zeitnah, weltfern 3: 1. Das Privileg zu sehen

 
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Felix Dörmann, Österreich 1912 DIE ZIRKUSGRÄFIN Drehbuch Felix Dörmann Darsteller Eugenie Bernay, Mizzi Telmont, Felix Dörmann, Heinrich Eisenbach Produktion Vindobona-Film Ges. m. b. H. Dörmann & Tropp (Wien) Klavierbegleitung So-Ryang Joo 35mm/1:1,33/Schwarzweiß, stumm Deutsche Zwischentitel 453 Meter (Fragment), 22 Minuten (18 B/Sek.) Hans Karl Breslauer, Österreich 1924 STRANDGUT Drehbuch Ida Jenbach, Hans Karl Breslauer Darsteller Anny Milety, Nora Girardi, Albrecht Attems, Hans Effenberger, Willi Forst Produktion H. K. Breslauer Film (Wien) Klavierbegleitung So-Ryang Joo 35mm/1:1,33/Viragen, stumm Deutsche Zwischentitel 1840 Meter, 73 Minuten (22 B/Sek.) Ein Programm, das im Ästhetischen von einer faszinierenden Spannung berichtet: Im Verhältnis zur Wirklichkeit mischt sich in den Filmen Kontrolliertes mit Zufälligem. Dem Sehen werden Angebote gemacht, die in der Strategie der Inszenierung nicht aufgehen. Ungefügiges und Unbeabsichtigtes bestimmen das Bild mit. In der Anlage ihrer Geschichten stellen beide Filme eine Frau in ihr Zentrum, die auf der Suche nach einem Leben ist, das ihren Wünschen entspricht. Von Die Zirkusgräfin ist einzig ein Fragment erhalten. Es erzählt vom sozialen Aufstieg einer Artistin. Minka, Tänzerin, Kunstreiterin, verehrte und umsorgte Freundin eines eifersüchtigen Clowns, ist der Welt des Zirkus müde. Sie wird die Geliebte eines wohlhabenden Gutsherren, ändert Aussehen und Auftreten. Vollständig ihrer neuen Umgebung angepasst, besucht sie nach Jahren erneut den Zirkus. Der Clown erkennt sie. Sein Herz bricht. Der Film ist an Außenschauplätzen und im Atelier gedreht. Die Innenaufnahmen sind durchkomponiert ausgestattet. Bei den Außenaufnahmen geraten Vordergrund und Tiefe - Inszeniertes und Vorgefundenes - in ein Tauschverhältnis. Der Zirkus hält eine Parade im Dorf ab. Während dieses Ereignisses lernt Minka den Gutsherren kennen. Die Häuser im Hintergrund, der aufgewirbelte Staub, die Bewohner, die das Spektakel betrachten, die erstaunten, herumtollenden Kinder ziehen Aufmerksamkeit von der Handlung ab und streuen sie über den gesamten Bildraum. Das tiefenscharfe Bild unterläuft seine dramaturgische Zuspitzung. In Strandgut müssen sich Natur und Leidenschaft in Rauheit und Sturm messen. Zwei Stiefbrüder leben in einem kleinen Fischerdorf am Meer. Der eine hat «das wilde Blut seines Vaters» geerbt (Willi Forst als Gian in seiner zweiten Filmrolle). Der andere ist sanft und gutmütig. Die Ungleichen achten die Gesetze des Meeres. Eines besagt, Schiffbrüchigen muss geholfen werden. Ein Frachter sinkt, und zwei leblose Körper werden an die Felsklippen gespült. Die Brüder finden, «was das Meer hergab». Ihnen gelingt, eine Frau zu retten, die der Tote an ihrer Seite erst freigeben muss. Nun arbeiten die Wünsche. Begehren, umherstreifen, beobachten, lauern. Rita gefällt beiden Brüdern. Sie entscheidet sich für den Zurückhaltenden. Am Hochzeitstag geschieht erneut ein Unglück am Meer. Die Männer des Dorfes fahren zur Bergung hinaus. Im Boot der Brüder kehrt nur einer zurück: der wilde Gian. Er wird seinen Ort in Ritas Leben beanspruchen. Diese versucht, es nun selbst in die Hand zu nehmen. Aus dem Fischerdorf aufgrund einer Verleumdung vertrieben, gelingt ihr eine glänzende Karriere als Sängerin. Neue Freunde umgeben sie, eine Leben in ökonomischer Unbeschwertheit. Doch die Vergangenheit ruht nicht. Am Ende nimmt das Meer erneut einen Toten auf und zwei Liebende können endlich gemeinsam in die Zukunft aufbrechen. Strandgut wurde 1998 im Bundesarchiv/Filmarchiv Berlin aufgefunden, repatriiert und 2002 mit Unterstützung der Viennale vom Filmarchiv Austria restauriert. Der Film ist hier erstmals öffentlich zu sehen.

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