Marc James Roels

Shift
Großbritannien, Deutschland / 2012 / 3 min / Österreich Premiere
Tiefschwarz als abstrakte Fläche, darauf dreidimensionale Objekte, Formen, Fragmente von Bauteilen aus Metall, Kunststoff, Filz, manchmal gläserne Einsprengsel oder winzige blinkende Lämpchen. Dazu ein Soundtrack, der zwischen spannungsgeladenen Kinofilm-Geräuscheffekten und zeitgenössischer "Neuer Musik" pendelt, eine wogende Bewegungsfolge von immer neuen semi-abstrakt bewegten Kompositionen und rasanten Transformationen. Ein Universum aus konkret beschreibbaren Klängen und Formen, das dennoch auf mysteriöse Weise auf ein größeres, dahinter liegendes Bedeutungsuniversum verweist.
Regie/Animation: Max Hattler, Zusätzliche Animation: Mavis Chen, Mia Hattler, Kami Hattler, Ton: David Kamp

Une seconde par jour
One second per day
Frankreich / 2011 / 7 min / Österreich Premiere
Eine Sekunde Film pro Tag, in Form von 25 Zeichnungen auf Papier, über den Zeitraum eines Jahres, also insgesamt 9.125 Zeichnungen, die etwas mehr als 6 Minuten Film ergeben. Aus wenigen Linien bestehende abstrakte Formen entwickeln ihr eigenständiges, rhythmisch fließendes Leben, am eingestempelten Datum sind manchmal Einschnitte zu erkennen, etwa zu Beginn eines neuen Monats oder anlässlich eines Kurzurlaubes im August, wenn einige Blätter leer bleiben. Die in perfekter Synchronität zum Bild montierten Alltagsgeräusche und elektronischen Sounds erzeugen ein genussvolles Gesamtbild.
Regie: Richard Negre, Produktion: Badlands Productions, Musik/Sound design: David Le Bouhellec

Exland
Frankreich / 2013 / 8 min / kein Dialog
Weite. Leere. Horizont. Gemeinsam mit Thibault Gleize lässt Mihai Grecu diesmal den für ihn typischen Kosmos entstehen. Leere Landschaften, nicht ganz klar ob von dieser Welt oder von einem anderen Planeten, nehmen den Zuschauer gefangen. Die Weite bedrückt und beängstigt, wie in einem Endzeit-Thriller wartet man auf die nahende Katastrophe. Eine wabernde Dunkelheit überzieht Hügel und Gebirgsketten. Zeichen einer dagewesenen Zivilisation, übrig bleiben gigantische Achterbahnen und erloschene Werbeschilder. Fantastisch dichte Atmosphäre für die Kinoleinwand.
Regie/Drehbuch/Schnitt/Ton/Musik: Mihai Grecu, Thibault Gleize, Produktion: Mihai Grecu, Thibault Gleize

Double Fikret
China / 2012 / 3 min / Österreich Premiere
Der Surrealismus steht nicht nur Pate für den Malstil von Haiyang Wang, der assoziative und alogische (Unter-)Bewusstseinsstrom des Filmes erinnert an die Methode der "ecriture automatique". Ein wiederkehrendes Motiv ist das Männerpaar, einmal erotisch gefärbt, wenn der eine den anderen aus zwei Brustwarzen entstehen lässt, die er sich zuvor als Granatapfelkerne von seiner Zunge holt. Zum Ende des Filmes erscheinen die im Film zeitlich hintereinander gereihten Zeichnungen räumlich nebeneinander als zwei Gemälde im Atelier des Künstlers.
Regie: Haiyang Wang

This is Love
China / 2010 / 3 min / Österreich Premiere
Zu den Klavierakkorden fröhlich swingender Jazzmusik und in bunten Farben träumt ein junger Mann von einer Flugreise ins romantische Frankreich, von einer berauschenden Begegnung mit einer jungen Frau, die die Beiden durch die Lüfte wirbeln lässt und ihm so den Kopf verdreht, dass er das Loch im Socken seiner Angebeteten als Beweis für ihre große Liebe erkennt. Lei Lei formuliert in nostalgisch gefärbten, legetrickartig montierten Bildern eine genießerische Unbekümmertheit und repräsentiert damit wohl eine neue Generation in China, die sich schlicht eines wünscht: Spaß und Bewegungsfreiheit.
Regie/Animation: Lei Lei, Musik: Li Xingyu

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