zeitnah, weltfern 10: 4. Todesboten

 
Dokumentation 
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Gustav Mayer, Österreich 1927 DER BRAND DES JUSTIZPALASTES IN WIEN Kamera Rudi Mayer Produktion Gustav Mayer 35mm/1:1,33/Schwarzweiß, stumm Deutsche Zwischentitel 280 Meter, 11 Minuten (22 B/Sek.) Werner Hochbaum, Österreich/Schweiz 1935 DIE EWIGE MASKE Drehbuch Werner Hochbaum, Léo Lapaire, Kurt Gauger Kamera Oskar Schnirch Musik Anton Profes Ton Herbert Janeczka Schnitt Else Baum Bauten Hans Jacoby Maske Paul Dannenberg Darsteller Mathias Wieman, Peter Petersen, Franz Schafheitlin, Olga Tschechowa, Thekla Ahrens, Tom Kraa, Karl Skraup, Ernst Schlott Produktion Tobis-Sascha Filmindustrie AG (Wien), Progreß-Film AG (Bern) 35mm/Schwarzweiß, Ton 72 Minuten Tote können nicht begraben werden. Sie kehren wieder. Sie regen sich in der Geschichte eines Landes oder in einer privaten Biografie. Am 15. Juli 1927 brennt in Wien der Justizpalast. Tote liegen auf der Straße. Sie werden Österreich lange präsent bleiben. In Die ewige Maske versucht ein Arzt, den Tod umzubringen. Doch statt dessen stirbt ein Mensch. Der Arzt muss in die Verliese seiner Seele hinabsteigen, unansprechbar werden, Spaltungen durchleben, Ich und Selbst verlieren, um seine Orientierung wieder zu finden, um sein Verhältnis von Schuld und Tod zu klären. Ein Satz ist den Bildern vorangestellt: «Anlässlich des Urteilsspruches im Schattendorfer Prozess fanden in Wien Demonstrationen statt, die kaum zu denkenden Umfang annahmen.» In der Aktualität Der Brand des Justizpalastes in Wien ist das Ungeheure und Unerwartete bereits geschehen. Die Fenster des Justizpalastes sind zerschlagen, Rauch dringt heraus. Nach der Architektur zeigt der Film die Menschen. Eine aufgeregte Menge, die sich an der Straßenkreuzung beim Justizgebäude versammelt hat und ständigen Zustrom erhält. Die Kamera wahrt Distanz, sucht die Übersicht. Der Menge wird keine Geschichte gegeben. Ihre Funktion in der momentanen Dramatik wird benannt. Sie hindere die Feuerwehr am Löschen, vermerkt ein Zwischentitel. Der folgende gibt sich betont nüchtern. Die historische Sprengkraft seines Inhalts ist ihm kaum abzulesen. «Die Polizei schreitet zur Räumung der Umgebung des brennenden Gebäudes. Wobei sie von der Schusswaffe Gebrauch macht.» Menschen bersten auseinander, über ihnen dunkle Rauchschwaden. Ungeordnet und ohne Lenkung suchen sie Fluchtwege. Ein improvisierter Ansatz, Barrikaden zu errichten. Unbewaffnete Schutzbündler versuchen, eine Isolierschicht zwischen Polizei und den Demonstrierenden zu bilden. Sie werden zum bevorzugten Ziel der Schützen. In der Stadt herrscht eine Meningitisepidemie. Dem Patienten Negar, den die Kollegen schon aufgegeben haben, spritzt Dr. Dumartin in Die ewige Maske ein selbst entwickeltes Serum, das nicht freigegeben ist. Trotz anfänglicher Besserung überlebt der Schwerkranke die Nacht nicht. Statt des Todes wurde nun ein Mensch getötet, glaubt der Arzt. Er tritt eine Reise in sein Unterbewusstes an und macht sich auf die Suche nach sich selbst. Er wird dabei geleitet und abgewiesen, verliert sich in einer Unterwelt surrealer Prägung, trifft dort die begehrenswerte Witwe des Verstorbenen und seinen Professor, der energetische Experimente durchführt. Dumartin gelingt es nicht, sein gefangenes Ich zu finden. Stattdessen kehrt ein anderer wieder und wieder: der Tod, in Gestalt Negars. Das Kollegium schwankt zwischen Ratlosigkeit und Initiative. Schließlich trifft Dumartin sich selbst. Er liegt auf demselben Bett wie einst Negar und trägt eine Maske. Sie kann abgenommen werden. Der Liegende spricht zu Dumartin über das Verhältnis von Schuld und Handeln, die notwendig miteinander verflochten seien. Der Liegende wandelt sich zu Negars Leichnam. Dumartin kann ihn nun begraben.

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