VIS 2018: Internationaler Wettbewerb - Alte Meister und die Zukunft | Animation Avantgarde

Min.72

Der animierte Film eignet sich perfekt für Science Fiction, kann aber auch wunderbar Brücken in die Vergangenheit schlagen und abstrakte Welten erschaffen. Don Hertzfeldt setzt in diesem Programm seine dystopische Zukunftsvision World of Tomorrow inklusive kindlichen Dialogeinlagen fort, und Réka Bucsi begibt sich mit Solar Walk in ferne Universen, in denen sie einen ganz eigenen Flow entwickelt. Zugleich tauchen wir aber auch in Welten ganz anderer Art ein – ob nun in einem Sog von Linien oder mit Klonen, alten Gemälden oder Hasen, die das Universum aufräumen. (wp)

Power
US | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 02 min 23 sec | Österreich-Premiere | Regie Dana Sink
Erinnerungen an die berühmte Arbeit Der Lauf der Dinge der Medienkünstler Fischli und Weiss werden wach: knifflige Arrangements, Kettenreaktionen und gebaute Maschinen. Dieses Mal aber als gezeichnete Animation. Wenn die Bilder vollzählig sind und die Geschwindigkeit erhöht wird, wird klar, dass es sich auch um einen Film über Film selbst handelt. Aus Einzelbildern wird ein komplexes Ganzes, das durch die schnelle Abfolge zum Leben erweckt wird. (wp)

The Battle of San Romano
CH | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 02 min 25 sec | Regie Georges Schwizgebel
Die Schlacht bei San Romano fand im Juni 1432 zwischen Hundertschaften berittener Soldaten aus Florenz und Siena statt und wurde in einem Gemälde von Paolo Uccello übersteigert festgehalten. Georges Schwizgebel verwandelt in meisterhafter Animationsmalerei dieses Sinnbild für die grenzenlose Geltungssucht des Menschen, für die unzählige Leben geopfert werden, in einen Tanz der Verzweiflung, zu dem Judith Gruber-Stitzer die maßgeschneiderte Musik liefert. (tr)

World of Tomorrow Episode Two: The Burden of Other People’s Thoughts
US | 2017 | 22 min 38 sec | Österreich-Premiere | Regie Don Hertzfeldt
Don Hertzfeldts neuester Streich ist einmal mehr zwischen vermeintlicher Banalität und Genialität anzusiedeln: er spielt erneut mit der Unberechenbarkeit seiner kleinen Nichte und verbindet die (Nicht-)Logik ihrer Fantasie mit einer dystopisch-philosophischen Vision von Zeitreise und Zukunft. Der zukünftige Klon von Emily, der das Mädchen aus der Zukunft besucht, nimmt sie diesmal mit auf eine Reise durch die eigenen (traumatischen) Erinnerungen. (wp)

Pure White
DE | 2018 | 03 min | Österreich-Premiere | Regie Sven Windszus
Das anatomische Modell eines weiblichen Körpers ist die einzige lebendige Figur in diesem surrealen Traum. Dieser Torso ist umgeben von einer Welt der Objekte, in der nur die Farbe Weiß existiert und sogar die Vögel auf den Bäumen leblos sind. Dennoch spricht die Figur ihre Umgebung als „perfect world“ an und versucht ein Teil von ihr zu werden; sie opfert dafür sogar ihr Herz und wird dadurch selbst zum leblosen Objekt in dieser vollendeten Welt. (tr)

Momentum 142310
AT | 2018 | Kein Dialog/Liedtext | 15 min | Österreich-Premiere | Regie Manuel Knapp
Manuel Knapps Protagonistinnen in Momentum 142310 sind Texturen und Linien, er beschäftigt sich mit dem zwei- und dreidimensionalen Raum und abstrakter Architektur. Die virtuelle Kamera beobachtet den flirrenden Raum und die Linien, die diesen erschaffen. Sie verändern sich laufend – es wird immer stürmischer, auch der Sound verdichtet sich immer mehr. Und hinter dem Rauschen ruft vermeintlich eine verstimmte Orgel Gedanken an sakrale Orte hervor. (wp)

DEATH VAN
CA | 2017 | Kein Dialog/Liedtext | 06 min 07 sec | Österreich-Premiere | Regie Michael Enzbrunner
Das Space-Rock-Duo Death Van besteht aus einer Spielzeugfigur am Schlagzeug und einem in die Urwald-Szenerie eingreifenden menschlichen Arm, dessen Finger die Arme und Beine der zweiten Figur (mit nur einem großen Auge) am E-Bass sind. Und ja, die beiden werden von einem Monster bedroht und eingesaugt, das einen Strohhut trägt und sich aus vielen verschiedenen Objekten zusammensetzt. Am Ende geht aber alles gut aus, und die vielen seltsamen Wesen tanzen. (tr)

Solar Walk
DK | 2018 | Kein Dialog/Liedtext | 20 min 55 sec | Österreich-Premiere | Regie Réka Bucsi
Réka Bucsi hat wohl einen besonderen Draht zum Weltall, immer wieder ist es Kulisse bzw. Protagonistin in ihren Filmen. Solar Walk ist wie ein Gedankenspaziergang, ein sorgloses Driften durch Raum und Zeit, mit Formen und Lebewesen, die ihre eigenen physikalischen Gesetze haben und wunderbare Metamorphosen durchleben. Egal ob ein im All schwebender Quader oder ein Planeten-sortierender Hase, Bucsi zeichnet all ihre Figuren feinsinnig und liebevoll. (wp)

Für diesen Film gibt es leider keine Vorstellungen.