zeitnah, weltfern 6: 2. Der große Krieg dauert

 
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Gustav Ucicky, Deutschland 1938 WORT UND TAT Mitarbeit Dr. Fritz Hippler, Ottoheinz Jahn, Eugen York Musik Peter Kreuder Schnitt Hans Weidemann Produktion NSDAP - Reichspropagandaleitung, Amtsleitung Film 35mm/Schwarzweiß, Ton 10 Minuten Gustav Ucicky, Deutschland 1940 EIN LEBEN LANG Drehbuch Gerhard Menzel Kamera Hans Schneeberger Musik Willy Schmidt-Gentner Bauten Werner Schlichting, Kurt Herlth Schnitt Rudolf Schaad, Arnfried Heyne Kostüme Alfred Kunz Darsteller Paula Wessely, Joachim Gottschalk, Lina Woiwode, Maria Andergast, Egon von Jordan, Gustav Waldau, Theodor Danegger, Jane Tilden, Annie Rosar, Alfred Neugebauer, Karl Ehmann, Pepi Glöckner-Kramer, Hugo Gottschlich Produktion Wien-Film GmbH (Wien) 35mm/Schwarzweiß, Ton 89 Minuten Ein Programm mit einer funktionalen und einer personalen Klammer. Zwei Filme von Gustav Ucicky treffen aufeinander, mit ihnen zwei Konzepte von Propaganda. Einerseits das unmissverständlich-appellative: Ein Wahlwerbefilm lässt seine Bilder vorbeidonnern und im Kommentar keinen Raum für Widerspruch. Andererseits das subtil-einflüsternde. Eine Liebesgeschichte führt in die Sphäre der Gefühle, die ihren nationalen Wert erst langsam ausstellt. Ucicky greift mit der Dokumentation in die Tagespolitik ein, mit dem Spielfilm wählt er einen historischen Umweg. Er sucht die 10er Jahre des 20. Jahrhunderts auf und nutzt verdeckt die Zeit des Ersten Weltkriegs, um für den ideologischen Nährboden des Zweiten zu mobilisieren. Goebbels bestellt einen Propagandafilm, in dem sich auch prominente Filmleute zum Regime bekennen sollen. Man fragt Ucicky, ob er die Regie von Wort und Tat übernehmen wolle, einem Wahlwerbefilm zur Volksabstimmung am 10. April 1938 über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich. Der Anschluss hatte sich bereits vollzogen. Es galt, ihn zu legalisieren. Von Mitte März bis zum 10. April 1938 werden in Österreich die Ästhetisierung der Politik ausgereizt und alle Medien mobilisiert, um für ein Ja zu werben. Wort und Tat spielt in diesem Konzert. Dem Chaos der Worte, der Parteienlandschaft, der Straßenaufläufe stemmt sich die klare Sprache der Taten entgegen. Hitler schickt den deutschen Arbeiter ans Werk. Die Formation der Körper, Wirtschaftsstatistiken, Stollen- und Schollenbau schaffen Übersichtlichkeit, eine neue Staatsform und ein neues Selbstwertgefühl. Am Ende schallt Hitlers Stolz über den Heldenplatz: Die Heimat tritt ins Deutsche Reich ein. «Das Ergebnis der Abstimmung - 99,6 Prozent Ja-Stimmen bei einer Beteiligung von 99,7 Prozent - bedarf keines ausführlichen Kommentars; es ist das in Diktaturen übliche Ergebnis», schreibt der Historiker Ernst Hanisch. Ein Leben lang ist um das Kraftzentrum Paula Wessely gebaut. Sie spielt Agnes, eine steirische Wirtstochter, deren Charakterfestigkeit ihre soziale Herkunft vergessen macht. Agnes lernt Baron Hans von Gallas kennen. Die beiden verlieben sich. Doch Hans' Lebensweg ist von seiner Herkunft vorgezeichnet: Er wird Diplomat, bereist die Welt. Agnes trägt den Abschied tapfer. Ihr Glaube an die Bestimmung ihrer Liebe ist unerschütterlich. Ein Jahrzehnt nimmt Kontur an, aus der Perspektive einer Frau, die an der einzigen Liebe festhält. «Und es geschehen viele Dinge», schreibt der Filmkurier, «die das Herzensband zu zerreißen drohen, aber es widersteht, und es überdauert drohenden Tod und Kriegsnot und Wechselfälle des Lebens und Missgeschick und tragisches Missverstehen». Am Ende gleichen Agnes und Hans ihren Stolz ab: Liebe gegen Lebensüberdruss, Wille gegen Selbstaufgabe. Agnes' Gewissheit siegt. Ein Mann erhebt sich vom Rollstuhl. Dem gemeinsamen Sohn wird die Zukunft gehören. Wort und Tat wurde 1999 im Nederlands Filmmuseum Amsterdam aufgefunden und vom Filmarchiv Austria restauriert.

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