zeitnah, weltfern 13: 5. Überlebenstechnik

 
Drama 
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Sascha-Film, 1914-1918 WELLEN SCHLAGEN GEGEN DIE KÜSTE, BEOBACHTET VON EINER FRAU (Archivtitel) Produktion Sascha-Film (Wien) 35mm/1:1,33/Tonung, stumm 18 Meter (Fragment), 1 Minute (18 B/Sek.) Willi Forst, Deutschland 1940 OPERETTE Drehbuch Willi Forst, Axel Eggebrecht, Hans Fritz Beckmann Kamera Hans Schneeberger, Sepp Ketterer Musik Willy Schmidt-Gentner Bauten Werner Schlichting, Kurt Herlth Kostüm Alfred Kunz Darsteller Willi Forst, Maria Holst, Dora Komar, Paul Hörbiger, Leo Slezak, Edmund Schellhammer, Curd Jürgens, Siegfried Breuer, Trude Marlen, Gustav Waldau, Theodor Danegger, Alfred Neugebauer Produktion Deutsche Forst- Filmproduktion-GmbH (Berlin) 35mm/Schwarzweiß, Ton 106 Minuten Zwei Inszenierungsstile. Einerseits ein offenes Konzept, welches Sinngebung an das Publikum weiterspielt, andererseits die Dichte der Bedeutung, die mitreißt und verführt. In Poesie und Kunst sind beide zu Hause. Auch mit den Musen sind sie vertraut. Teils werden diese unaufgefordert tätig, teils gewandt herbeizitiert. Zwei Formen von Kinoglück. Wellen schlagen gegen die Küste, beobachtet von einer Frau: ein Fragment. Drei Einstellungen, die sich in ihrer Flüchtigkeit einem Zusammenhang entziehen. Ein Element verbindet sie: das Meer. Schiffe liegen im Hafen, ein Ochsenkarren quert den Strand, tosende Wellen schlagen an eine Felsküste. Ein Frau tritt ins Bild und beobachtet das Meer. Das Naturschauspiel als Kulisse für das schweifende Auge der Frau wie für die technische Apparatur, die beides aufzeichnet. Das Publikum kann durch die Bilder streifen, Dinge aufgreifen oder verweilen. Alles ist verwandlungsfähig. Laune, Beschwingtheit, Schillern, Allüre gehören zu den Ingredienzen von Operette wie Wien, Musik und die Historie. Willi Forst predigt eine Ökonomie der Verschwendung. Er nimmt am Schauspieler und Theaterdirektor Franz Jauner Maß und zeigt ihn als einen Mann, der im Urteil unbestechlich, im Ausdruck charmant-verführerisch ist. Auf Schloss Hohenberg begegnen sie einander erstmals: Marie Geistinger und Jauner. Sie, Prinzipalin der Theaters an der Wien und gefeierter Star; er, ein unbekannter Schauspieler mit Ambitionen. Bewundert von der aristokratischen Gesellschaft trägt Marie ein Lied vor: «Ich bin ja so verliebt». Eher amüsiert fragt sie ihren Klavierbegleiter nach dessen Meinung. Dieser wägt ab: Ist das Spiel der Konventionen gefragt, oder wird Ehrlichkeit vertragen? «Wollen Sie ein Kompliment hören oder meine wahre Meinung?» Geistinger entscheidet sich für zweiteres und wird irritiert. Jauner sitzt am Klavier, sieht zu der Frau im eleganten weißen Kleid auf und bekundet, es habe ihm gar nicht gefallen. Stimme und gutes Aussehen genügten nicht, um Gesang lebendig werden zu lassen. «Ein Lied wie dieses muss gebracht werden, ausgestattet, genau wie ein Theaterstück.» Jauner trägt seine Version des Liedes vor, eine stimmige Inszenierung von Blicken, Gefühl und Melodik. Alle spüren den Unterschied. Sein und Schein, Arbeit und Emotion, Jauner hat die Grenzen der Bereiche fließend werden lassen. Geistinger reagiert nachdenklich und gelassen. Sie wird Jauner ans Theater an der Wien holen, ihm seine eigentliche Profession zuweisen: das Inszenieren. Jauner steigt zum König der Operette auf. Doch die große Vision ist zunächst nicht das Gesamtkunstwerk, sondern die Verbindung von Liebe und Arbeit. Darin scheitert er. Am Ende steht der Künstler allein auf der Bühne, nimmt die Ovationen des Publikums entgegen. Es hat sich als höchst wankelmütig erwiesen. Das Fragment mit dem Archivtitel Wellen schlagen gegen die Küste, beobachtet von einer Frau wurde 1999 im Nederlands Filmmuseum Amsterdam aufgefunden und vom Filmarchiv Austria restauriert.

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