VIS 13: Fiction & Documentary 4 - No More Boring Films

 
Kurzfilm 80 min.
film.at poster

No more boring films - der Name ist Programm. Hier wird Material rekonstruiert, recycelt und dekontextualisiert. Hier wird versucht, Verlorenes wieder einzufangen, Tote wieder zum Leben zu erwecken, Bilder des Abschieds zum Tanzen zu bringen. Hier werden geträumte Phantasien ausgelebt, und Alpträume manifestieren sich in bester Lynch-Tradition. Die Kunst und das Leben, der Film und der Tod - in unterschiedlichen Genres, Themen und Bildsprachen nähern sich die sechs Kurzfilme dieses Programms den großen diskursiven Polen an. Und verschreiben sich, wie schon einst der Künstler John Baldessari, dem Diktum: "I will not make any more boring art." Vor diesem Programm würde sich selbst der große Tom Waits verneigen. Versprochen.

I Think This is the Closest to How the Footage Looked
Israel / 2012 / 9 min / Hebräisch mit engl. UT
In einem Versuch verlorenes Videomaterial vom letzten Tag im Leben der Mutter wieder herzustellen, bildet ein junger Mann die wertvollen Momente in der Manier eines außergewöhnlichen Puppenspiels nach. Alltagsgegenstände fungieren als Double für eine Familie, die Abschied nimmt. Unwiederbringliche Augenblicke werden noch einmal zum Leben erweckt, leise, reduziert, unaufwändig, wirksam. Ein berührender Film über Verlust, Erinnerung und die Angst zu vergessen.
Regie: Yuval Hameiri, Michal Vaknin, Produktion: Yuval Hameiri, (Production Company: Tel Aviv University Film and TV Department), Kamera: Elina Margolin Schnitt: Yuval Hameiri, Yair Asher; Sound: Itay Alter

Living Still Life
Belgien, Deutschland, Frankreich / 2012 / 15 min / Französisch mit engl. UT
"Animation is the illusion of life." Fièvre, die eigenwillig-entrückte Protagonistin in Bertrand Mandicos experimentellem Mysterium, führt ein einsames Dasein. In der Begegnung mit toten Tieren, die sie in der Wildnis sammelt und durch Animationsfilme zum Leben erweckt, dringt sie ein in die Tiefen ihres Unterbewusstseins. Eines Tages begegnet sie einem Mann, dessen Frau gerade gestorben ist. In dem rituellen Suchen und Finden entsteht ein eindrucksvoller Dialog zwischen Mensch und Tier, Leben und Tod, Realismus und Surrealismus. Dalí hätte seine Freude gehabt.
Regie: Bertrand Mandico, Produzent: Philippe Bober (Parisienne de Production) Kamera: Pascale Granel, Sound: Laure St. Marc, Musik: Tazartes Tazartes, Cast: Elina Löwensöhn, Jean-Marc Momon

A Brief History of John Baldessari
USA / 2011 / 6 min / Englisch
Tom Waits als Off-Sprecher und John Baldessari, the godfather of conceptual art, treten als Protagonisten in dieser sich selbst nicht allzu ernst nehmenden Hochgeschwindigkeitsdoku in einen medialen Dialog. Und es gelingt das Unmögliche - innerhalb von fünf Minuten werden hier das Leben und Werk (und nebenbei auch noch einige persönliche Details) des amerikanischen Künstlers pointiert porträtiert. Eine kurzweilige Collage, die sich an Baldessaris Motto "I will not make any more boring art" hält und am Ende als Film über Kunst selbst zum Kunstwerk wird.
Regie: Ariel Schulman, Henry Joost, Drehbuch: Gabriel Nussbaum, Produzent: Mandy Yaeger, Erin Wright, Schnitt: Max Joseph, Cast: John Baldessari, Tom Waits

Häivähdys Elmämää
Gates of Life
Finnland / 2012 / 6 min / kein Dialog / Österreich Premiere
Flüchtige Momente, zerfließende Bilder, ein Annähern und Verabschieden, ein Zusammenkommen und wieder Auflösen: Am Bahnhof eingefangene Augenblicke von Passanten und Passagieren, so offensichtlich, dass man sie meist übersieht, so klar, dass sie selbst im bewussten Verzerren ihre Wirkung nicht verlieren, so fluide, dass in der digitalen Verfremdung eine Art tänzerischer Bewegung entsteht. Die Bilder bleiben ebenso wie die Momente unfassbar, und doch ermöglichen Hannes Vartiainen und Pekka Veikkolainen ein Ein- und Abtauchen in ein surreales Paralleluniversum.
Regie/Produzenten/Fotografie: Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen, Musik: Joonatan Portaankorva

Musique de Chambre
Chamber Music
Frankreich / 2012 / 23 min / Französisch mit engl. UT / Österreich Premiere
Die 12-jährige Rose verbringt den Sommer in einem Ferienlager für klassische Musik. Tagsüber spielt sie Querflöte in einem Symphonieorchester, nachts teilt sie sich ihr Zimmer mit zwei 16-jährigen Violinistinnen, die gerade dabei sind, ihre Sexualität zu entdecken. Hinter verschlossenen Türen wird ein Ort für weibliche Intimität geschaffen, in der Rose das Sexualverhalten ihrer Zimmergenossinnen studiert. Ein authentisch-realitätsnaher Film von Julia Kowalksi, der aus kindlicher Sicht die Etappe zwischen Kindheit und Adoleszenz erzählt.
Regie/Drehbuch: Julia Kowalski, Produzent: Mina Driouch / Sébastien Haguenauer (10:15 Productions), Kamera: Simon Beaufils, Musik: Daniel Kowalski, Sound: Philippe Deschamps, Cast: Louise Gouverneur, Éva Baranes, Clémentine Billy, Hildegarde Fesneau, Matthieu Maytraud

The Giant
USA / 2012 / 20 min / Englisch / Österreich Premiere
In der letzten Sommernacht des Jahres entschließt sich die 17-jährige Charlotte, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Irgendetwas scheint vorgefallen zu sein, ihre Umwelt steht ihr ratlos bis feindselig gegenüber, Freunde und Fremde begegnen ihr subkutan aggressiv. Die Beklemmung ist in jeder Sekunde spürbar, das Gefühl, verfolgt zu werden, ist omnipräsent. Wovor läuft Charlotte davon? Die subtilen Andeutungen und das ausgefallene Sounddesign sind angsteinflößend, David Raboy kreiert in seiner Southern-Gothic-Tale eine surreal und fast Lynch-artig anmutende Atmosphäre.
Regie/Drehbuch/Sound: David Raboy, Produzenten: David Raboy, Ella Hatamian Kamera: Eric K. Yue, Sound: Alex Dadras, Cast: Nicole Patrick, Vincent Santvoord, Johnny Harvill, Antwon Carter, Camilla Dartnell, Ellen Wilson, Sarah Lydia Tuell

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