Filmkritiken

Spider-Man: Brand New Day-Kritik: Peter spinnt gewaltig

Peter Parker ist endlich wieder da! – Wie bitte? Nie gehört. Wer soll das sein? 

Alle, die wissen möchten, wie sich der Spinnenjunge (Tom Holland) diesmal in „Spider-Man: Brand New Day“ fühlt, sind mit den vorhergehenden Sätzen bestens bedient. Schuld an der ganzen Misere ist Doktor Strange, der ja am Ende von „Spider-Man: No Way Home“ mit den besten Absichten einen Vergessenheitszauber ausgesprochen hat, um Parkers Identität aus dem Gedächtnis der Menschheit zu löschen. 

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Überstunden als Superheld 

Dass Peter nun seine neu gewonnene Anonymität genießen kann, wäre eigentlich ganz angenehm, doch dummerweise erkennen ihn auch seine früheren Freunde nicht mehr, und vor allem MJ (Zendaya) hat keine Ahnung, wie verliebt sie noch vor Kurzem ineinander waren. Grund genug für Parker, sich voll auf den Superheldenjob zu konzentrieren, um nicht Trübsal zu blasen oder in eine ausgewachsene Depression abzudriften. Er sorgt praktisch im Alleingang dafür, New York verbrecherfrei zu halten und hat als einzige Ansprechperson eine Polizistin (Liza Colón-Zayas) gefunden, um wenigstens etwas zwischenmenschliche Bodenhaftung beizubehalten.

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Ejakulationen aus dem Handgelenk

Parker steht also unter großem psychischem Druck, aber zugleich gehen auch enorme körperliche Veränderungen mit ihm vor: Sein Hormonhaushalt spielt plötzlich so verrückt, als würde er eine zweite Pubertät durchleben und er entwickelt ungeahnte Fähigkeiten, die ihn selber erstaunen oder sogar leicht angeekelt zurücklassen. Er „spinnt“ noch mehr als sonst - ich sage nur: Ejakulationen aus dem Handgelenk. Wenn sich seine Pupillen kohlschwarz färben, könnte man fast glauben, Venom sei zurückgekehrt, aber der hat in diesem Film definitiv nichts zu suchen. Jedenfalls kostet es Spider-Man einige Mühe, seine neuen Kräfte zu kontrollieren und auch sein Temperament unter Kontrolle zu halten. Als Gegenspieler trifft er auf ein Wesen, das ziemlich viel mit ihm gemeinsam hat, denn auch hier sind unglaubliche Kräfte im Spiel, mit denen großes Unheil angerichtet werden kann.

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Unsichtbare Bedrohung und hohe Schauwerte

Bei einem scheinbaren Routineeinsatz wird er plötzlich mit einer neuen Bedrohung konfrontiert: Eine unsichtbare Macht ist in der Lage, Besitz von Menschen zu ergreifen und blitzschnell von Person zu Person überzuspringen. Eingefleischte Marvel-Kenner sind natürlich im Vorteil und können sich vermutlich schon früh zusammenreimen, was hier eigentlich vor sich geht. Alle anderen dürfen die längste Zeit herumrätseln, bevor sie dann die Auflösung erhalten. Nur so viel sei verraten: Es kommt zu Szenen, deren visuelle Umsetzung einem Christopher Nolan aus der Zeit von „Inception“ alle Ehre gemacht hätte. Überhaupt sind die Schauwerte einfach hinreißend: Man hat den Eindruck, dass sich Spideys Fadenschwingerei durch New York von Film zu Film noch spektakulärer gestaltet – und wenn er sich gleich zu Beginn kopfüber in die Straßenschluchten stürzt, beschleunigt das garantiert unseren Puls.

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Gute MCU-Mischung

Destin Daniel Cretton, durch „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ und die Serie „Wonder Man“ bereits ins MCU eingeführt, inszeniert mit „Brand New Day“ einen Spider-Man-Film, in dem alle Zutaten versammelt sind, um Fans überglücklich zu machen: Tolle Action (wann hat man zuletzt den Hulk so ungehemmt zerstörungsfroh erlebt?), eine überraschend wendungsreiche Handlung, Auftritte von ein paar alten Vertrauten (wie Jon Bernthal als Punisher, Mark Ruffalo als Bruce Banner oder Florence Pugh als Yelena Belova), sowie jede Menge Romantik und große Gefühle (wird es Peter gelingen, ein zweites Mal MJs Herz zu erobern und auch seine Freundschaft mit Ned zu erneuern?). Bei all dem schafft es Tom Holland auch mit 30 noch so super jungenhaft zu wirken, dass man ihm das Spidey-Kostüm ruhig noch für mindestens zehn weitere Jahre anvertrauen kann.

4 von 5 klebrigen Spinnenkokons an Hausmauern

„Spider-Man: Brand New Day“ ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!